Vier Leserbriefe zur Organspende

Jeder kann der Organentnahme widersprechen

Organspende umstritten;Leserforum 5. September,Barbara Nazarewska:Organe retten Leben –immer; Kommentar,Ist kein Nein schon ein Ja?;„Die Widerspruchslösungist mit unserem Grundgesetzvereinbar“, Interviewmit Wolfgang Putz;Politik 4. September

Zum Vorstoß für eine neue Organspenderegelung: Organspenden sind natürlich wichtig, um Leben zu retten. Die Frage ist, ob eine rechtswidrige staatliche Zwangsvorschrift der richtige Weg ist, Spender zugewinnen? Diese Art und Weise ist schon ein gewaltiger Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und Würde eines Menschen. Viele haben auch Bedenken, dass bereits Organe vor dem endgültigen Todeseintritt entnommen werden. Bedenke, lass Dich nicht durch Ärzte, Krankenschwestern, schon gar nicht vom Staat bzw. Politikern einschüchtern! Auch wenn Du im Spital bist, gehört Dein Körper Dir!

Waltraud Solleder

Nandlstadt

Das Thema Widerspruchslösung, schon täglich via Rundfunk und Presse als eine Art Gehirnwäsche vermittelt, ist eine Verharmlosung für die Anspruchsforderung des Staates, über unseren Körper bestimmen zu wollen. Wenn wir das nicht wollen, müssen wir uns dagegen wehren. Was für eine Farce. Ich bin aber kein Ersatzteillager. Dafür wurde ich nicht erschaffen. Die Sprache Gottes erkennen wir in der natürlichen Abstoßungsreaktion gegenüber fremder Organe. Doch man will selbst Schöpfer spielen. Die Diagnose „Gehirntod“ als Kriterium des wirklichen Todes ist genau so eine Lüge wie die frühere dogmatische Behauptung, daß die Sonne um die Erde kreist. Viele Kollegen der Ärzteschaft sehen das ebenso, aber man will sie nicht hören.

Die Koma-Patienten, deren Hirn nicht mehr funktionierte, aber nach einer Zeit wieder erwachten, konnten berichten, was mit ihnen gemacht wurde. Genauso ergeht es demjenigen, der mitbekommt, dass ihm Organe entnommen werden soll. Er wehrt sich in irgendeiner Art und Weise, deshalb wird er narkotisiert! Einige Krankenschwester haben deshalb diesen Job hingeschmissen!

Einem Toten kann man keine lebensfähigen Organe entnehmen, sie sind nicht mehr zu verwerten. Der Patient, dem Organe entnommen werden, aber lebt noch, erleidet diesen Kannibalismus in schmerzhaftester Weise und wird letztendlich ermordet!

Karin Margarete Hill

Ostermünchen

Herr und Frau Reuter befürchten, dass ihr Widerspruch gegen eine Organentnahme nichts nützen würde - außer sie würden sich die Ablehnung auf die Haut tätowieren lassen. Aber: im Unterschied zum jetzigen Zettel-Ausweis, der leicht verloren gehen kann, wie auch Herr Kettner zu Recht feststellt, wäre ein Widerspruch im Rahmen einer Widerspruchslösung in einem elektronischen Verzeichnis erfasst. Im Übrigen sollte man auch sehen: Die Widerspruchslösung ist weit weniger unfair als die jetzige Zustimmungslösung, die ja in großem Maße duldet: Nehmen – ja, geben – sehn wir mal.

Rigmar Osterkamp

Bichl

Dem neuen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn möchte ich keineswegs einen bösen Willen mit seinem nicht ganz neuen Vorschlag unterstellen, dass jedem, der nicht widerspricht, Organe zu Donationszwecken entnommen werden können, wenn sein Hirntod festgestellt wurde. Diese Diagnose ist sogar zwingend erforderlich, sodass eventuell brauchbare Organe wieder transplantiert werden können. Die alte Definition der Leichenstarre mm. konnte von den Transplantationsspezialisten nicht mehr gebraucht werden. Also wurde der Hirntod als endgültiges Lebensende bestimmt. Es ist aber seit längerem bewiesen, dass einige Körperfunktionen der Hirntoten, wie die Körpertemperatur, der Anstieg des Blutdrucks und der Herzfrequenz auf Schmerzreize, auch Spontanbewegungen und Reflexe ausgehend vom Rückenmark und sogar das Austragen von Schwangerschaften bis zur Geburt bei entsprechender Beatmung nach- gewiesen sind. Nachdem eine hirntote Person aber angeblich kein Schmerzempfinden mehr hat, spart man sich eine Narkose an dem Spender. Unser menschlicher Körper und sein Nervensystem aber ist ein sehr kompliziertes System. Daher wäre es sinnvoll, wenn eine erneute wissenschaftliche Diskussion über die Definition und die Folgen des Hirntods sowie eventueller Schmerzen bei der Entnahme erfolgen. Denn wenn man schon spendet, dürfte bei so einem großartigen Geschenk eine Totalanästhesie noch das kleinere Problem und keineswegs prinzipienabhängig sein. Herr Minister Spahn und seine Politiker können hier nur einen gesetzlichen Rahmen vorgeben, eine fachlich medizinische Vorbildung haben sie meist nicht und können allenfalls oben genannte Theorien übernehmen.

Dr. Hans Raasch

Lenggries

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