Diskussion um Todespiloten

Pietätlos; Leserbriefe 27. März, Zweifel am Trauertag – ein Faktencheck; Weltspiegel 25./26. März

Es ist verständlich, dass ein Vater um seinen Sohn trauert, den er durch Tod, gar durch Selbstmord, verloren hat. Insofern verdient er Mitgefühl. Unverständlich, geschmacklos und pietätlos gegenüber den 150 Todesopfern ist jedoch, was Günter Lubitz, der Vater des Todespiloten Andreas Lubitz, jetzt veranstaltet: Exakt zum zweiten Jahrestag des Flugzeugabsturzes macht er eine Pressekonferenz – ein Schlag ins Gesicht aller Hinterbliebenen. Es ist doch Tatsache, dass Andreas Lubitz den Tod von 150 Menschen verursacht hat, indem er den Piloten aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine in selbstmörderischer Absicht gegen einen Berg gesteuert hat. Diese Tatsache will Günter Lubitz nicht wahrhaben. Ich weiß nicht, was in ihm vorgeht. 

Max Lipp Weilheim 

Sehr geehrter Herr Wolf, Ihrem Leserbrief muss ich entschieden wiedersprechen. Die Verurteilung von Herrn Lubitz als Verantwortlicher des Absturzes beruht nicht auf Fakten, sondern vielmehr nur auf Indizien. Unter einem Indiz wird ein Hinweis verstanden, der für sich allein oder in einer Gesamtheit mit anderen Indizien den Rückschluss auf eine Tatsache zulässt. Im Allgemeinen ist ein Indiz mehr als eine Behauptung, aber weniger als ein Beweis. Eine Tatsache/ein Fakt ist, je nach Auffassung, ein wirklicher, nachweisbarer, bestehender, wahrer oder anerkannter Sachverhalt. Beispiele: Die Anwesenheit von Herrn Lubitz junior im Cockpit ist durch keinen belastbaren Beweis belegt. Es handelt sich ausschließlich um Indizien, die so interpretiert wurden. Als der Flugdatenschreiber aufgefunden wurde, beinhaltete dieser kein Speichermedium. Dieses wurde erst Tage später aufgefunden. Somit sind die darauf enthaltenen Daten nicht als beweissichernd zu betrachten, da die Möglichkeit der Manipulation jederzeit gegeben war. Die Speicherkarten aus den Mobiltelefonen (über 100 Stück) der verunfallten Passagiere enthielten keinerlei Aufzeichnungen. Die Daten waren alle gelöscht, als diese den Hinterbliebenen ausgehändigt wurden. Der verunfallte Airbus A 320 hatte zum Zeitpunkt des Absturzes keine gültige Flugbetriebsgenehmigung (release to service) und hätte demnach gar nicht betrieben werden dürfen. Das, sehr geehrter Herr Wolf, sind Fakten, keine Indizien. Diese Fakten zum Beispiel sind es, die dem Vater von Herrn Lubitz jedes Recht der Welt geben, die Unschuld seines Sohnes zu reklamieren. Egal an welchem Tag, oder an welchem Ort. Auch für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Es ist einfacher, einen Wehrlosen zu verurteilen, als die tatsächlich Schuldigen zu ermitteln und ihrer gerechten Strafe zuzuführen. 

Peter Bayer Prüfer Luftfahrtgerät, Grafing

Ich kann Herrn Lubitz verstehen! - Wie oft wird der Nachname eines Verbrechers nicht genannt, der Name Lubitz wurde hingegen sofort veröffentlicht! Diese Familie - also auch deren Mitglieder, die für die Tat gar nichts können - sind völlig ungeschützt, die Eltern des OEZ-Attentäters hingegen im Opferschutzprogramm! Auch dieser Vater, der gewiss seit der Tat viel Leid zu tragen hat, kann sich doch einmal Gehör verschaffen, was nur gelingt, wenn er einen entsprechenden Zeitpunkt wählt. Für die Opfer ist das schlimm, es hätte aber durch Schutz verhindert werden können. Auch ein Vater kann nicht für alle Taten seines schon lange erwachsenen Sohnes verantwortlich gemacht werden. Was weiß denn der Leserbriefschreiber Wolf über das Verhältnis zwischen Vater und Sohn? Abgesehen davon gibt es Quellen, die das Untersuchungsergebnis nicht für gesichert halten - weshalb noch mehr Vorsicht für alle Beteiligten geboten (gewesen) wäre. 

Alexandra v. Beaulieu Marconnay Petershausen

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