Leserbriefe

Der Papst hat nicht geschwiegen

Zurückhaltung des Papstes gegenüber Naziverbrechen; Leserforum 26. Mai,Die Stimme von PapstPius XII.; Leserforum 22. Mai,Sabine Dultz: „Ehrenplatzin der Theatergeschichte“; Kultur 15. MaiNicht ausgeschöpft;Leserforum 28. Mai,Zurückhaltung des Papstes gegenüber Naziverbrechen; Leserforum 26. Mai

Der größte Feind der Wahrheit ist nicht die Lüge, sondern die Halbwahrheit. Nach diesem Muster sind beide Leserbriefe vom 26. Mai gestrickt, in denen einmal mehr dem Papst die Mitverantwortung an den Verbrechen der Nationalsozialisten zugeschoben werden soll.

Fehlt nur noch der Vorwurf, warum Pius XII. nicht mit der Schweizergarde gegen die SS bei der Besetzung Roms in den Kampf gezogen ist. Neben den Juden war der größte Feind des Nationalsozialismus das Christentum und hier insbesondere die römisch-katholische Kirche, deren größtes Übel, die Barmherzigkeit, so Hitler bei einer Tischrede, ausgerottet werden sollte.

Die Vernichtung der katholischen Kirche war nach dem Endsieg als nächste historische Großtat fest eingeplant. Das wusste auch Pius und seine Sympathie für die Kriegsziele Hitlers ist reine Propaganda des KGB und anderer Kirchengegner.

Ein Vorgeschmack auf die geplante Vernichtung waren unter anderem die über zweitausend internierten katholischen Priester im KZ Dachau. Die Unfehlbarkeit des Papstes in diesem Zusammenhang zu strapazieren, resultiert aus einem der vielen Irrtümer unserer säkularen Welt – und der Schreiber stellt sich damit selbst ein fragwürdiges Urteil über seine wissenschaftliche Qualifikation aus.

Wie jeder Gebildete wissen sollte, bezieht sich die Unfehlbarkeit nur auf grundlegende Lehren der Kirche und nicht auf historische Ereignisse im Weltgeschehen und gilt nur im Einvernehmen mit den Bischöfen des gesamten Erdkreises. Es war nicht zu erwarten, dass Herr Marcus Vitolo und Herr Peter Flemming ihre Meinung über Pius XII. ändern, weil sie Rolf Hochhuth mehr glauben als den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, seit die vatikanischen Quellen hierzu allen zugänglich sind. Die hohe Wertschätzung dieses Papstes von vielen bedeutenden jüdischen Persönlichkeiten wie Golda Meir, Pinchas Lapide, Leonard Bernstein, Israel Zolli, dem Oberrabbiner Roms, Rabbi David G. Dalin aus New York und vielen anderen muss in diesem Zusammenhang noch mal genannt werden.

Dass einige deutsche Historiker mit der Gnade der späten Geburt es anders sehen und besser wissen, dagegen ist, wie so oft, kein Kraut gewachsen.

Hans Dondl

Icking

Leserbriefschreiber Dieter Haedicke vermutet, dass Papst Pius XII. nicht alle Möglichkeiten zur Rettung von Juden ausgeschöpft hätte. Damit steht er im Gegensatz zu allen führenden Juden in Rom. Beispielsweise ist der römische Oberrabbiner Israel Zolli nach dem Krieg katholisch geworden und hat aus Dankbarkeit den Vornamen des Papstes Eugenio angenommen.

Ein Blick in die Vierteljahreshefte des Instituts für Zeitgeschichte 1974, Seite 299 bis 341, würde den Leserbriefschreibern Haedicke und Flemming zeigen, dass der Papst während des Krieges den Kontakt zwischen der deutschen Militäropposition und der britischen Regierung hergestellt hat, um dem Morden Hitlers ein rasches Ende zu setzen.

Damit hat der Papst nicht nur sein eigenes Leben und das Leben seiner Mitarbeiter riskiert, sondern sogar die Existenz des Vatikan-Staates. Was wäre passiert, wenn diese Aktion bekannt geworden wäre?

Die Herren Haedicke und Flemming verdrängen auch, dass Hochhuths Papstankläger Riccardo nur eine erfundene Bühnenfigur ist, während Pater Pfeiffer, der Büroleiter des Papstes bei der Judenrettung, eine historisch nachweisbare Persönlichkeit ist. Nach ihm hat der römische Stadtrat aus Dankbarkeit bei seinen Rettungsaktionen eine Straße benannt.

Manche Leserbriefschreiber wollen halt künstlich erdichteten Figuren eher glauben als historischen Fakten. Warum wohl?

Dr. Eduard Werner

Andechs

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