Weitere Kommentare zu Olympia 2022

Die Debatte um die Olympischen Spiele 2022 wird immer gespenstischer.

Wer die Kosten für das IOC- und Sportfunktionäre-Spektakel für zwei Wochen zahlt, wird von den Ja-Sagern verschwiegen. Die Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen und Ruhpolding, angeführt von Münchens OB Christian Ude gaukeln den Bürgern vor, dass alles und jedes von irgendjemandem, zumindest vom Bund mit 15 bis 20 Milliarden gezahlt wird im Bewusstsein einer mindestens zur Hälfte zu niedrigen offiziellen Kostenschätzung: In München die drei neuen Großarenen mit der Halfpipe vom Olympiaberg in den zugeschütteten Olympiasee, geschenkt dazu eine zweite S-Bahnröhre, in Garmisch-Partenkirchen eine weitere Sprungschanze, dazu drei Straßentunnels durch zerklüftete Bergmassive, in Ruhpolding Langlaufloipen (vermutlich gekühlt) mit einem Langlaufstadion, dem Ausbau der Kreisstraßen und der dreispurigen Verbreiterung der A 9 zwischen Rosenheim und Bad Reichenhall. Auch die olympischen Dörfer und Pressezentren an allen Orten soll offenbar der Bund zahlen. Deutsche Schuldenmacherei für ein Zwei-Wochen-Event auf Kunstschnee? Das wäre ein Spektakel wie im dekadenten alten Rom zu Beginn des Unterganges des Römischen Reiches.

Rolf-Helmut Pfeiffer München

In dem Anschreiben zum Bürgerentscheid steht unter anderem: Ausbau der öffentlichen Infrastruktur. Wie soll das in diesem Viertel gehen? Die stark frequentierte Landshuter Allee sowie die Dachauer bzw. Leonrodstraße und die völlig ausgelastete Trambahn. Die hohe Bevölkerungsdichte, die ständig expandierende Fachhochschule sowie die geplanten Großprojekte rund um den Leonrodplatz geben keinen Spielraum für irgendwelche Ausbauten. Schon jetzt zeigen die Anzeigetafeln an den Trambahnhaltestellen öfter den Satz „Wegen hohem Verkehrsaufkommen...“ an. Nach dem Ende der Spiele soll es bezahlbaren Wohnraum geben. Der wird schon jetzt dringend benötigt. Unter 1000 Euro geht nichts mehr. Hier nebenan soll eine Fünf-Zimmer-Wohnung 3000 Euro kosten. Das sind Summen, die sicher nicht reduziert werden. Zum aktuellen Thema Strom: Innerhalb einer Woche hatten wir einen Stromausfall und das Olympia Einkaufszentrum musste sogar an einem Samstag ganz geschlossen werden. Wegen Stromausfall. Wer glaubt denn an ein moderates Bewerbungsbudget? Dann fangen erst die Vorbereitungskosten für die Spiele an. Davon wird nichts erwähnt. Der IOC mag es nicht wirklich schlicht. Das sah man bereits bei Willi Daume (1967 bis 1972), der große Forderungen an den damaligen OB Vogel stellte. Was überhaupt nicht erwähnt wird, ist die Sicherheit, die nach dem schrecklichen Attentat von 1972 oberste Priorität haben muss. Die muss unbedingt gewährleistet werden. Und das wird viel Geld kosten. Wir Anwohner müssten über einen langen Zeitraum mit großen Einschränkungen rechnen. Die Schulden nach den Spielen dürfen wir uns alle miteinander teilen. Also nein zu einem Höhenflug, den sich keiner leisten kann. Nein zu Olympia 2022.

Wiltrud Kyriss München

Praktisch alle Argumente, die ich bisher für die Olympiabewerbung gelesen habe, beziehen sich auf Infrastrukturprojekte, die dann erstellt werden würden. Allerdings nur bei Zuschlag, ansonsten ist nur das Geld für die Bewerbung in den Sand gesetzt. Diese Infrastrukturprojekte haben wenig bis nichts mit den Olympischen Spielen zu tun, sondern sind schlicht sowieso notwendig. Die Olympischen Spiele wären nur der Anlass, sie endlich zu verwirklichen. Andererseits könnte man ja als Anlass einfach die Notwendigkeit nehmen und sie gleich beginnen. Die Gelder, die man für die zwei Wochen Olympia zusätzlich verbraten würde, könnten diesen Projekten zugutekommen.

Christof Kettner Heimstetten

Ja ist denn schon wieder Wahlkampf? Das könnte man meinen, wenn man zur Zeit durch München fährt. Aber halt, von den Plakaten lachen ja die Rosi und der Felix herunter, auch der Wasi schickt im Radio noch einen Pro-Kommentar hinterher und auch der Franz ist begeistert. Ja, so Spiele im eigenen Land sind sicher nicht schlecht für den eigenen Marktwert und so manch ehemaligem Aktiven tut ein wenig öffentliche Aufmerksamkeit bestimmt gut. Aber was bleibt für uns Normalbürger: Schulden. Wenn’s dann so weit ist, sitze ich natürlich auch vor dem Fernseher und freue mich über deutsche Medaillen, aber das kann ich genauso, wenn die Spiele in Russland, Kanada oder China stattfinden. Irgendein Land muss die Spiele natürlich veranstalten, aber solange noch andere so dumm sind und die Spiele unter den Bedingungen des IOC haben wollen, sollten wir uns nicht vordrängen, sondern den anderen den Vortritt lassen.

Andreas Huber Attenkirchen

Man muss kein Gegner von Olympischen Spielen sein, um das aktuelle Bewerbungskonzept für München 2022 abzulehnen. Das Olympische Dorf in München soll in einer wunderschönen Parklandschaft entstehen. Auf die heutigen Bewohner wird keine Rücksicht genommen. Alle nicht denkmalgeschützten Wohngebäude auf dem Gelände sollen weichen. Und damit auch die derzeitigen Bewohner. Zudem wird allen Münchnern ein zwar in Bundeswehrbesitz befindlicher, aber öffentlich frei zugänglicher Park genommen. Hätte die Stadt München vorausschauender geplant, wäre in unmittelbarer Nähe zum Olympiagelände mit der Waldmann- und Stettenkaserne freies Gelände für ein Olympisches Dorf zur Verfügung gestanden. Aber auch jetzt gäbe es noch Alternativen: 1,2 Kilometer stadteinwärts steht mit dem alten Bus- und Tramdepot ein freies, ungenütztes Gelände bereit. Hier soll irgendwann einmal ein „Kreativquartier“ entstehen. Hier wäre Platz für ein Olympisches Dorf ohne Zerstörung eines Parks und Umsiedlung von Bewohnern, wenn unbedingt Olympische Winterspiele in München stattfinden sollen. Das geplante Konzept überzeugt in keinster Weise. Darum: Wer für München ist, stimmt beim Bürgerentscheid gegen das Bewerbungskonzept.

Michael Zeller München

„Stimmen zur Olympia-Bewerbung“; Leserbriefe, Thomas Schmidt: „Olympia: Peking macht München Konkurrenz“; München 6. November

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