Leserbriefe

Politiker sind Menschen - und machen Fehler

Mike Schier: Das vorzeitige Ende einer Ära; Kommentar; Jürgen Gros: Der Nimbus des Musterlandes schwindet; Gastkommentar 25. März

Die Regierung hat zu Beginn der Corona-Krise, die wirtschaftlich und sozial für alle Nationen absolutes Neuland war, viele richtige Schritte unternommen. Die „politischen Verzweiflungstaten“ bis hin zum zurückgenommenen Oster-Lockdown begannen, als klar wurde, dass die Impfstoffmengen fehlen. Das eigentliche Problem ist der auf EU-Ebene verursachte Impfstoffmangel. Deutschland hat sich bewusst für den EU-Weg entschieden, vielleicht sogar entscheiden müssen. Ein Alleingang hätte vermutlich einen internationalen Shitstorm mit erheblichen wirtschaftlichen Nachwirkungen für unser Land ausgelöst. Aus dem Unternehmensalltag wissen wir, wie schwer es ist, alle Variablen komplexer Probleme zu erfassen, praktikable Lösungen zu entwickeln und durchzuboxen, auch gegen Widerstände. In der Politik, noch dazu in einem Wahljahr, kommt dann noch das Getöse der Oppositionsparteien als zusätzlicher Störfaktor hinzu. Da kamen nur sehr wenige konstruktive Vorschläge, mit einer Ausnahme: sozialistische Konzepte für die Zeit nach Corona, wie zum Beispiel die Reichenbesteuerung. Das ist ziemlich erbärmlich, zeugt nicht von großem wirtschaftlichen Sachverstand, befeuert Verschwendung von Steuergeldern und hilft jetzt auch nicht weiter.

Umso positiver wiegt das öffentliche Fehlereingeständnis der Kanzlerin. Kein anderer hätte das in dieser Gemengelage getan. Blicken wir deshalb jetzt nach vorne und konzentrieren wir uns bitte auf ein einziges Ziel: impfen, impfen, impfen, und bis dahin sollten wir alle Reisen nach Malle unterlassen. Das gebietet der gesunde Menschenverstand.

Ich selbst habe 35 Jahre in einem internationalen Großkonzern in Führungsverantwortung gearbeitet. Ich teile die Meinung von Herrn Schier. Vor allem gefällt mir der Schluss sehr gut. Die handelnden Personen stehen unter immensem Druck, da Corona ein Thema ist, bei dem man in einem Land mit unserer politischen Kultur nur verlieren kann. Wir sind keine Macher-Nation mehr, sondern wie von Jürgen Gros in seinem Gastkommentar skizziert, eine Nation, „ die es sich bequem eingerichtet hat“, und sich sozialistischen Ideen mehr und mehr hingibt. Die Leistungsträger werden nicht bewundert, sondern verachtet. Diejenigen, die es zu etwas gebracht und Maximalsteuern bezahlt haben, sollten nach den Vorstellungen einiger Politiker am besten enteignet werden. Ich selbst stehe der Politik der Regierung sehr kritisch gegenüber, aber die jüngsten Ereignisse zeigen, dass auch unsere Politiker in Regierungsverantwortung nur Menschen sind, und Menschen machen Fehler. Der Schritt von Frau Dr. Merkel zeigt Größe, die kein einziger in der politischen Landschaft bisher in Deutschland gezeigt hat. Deshalb mein Leserbrief.

Dr. Andreas Mayer Dachau

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