Fleckerlteppich-Bewerbung

„Einmalige Chance“; Leserbriefe 21. Oktober

Das Tremolieren der OJa-Werberkolonne ist mehr ein Pfeifen im finsteren IOC-DOSB-Knebelverhau. Hat doch Oslo, mit seinen Spielen in der Stadt, die Nase vorn. Gegen die teutsche Fleckerlteppich-Bewerbung, die bei den vier auseinanderliegenden Showstätten die auf kurzes Shuttlen, Freitisch & spendierte Luxusherbergen geeichten Funktionäre vergrämen werden. Nebst Begleitung, VIPs & mitreisende Journaille. Da schmiert auch eine bundesdeutsche Zustimmung, mit nur 6 von 10 Bürgern für eine bayerische Bewerbung, gegen südkoreanische 93 Jubelprozent arg ab. Für die Schweizer Gschäftlmacha sollten es schon ab 70 % und mehr sein. Proteste oder gar Demos werden aber sowieso von den knebelnden Oly-Feudalherren wie in Vancouver 2010 via Sperr- & Hoheitszonen und extra Polizei- und Sicherheitskräften – zu entlohnen vom Gastgeber – ferngehalten. Und dass der Schweizer Privatverein dazu nationale Steuerfreiheit postuliert, über das wann und wie viel seines Unkostenbeitrags erst nach dem Milliardenspiel intern befindet, aber schon jetzt unbedingte Schneesicherheit für anno 2022 garantiert haben will, zeigen aufbereitete Bewerberpapiere. O Ja! – Budweiser und McDonalds haben für ihre Millionenlizenzen auch die Nase vorn. Eh kloar: No Bavarian Beer and Würschtl for Olympics 2022 – gsuffa!

Rudolf G. Hörmandinger Farchant

Leider irrt sich Heinz Mohr in seinem Leserbrief „Einmalige Chance“ in fast allen Punkten: So behauptet er, dass 86 % der benötigten Sportanlagen schon existieren und verweist auf Worldcup und WM. Er übersieht, dass bei WorldCup bzw. Ski-WM ganz andere (reduzierte) Rahmenbedingungen gefordert sind als bei Olympischen Spielen. Dabei sind die genauen Anforderungen für die Spiele 2022, also in 9 Jahren, noch gar nicht bekannt. Da kann sich – wie man jetzt schon in Pyeongchang sieht – viel bezüglich der Sportstättenanforderungen, Sportleranzahl und Wettkampfarten ändern. Neun Jahre sind im Sportwettkampfbereich eine Ewigkeit. Die Zahl 86 % ist also eine reine Wunschzahl. Mohr hat zwar Recht, wenn er schreibt dass, sich die prognostizierten 1,5 Milliarden Euro Veranstaltungskosten durch IOC und Eintrittskarten refinanziert werden. Das weiß man aus vorangegangenen Spielen. Der Löwenanteil der Kosten – die Infrastrukturkosten – sind allerdings das eigentliche Problem. Da haben alle Olympischen Spiele seit 1960 ihre Plankosten weit überschritten und zwar im Schnitt um das zirka dreifache. Dann wären wir nämlich nicht mehr bei 3,3 Milliarden Euro (wie von Mohr und im offiziellen Konzept ausgewiesen) sondern bei 10 Milliarden Euro. Das würde auch eher zu den Kosten der Winterspiele von Vancouver 2010 von 7 Milliarden Euro passen. Völlig daneben liegt Mohr, wenn er behauptet, die IOC-Verträge wären hart, aber marktüblich. Selbst OB Ude bezeichnete die Verträge als eine Zumutung. Ein Gutachten eines renommierten Rechtsprofessors, Prof. Dr. Gerrit Manssen, spricht von sittenwidrigen Verträgen, in der ein Vertragspartner nahezu alle Pflichten (sprich Ausgaben), der andere nahezu alle Rechte (sprich Einnahmen) hat. Die Behauptung, dass Vancouver oder London bewiesen haben, wie positiv sich olympische Spiele auf eine Nation ausgewirkt haben, lässt sich leicht durch die von den Spielen verursachten Mietpreissteigerung und Schuldenexplosion in Vancouver, London und anderen Olympiaorten widerlegen. Auch dem Tourismus hat Olympia nicht genützt. Die Tourismuszahlen in London sind im Monat vor und während der Spiele nachweislich sogar um 5 % gefallen.

Wolfgang Graf München

Heinz Mohr war ehemaliger Leiter des Olympiastützpunktes Aki-Alpin und ist nun Vorsitzender des Vereins OlympiJa in Garmisch-Partenkirchen. In seinem Leserbrief zur Bewerbung von München um die Olympischen Winterspiele 2022 stellt Mohr einige irreführende Behauptungen bezüglich Finanzen und Nachhaltigkeit auf, die unsere Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. in vielen Beiträgen auf unserer Webseite www.nolympia.de widerlegt hat. Grob unwahr wird Mohr jedoch beim Thema Host City-Vertrag, wenn er schreibt: „Die IOC-Verträge sind hart, aber durchaus marktüblich (juristisch geprüft und nicht sittenwidrig).“ 1) Die Juristen der Stadt Salzburg haben die IOC-Verträge bei der Bewerbung für 2014 geprüft und als „sittenwidrige Knebelungsverträge“ bezeichnet. 2) Und der von uns mit einer Überprüfung des Host-City-Vertrages beauftragte Regensburger Kommunalrechtler Prof. Gerrit Manssen kam unter anderem zu folgenden Schlüssen: „Der Vertrag bürdet nahezu alle finanziellen Lasten und Risiken für die Durchführung der Spiele der Stadt auf. Das IOC stellt einen eigenen finanziellen Beitrag in sein Ermessen. Haftungs- und Vertragsstrafenregelungen begünstigen vollkommen einseitig das IOC. Die Stadt übernimmt die Haftung für Handlungen Dritter, insbesondere des zu gründenden Organisationskomitees (OK) und des Nationalen Olympischen Komitees (DOSB).“ - Nach deutschem Recht wird man den Vertrag als sittenwidrig nach § 138 BGB ansehen müssen (völlig einseitige Risiko- und Lastenverteilung, Ausnutzung einer Monopolstellung). - „Mit Abschluss des Vertrages geht die Stadt erhebliche finanzielle Risiken sowohl für eigene, als auch für Handlungen Dritter (OK, DSOB, Bund, Freistaat) ein. Solche finanziell unbezifferbaren Risiken dürfen nach kommunalem Haushaltsrecht nicht übernommen werden.“ Auch wenn man wie Mohr Vorsitzender des Vereins OlympiJa ist, erfordert es die sportliche Fairness, keine Unwahrheiten in die Welt zu setzen: Diese Vernebelungstaktik soll nur die Abstimmung am 10.11.2013 über die Bewerbung München 2022 beeinflussen.

Dr. Wolfgang Zängl München

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