Leserbriefe

Arbeitszeit und Gehalt der Lehrer

Aufschrei wegen Mehrarbeit für Grundschullehrer; Leserforum 13. Januar

An der Tatsache, dass es zu wenig Grund- und Mittelschullehrer, aber mehr als genug Realschul- und Gymnasiallehrer gibt, kommt nun niemand mehr vorbei. Aber statt diese Lehrämter vor allem finanziell attraktiver zu gestalten, wird den dort unterrichtenden Lehrern noch mehr aufgebürdet.

Höhere Arbeitszeiten bei deutlich niedrigeren Gehältern belegen die geringere Wertschätzung für diese Lehrämter: Ein Realschullehrer (A 13) bringt es im Laufe seines Lebens (einschließlich Pensionszeit) auf etwa 250 000 bis 270 000 Euro mehr Gehalt als seine gleich lang studierenden Grund- und Mittelschullehrer (A 12). Ein Gymnasiallehrer (mit A 15) kann es sogar auf über 650 000 Euro mehr Gehalt schaffen, wobei eingerechnet ist, dass er ein Jahr länger studiert hat. Die Regelarbeitszeit des Gymnasiallehrers liegt bei 23 Stunden pro Woche, die des Realschullehrers bei 25 Stunden pro Woche, die des Mittelschullehrers bei 27 Stunden, die des Grundschullehrers bei 28 Stunden (demnächst 29 Stunden).

Diese Unterschiede sind keine „Peanuts“, dies ist keine Neiddebatte, sondern eine seit Jahrzehnten bestehende Gerechtigkeitslücke: In den 70er-Jahren wurde die universitäre Ausbildung für Grund- und Hauptschullehrer eingeführt, aber das sogenannte „Abstandsgebot“ (das ja kein Gesetz darstellt) besteht weiterhin seit Einführung der Schulpflicht zu Kaisers Zeiten.

Die Freien Wähler sind vor der letzten Landtagswahl – Herr Aiwanger sogar noch in der Fernsehdebatte im Bayerischen Fernsehen – angetreten mit dem festen Vorsatz, dass Grund- und Mittelschullehrer so wie ihre Kollegen an Realschulen ein A-13-Gehalt erhalten sollten. Nun besetzen die Freien Wähler mit Herrn Piazolo sogar das Kultusministerium und könnten einen umfassenden Paradigmenwechsel in der Bildungspolitik umsetzen: Sie könnten zum Beispiel die Ausbildung so reformieren, dass es zwar keinen „Einheitslehrer“ gibt, aber doch alle Lehrämter gleichwertig sind und so auch besoldet werden. Man könnte dazu ein gleiches Bachelorstudium für alle angehenden Lehrer/innen einführen, dem sich dann ein Masterstudium für die Unterstufe (Grundschule), Mittelstufe (Sekundarstufe 1) und Oberstufe (Sekundarstufe 2) anschließt. Stattdessen täuschen die Freien Wähler alle Grund- und Mittelschullehrer/innen, die große Hoffnungen in sie gesetzt hatten. Schade!

Monika Wolf

Loitersdorf

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Genug Spendenwillige
Schwierige Fragen zurOrganspende; Ganz kurz;Leserforum 20. + 21. Januar
Genug Spendenwillige
Erträgliche Blendung
Polarisationsbrillen;Leserforum 16. Januar
Erträgliche Blendung
Schwierigkeiten bei der Stromversorgung
Vorteile der Kernkraft; Leserforum 21. Januar
Schwierigkeiten bei der Stromversorgung
Zölibat – ein menschliches Gesetz
Disput in derkatholischen Kirche;Leserforum 18./19. Januar
Zölibat – ein menschliches Gesetz

Kommentare