Vor- und Nachteile durch Olympische Spiele

„Debatte um Bewerbung für Olympia 2022“; Leserbriefe 4. November

Frau Haderthauer meint, Mietpreise sind in München nicht wegen Olympia hoch, sondern weil München eine attraktive Stadt sei. Dann frag ich mich, wieso in fast allen Ausrichterstädten sofort nach Bekanntgabe des Olympiazuschlags die Mietpreise und Lebenserhaltungskosten explodiert sind. Frau Haderthauer scheint von diesem Olympiaeffekt noch nichts gehört zu haben. Dann versucht Frau Haderthauer die 1300 Luxuswohnungen, die erst 2022 zur Verfügung stehen, als Teillösung für die aktuelle Wohnungsproblematik zu verkaufen. Wir haben einen jährlichen Zuzug von 30 000 Menschen nach München. Wir brauchen also jetzt sinnvolle Lösungen und nicht erst in 9 Jahren. Hier werden aber jetzt schon Gelder und Ressourcen blockiert, die anderweitig früher und effektiver ohne Olympia eingesetzt werden könnten. Schlussendlich müssen wir nach den Spielen noch jahrelang den üblichen Olympia-Schuldenberg abtragen, während sich ein paar Schweizer Herren des internationalen olympischen Komitees über den steuerfreien Gewinn freuen. Wo sind da jetzt die von Frau Haderthauer versprochenen unglaublich großen Chancen?

Monika Schäfer München

Leider sind in der letzten Zeit einige Leserbriefe contra Olympia erschienen, in denen Horrorszenarien an die Wand gemalt sind, die nie passieren werden. Bitte lassen Sie sich durch diese Meinungen nicht verunsichern! Am Donnerstag, den 7. November 2013, um 19 Uhr, findet im Kongresshaus Garmisch noch einmal eine Informationsveranstaltung statt, zu der der Verein Olympija die Bevölkerung sehr gerne einladen möchte. Dort wird unter anderem über die viel gefürchteten IOC-Verträge diskutiert. Bitte denken Sie an unsere Kinder und Enkel, die dringend eine Verbesserung unserer örtlichen Infrastruktur brauchen, deren Verwirklichung in der nahen Zukunft nur mit Olympia zu schaffen ist!

Franziska Louisot Verein Olympija Garmisch-Partenkirchen

Als Sportfreund sollte ich Enthusiasmus für die geplante erneute Olympiabewerbung zeigen. Ich verweigere mich aber wie schon beim letzten Mal. An den Argumenten hat sich nichts geändert. So ist keine Rückkehr zu den ursprünglichen olympischen Idealen zu erkennen, und der Host-City-Vertrag bleibt bestehen. Als Staatsbürger liegt mir deutlich mehr an einer schnellen Beendung der Neuverschuldung, einer umfassenden Finanzierung von Hochwasserschutz, einer Energiewende und einer Verbesserung des Bildungssystems. Ein kleiner Bruchteil der vermutlichen Ausgaben für Olympia würde genügen, die Engpässe in der öffentlich finanzierten Forschung zu reduzieren und unserem wissenschaftlichen Nachwuchs endlich eine adäquate Chance zu geben. Das Ansehen der Forschung im Vergleich zu demjenigen des Sports verhält sich jedoch wie der Nobelpreis zu der Ablösesumme für Lionel Messi. Neben diesen Betrachtungen bleibt für mich nur ein Kopfschütteln, wie hier in Garmisch-Partenkirchen in nicht auszurottender Olympiaduseligkeit übersehen wird, welchen immensen Nachteil der Tourismus durch Winterspiele erfahren würde. Jahrelanges Bauen vertreibt die Stammgäste, aber über den hieraus entstehenden Schaden für die Gastronomie und die Bergbahnen wird großzügig hinweggesehen. Die ungewöhnliche Ruhe bei der Ski-WM war ein warnendes Beispiel. Letztlich werden wir unseren Ort und unser Tal nicht wiedererkennen: Die entsetzlichen Neubauten der letzten Jahre sind Mahnmale. Bleibt das rührselig vorgetragene Tunnelmärchen, aber hier hat man wohl etwas zu auffällig gebremst.

Dr. Thomas Trickl Garmisch-Partenkirchen

Wenn Sie diese Woche im Münchner Merkur wieder die Karte der Arbeitslosigkeit in Bayern ansehen, sind die Landkreise Garmisch-Partenkirchen und Berchtesgaden immer dunkelblau gefärbt. Außer den Großstädten und den ehemaligen Zonenrandgebieten gehören zu dieser Spezies Landkreise noch Mühldorf am Inn und Altötting. Die Gemeinsamkeit für diese Landkreise liegt darin, dass sie keine erschlossene Infrastruktur von Straße oder Schiene haben. Wer als Pendler im Wirtschaftsraum München arbeiten will, nimmt einen Anfahrtsweg bis zu 60 Minuten zum Arbeitsplatz in Kauf. Wer also aus Garmisch-Partenkirchen stammt wird als junger Mensch von zu Hause wegziehen, um einen qualifizierten Arbeitsplatz in kürzerer Anfahrtszeit zu erreichen. Welches Wirtschaftsunternehmen oder Hochschulinstitut aber wird sich in Garmisch-Partenkirchen niederlassen, wenn man fast täglich im Radio hört: „5 Kilometer Stau am Ende der Garmischer Autobahn in Eschenlohe“ oder „Unfall bei Oberau mit Totalsperrung der B 2 noch bis nachmittags“? Garmisch-Partenkirchen hat aber nicht nur die für den Landkreis angegebenen 3.4% Arbeitslosigkeit, sondern knapp 6% Arbeitslosigkeit, da der nördliche Teil des Landkreises mit Murnau aufgrund seiner sehr guten Infrastruktur (direkter Autobahnanschluss, guter Bahnverkehr unter 1 Stunde nach München) eine deutlich niedrigere Arbeitslosenquote hat. Damit übertrifft das Gebiet um Garmisch-Partenkirchen südlich des Eschenloher Tunnels bzw des Autobahnendes die Arbeitslosenquote der nordbayerischen Zonenrandgebiete deutlich. Das neue Zonenrandgebiet heißt also Garmisch-Partenkirchen. Die Autobahn Rosenheim– Salzburg wird mit Milliardenaufwand ausgebaut, das Geld ist da. Hier ist ja auch Verkehrsminister Ramsauer der Bundestagsabgeordnete, der mit großer Mehrheit wiedergewählt wurde. Somit können die Touristen schneller durch Bayern in die Urlaubsorte Österreichs gelangen, oder die Innsbrucker schneller nach Salzburg oder Wien, wir bauen für sie ja unsere Autobahnen aus! Eine eigene Autobahn durch Österreich wäre ihnen zu teuer, aber für 12 km Autobahn bei Kufstein wollen sie die volle Pickerlgebühr! Für Garmisch-Partenkirchen ist eine Lösung seiner Infrastrukturprobleme nur über Olympia 2022 zu lösen. Ansonsten meint Innenminister Herrmann, kommen die dringend nötigen Umfahrungen für Garmisch-Partenkirchen „lange nicht“. Somit bleibt für die Zukunfts-Chancen unsere Jugend im Zonenrandgebiet Garmisch-Partenkirchen nur die Hoffnung auf Olympia 2022.

Dr. Günther Bail Garmisch-Partenkirchen

Dass nur die Bevölkerung der betroffenen Gemeinden zu Olympia abstimmen darf, ist eine eklatante Diskriminierung der restlichen Mehrheit unserer Bürger. Allein die zwecks Zustimmung versprochenen vorgezogenen Infrastrukturmaßnahmen werden aus dem allgemeinen Steuertopf finanziert und das geht jeden Steuerzahler an. Wichtige Vorhaben meist notleidender Gemeinden werden daher auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. Auch das plötzliche Umschwenken in der Asylpolitik dürfte zusätzlichem Renommeegewinn in diesem Zusammenhang geschuldet sein.

Max Wagner Lenggries

Welche Naivität muss man haben, wenn man behauptet, dass es kein einziges Verkehrsobjekt gäbe, dass für die olympische Bewerbung notwendig wäre? Das Gegenteil war für dir Münchner Olympischen Spiele 72 der Fall. U-Bahn, S-Bahn etc. waren die Grundbausteine für eine erfolgreiche Bewerbung. Was sich nachhaltig auf die Entwicklung dieser Stadt ausgewirkt hat. Wenn man glaubt, dass Verkehrstechnik für die Olympia-Bewerbung schon alles vorhanden sei, belügt sich selbst. Die Verkehrssituation im gesamten südlichen Raum von München hat sich in den letzten Jahrzehnten durch immer höheres Verkehrsaufkommen nachhaltig verschlechtert. Die Menschen, die dort wohnen – von Germering bis Ottobrunn – und die Autofahrer sind davon in gleicher Weise betroffen und dies ohne Hoffnung bzw. Aussicht auf Verbesserungen. Weichenstellungen für die kommenden Jahrzehnte sind dringend notwendig. Auch ohne Schließung des (weiträumigen) Autobahn-Südrings (Oberpfaffenhofen/Starnberg/Wolfratshausen/Hofkirchen). Ausbau des Eisnbahnsüdrings auf vier Spuren und direkte Schienenverbindung Berchtesgaden/Garmisch mit späteren Ausbau zur Alpenpanoramatrasse Berchtesgaden/Lindau mit Einbeziehung vorhandener Trassen. Bis auf zwei Abschnitte nämlich Bad Tölz/Bichl und Kochel/Eschenlohe mit je 12 km Länge (neu) ist die Strecke bereits vorhanden. Für den bayerischen Fremdenverkehr eine attraktive Konzeption für später! Fazit: Ohne schlüssiges Verkehrskonzept wird die Olympia-Bewerbung eine Nullnummer.

Ernst Högenauer Gräfelfing

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