Pension oder Rente

„Drehen an der Umverteilungsschraube"; Leserbriefe 30. Januar, „Experten: Hohe Renten kürzen", Titelseite 29. Januar

„Es ist offenbar eine Tatsache, dass Rentner mit geringerer Rente eine kürzere Lebenserwartung haben als solche mit höheren Einkünften. Wenn dies so ist, dann ist der Vorschlag von Herrn Zimmermann, die Renten der besser gestellten Rentner zu kürzen, logisch nichts anderes, als eine Maßnahme zur gezielten Reduzierung der Lebenserwartung dieser Rentnergruppe. Ich will hier nicht unterstellen, dass Herr Zimmermann diese logische Konsequenz seines Vorschlages bewusst erkannt hat, sonst wäre sein Vorschlag und die damit verbundene Geisteshaltung eine Ungeheuerlichkeit. Ich hoffe, dass Herr Zimmermann in Zukunft die Dinge erst gründlich durchdenkt, ehe er sich zu Wort meldet."

Dr. Thilo Wedlich

Taufkirchen

„Also, beim Lesen der heutigen Leserbriefe bin ich richtig wütend geworden, vor allem wenn in der unsinnigen Diskussion – ohne Frage – um Umverteilungen der Renten wieder mal mein Berufsstand herhalten muss. Liebe Frau Hartl aus P., stellen Sie sich vor, auch Beamte bekommen normale Pensionen! Nur zu Ihrer Information: Ich bin 52 Jahre alt und seit über 30 Jahren Beamtin. In dieser Zeit habe ich zwei Kinder großgezogen und Teilzeit gearbeitet: Ich persönlich komme nicht auf über 70 % meiner letzten Bezüge und genauso wie bei den Rentnern muss ich über das 65 Lebensjahr – gestaffelt – hinaus arbeiten. Ich werde froh sein, wenn ich dann einigermaßen über die Runden kommen werde. Außerdem verbreiten Sie bitte kein Halbwissen, dass zum Beispiel Beamte kurz vor der Pensionierung nochmal schnell befördert werden und dann offensichtlich in den Genuss von einer ach so hohen Pension kommen! Auch wir normalen Beamten leben in der gleichen Welt wie Sie und finden diesen Vorschlag von Zimmermann unsäglich. Übrigens, warum sind Sie denn keine Beamtin geworden? In Deutschland herrscht freie Berufswahl. Nix für unguat."

Gaby C. Schlierf

Maisach

„Professor Zimmermann wollte sicher in der Zeitung stehen und fühlt sich gezwungen, einen Beitrag über die Rentenumverteilung zu bringen. Dieses ist für einen Professor, der als Beamter seine Versorgung erhält, sicher recht einfach, denn sein Pensionsanspruch wird bei mindestens 75 % (bis 2012 dann 71,5 %) vom letzten Bruttoeinkommen, zuzüglich einer Monatspension als Weihnachtsgeld, betragen. Nicht zu vergessen, dass 75 % der Krankenkosten vom Staat bezahlt werden und somit die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen, bei erstklassiger Versorgung, auf ein Minimum reduziert sind.

Seine Pension wird sich somit nach 40 Jahren Dienstzeit im Bereich von mindestens 8000 Euro monatlich bewegen. Zum Vergleich hat ein Sozialversicherter aus heutiger Sicht, wenn sein Einkommen 40 Jahre über der Pflichtversicherungsgrenze liegt, derzeit 63 600 Euro im Jahr (was nicht möglich ist), einen Rentenanspruch von rund 2400 Euro monatlich, abzüglich rund 10 % für Krankenkassen und Pflegebeiträge. Ein sozialversicherter Rentner, der über 40 Jahre ein Durchschnittseinkommen erreicht (heute 30 084 Euro/Jahr) hat eine monatliche Rente von 1040 Euro, abzüglich der Krankenkasse und Pflegeversicherung zu erwarten und steht somit im Vergleich zu einem ledigen Hartz-IV-Empfänger, der neben seiner Grundversorgung noch Mietkosten, Kleider, Kranken- und Pflegekosten und diverse Ausstattungen bekommt, erheblich schlechter. Der Vergleich zum Professor ist, dass der Sozialversicherte für seine Altersvorsorge und die Altersvorsorge für den Professor bezahlen muss. Die Pension des Professors, die bei den jährlichen Einkommenssteigerungen der Beamten angepasst wird, und die Sozialrente, die durch demographische Faktoren noch gekürzt wird. Da dieses Thema den Professor nicht tangiert, kann er leicht über die Umverteilung der Gelder anderer Menschen sprechen. Seine Versorgung stimmt."

Reinhold Fritz

Eichenau

„Für diesen Artikel ist dem Münchner Merkur zu danken! Vor gut 25 Jahren vertraulich im Gespräch mit einem Parlamentarischen Staatssekretär der CSU im Deutschen Bundestag auf meine Frage nach den Renten offenbart er mir – Zitat: ,Die Rentner in der Zukunft werden zu den ärmsten Schweinen zählen. Eine Rente gerade noch fürs Essen und bei zweien, diese für eine kleine Mietwohnung. Nur die Pensionäre sind gut raus.‘ Zitat Ende. Für damalige Zeiten, ich war geschockt. Zum einen über diese harte Aussage und die bis heute bei den Rentnern steigende Altersarmut. Demnach müssen nicht die durch Beitragszahlungen erworbenen Renten gekürzt, vielmehr gehören drastisch die Rentenbeitragsfreien. Pensionen zusammengestrichen. Der Pensionär versteckt sich auch in den Medien gerne unter dem begriff Rente oder Rentner. Wie es in der Bibel schon heißt: ,Sie säen nicht, aber sie ernten.‘ Und das im Übermaß! Wir wissen seit langem, viele Gemeinden, Städte wie Länder können wegen der hohen Kosten für die Beamten und deren Pensionsrückstellungen zum jeweiligen Jahresbeginn kaum ihre Haushalte verabschieden. Selbst die Arbeiter und Angestellten des öffentlichen Dienstes mit ihren Sozialbeiträgen entlasten den Staat. Beamte brauchen das nicht. Dazu noch als Privatpatient auch für seine Familienmitglieder bei der Krankenversicherung hoch Beihilfe berechtigt kostet das richtiges Geld! Und dies unkündbar auf Lebzeiten. So erwarte ich von der Politik ein Umdenken in Richtung sozialversicherungspflichtigen Volksbeitrag wie die Einheitskasse. Unsere Volksvertreter haben es da nicht leicht. Selbst in der Regel nebenbei oder hauptberuflich verbeamtet, fürchten sie zudem den Zorn ihrer verbeamteten Diener. Da wurden im Laufe der Jahrzehnte die Diener des Staates zu dessen Herren. Ich weiß, dass meine Leserbriefe in dieser Richtung so manchem Betroffenen wehtun. Auch die Medien bewegen sich hier nur sehr schwer dazu, Flagge zu zeigen. Da kommt als Argument dann gleich der Polizist oder die überforderte Krankenschwester. Nur, die zahlt von ihrem mageren Gehalt noch Sozialbeiträge. Wer zahlt, schafft an! So heißt es in Bayern noch. Da sollten die beitragszahlenden Bürger aufpassen, dass nicht nur sie wieder geschröpft werden. Die Zeiten werden hart für uns alle. Dann bitte aber erst für die, die nichts in die gesetzlichen Sicherungssysteme einzahlen."

Detlef Clemens Kottmeier

München

„Die Professoren Zimmermann und Breyer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben eine radikale Rentenreform vorgeschlagen. Besser verdienende gesetzlich Versicherte leben länger und sollen darum an schlechter Verdienende und damit kürzer Lebende einen Teil ihrer Rente abgeben. Anscheinend ist den Professoren der durchschnittliche monatliche Rentenzahlbetrag, von Männern bei 912 Euro und von Frauen bei 503 Euro (alte Bundesländer), nicht bekannt. Nur 10,5 % der Männer und 0,3 % der Frauen (alte Bundesländer) haben eine höhere Rente als 1500 Euro. Wie dieser kleine Anteil der ,guten‘ Renten die Rentnerarmut in Deutschland verbessern soll, das ist den Forschern des DIW vorbehalten. Mit Realität hat dies aber nichts zu tun. Auch wenn man den pensionierten Beamten von ihrer durchschnittlichen monatlichen Pension von 2600 Euro die Hälfte abnehmen würde, wäre die Summe zu klein, um die Rentnerarmut zu bekämpfen. Obwohl dieser Vorschlag wesentlich geeigneter wäre, die Gerechtigkeit der Altersversorgung in Deutschland wieder herzustellen. Da aber dann die Professoren selbst davon betroffen wären, kommt so ein Vorschlag nicht von ihnen. Auf Grund der heutigen Wirtschaftskrise hätten doch diese DIW-Forscher genügend Ansatzpunkte, in eigene Bereiche zu forschen und zu verbessern."

Lutz Schowalter

Rottach-Egern

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