Polarisierende Wirkung

Wahlkampfdesaster der Union?; Leserforum 15. April

Eine vergleichbar so vehement polarisierende öffentliche Wirkung einer prominenten Persönlichkeit der Politik hat es in der Republik möglicherweise seit der Ära des bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß nicht mehr gegeben. So artikulieren sich auch im Leserforum des Münchner Merkur vom 15. April zwei einander diametral entgegengesetzte Bewertungen des gegen den Rivalen, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, um die Kanzlerkandidatur kämpfenden bayerischen Ministerpräsidenten, Markus Söder. Die einen halten ihn schlicht für die Verkörperung des Bösen, des Opportunismus, der Skrupellosigkeit und Machtgier. Anderen Leserbriefverfassern dagegen erscheint er als zupackender, tatkräftiger, seine Ziele klar und ohne rhetorische Umschweife kommunizierender, charismatischer Politiker. Die Vertreter dieser Einschätzung – und sie sind den Umfragen zufolge eine Mehrheit der Bürger - lassen deutlich erkennen, dass sie nach 16 Jahren moderierender Merkel-Kanzlerschaft endlich entschiedene Führung wünschen. Im Mittelpunkt dieser Diskussion geht es um die Rolle der Macht im politischen Betrieb. Auch in einer Demokratie westlicher Prägung ist Macht das Elixier tatkräftiger Verwirklichung politischer Ziele. Angela Merkels Regierungsstil der Zurückhaltung und des Ausgleichs war übrigens mitnichten frei von mitunter kalt durchgreifendem Machtwillen gegen Rivalen, zum Beispiel Friedrich Merz und Roland Koch. Markus Söder hat eine lange Erfahrung im Betrieb der Parteipolitik, kennt alle Möglichkeiten und Fallstricke der Innenwelt der Volkspartei CSU, die ihn nachhaltig prägte. Andererseits ist er offen und flexibel genug, die politischen Strömungen in der Außenwelt der Gesellschaft intuitiv aufzunehmen, wozu Meinungsforschung und Umfragen eine rechnerische Basis liefern. Wie diese Zerreißprobe der großen, traditionsreichen Volkspartei CDU enden wird, ist offen. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Karin Motz-Glasow

Schongau

Auch interessant

Kommentare