Leserbrief

Nicht jeder Oldtimer ist erhaltenswert

Keine Fahrverbote;Leserforum 8. August

Selbst Besitzer eines Oldtimers, der mit sehr viel finanziellem Aufwand fahrbereit und einigermaßen umweltverträglich am Leben gehalten wird, kann ich den geharnischten Brief des Herrn Knopf nur zu gut verstehen. Mit circa 600 000 registrierten Fahrzeugen, plus Dunkelziffer X durch Missbrauch des roten Fahrzeugkennzeichens, mit 30 Jahren und älter, die zu einem großen Teil in schlechtem Erhaltungszustand, minimal gewartet, um lediglich mühsam fahrbereit gehalten zu werden, kommt dieser Subkultur eine besondere Bedeutung zu. Als ehemaliges Mitglied im Vorstand eines Oldtimerklubs, der diese Missstände anprangerte mit der Folge, dass mir als Nestbeschmutzer mit fehlendem Oldtimerfeeling der Austritt nahegelegt wurde, habe ich es unzählige Male erlebt, dass solche Fahrzeuge bei Ausfahrten nur wenige Kilometer schafften und anschließend fremde Hilfe, in der Regel durch den ADAC, in Anspruch nehmen mussten.

Hinzu kommt, dass beileibe nicht alle Fahrzeuge über 30 Jahre erhaltungswürdig sind und das Prädikat erhaltungswürdiges technisches Kulturgut verdienen. Das gehört ausschließlich an solche Fahrzeuge verliehen, welche die Automobilgeschichte und die jeweilige Epoche mit ihrer Gesellschaft nachhaltig geprägt haben. Allein das derzeitige Entscheidungskriterium Baujahr und damit die mögliche Aufnahme in die Kategorie historisches Fahrzeug mit H-Kennzeichen führt dazu, dass diese Fahrzeuge vermehrt als Alltagsfahrzeuge durch den reduzierten, pauschalen Kfz-Steuersatz und einer ebenfalls stark reduzierten Kfz Haftpflichtversicherung Verwendung finden und kurioserweise freien Zutritt zu Umweltzonen haben. Sanktioniert wird das scheinbar auch durch die Anhänger der Grünen als erwiesene Vielflieger, die, Umwelt- und Klimaschutz hin oder her, eine weitere Möglichkeit der billigen und bequemen Fortbewegung für sich entdeckt haben. Sollte es hier nicht zu einer Umdenke kommen, dass es nicht allein damit getan ist, der Öffentlichkeit die alten Autos und Motorräder mit allen ihren behebbaren und nicht behebbaren Mängel als technisches Kulturgut und als rollendes Museum mit den entsprechenden Privilegien zu verkaufen, sondern sich den Anforderungen einer gewandelten Gesellschaft und Umwelt zu stellen und anzupassen, dürfte es um die Zukunft dieses unbestreitbar schönen Hobbys schlecht bestellt sein. Zu dieser Umdenke gehört auch, dass Dachverbände wie Deuvet und Fiva aus ihrem Traum nach Originalität erwachen, ihr Mailänder Manifest in den Papierkorb versenken und ihren Mitgliedern die Möglichkeit der künftigen Akzeptanz ihrer Fahrzeuge, auch in einer gewandelten Gesellschaft mit existenziellen Nöten und Interessen, aufzuzeigen und zu ermöglichen.

Jürgen Schink

Peißenberg

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