Politik sollte rational und rechtsstaatlich sein

Ist Religion Privatsache?; Leserforum 17./18. März

Ich wurde ohne Religion geboren. Dann hat man mich katholisch getauft und später, in der Schule, in katholischer Religion unterrichtet. Dort erlebte ich in der vierten Klasse (1956), dass wir für die verstorbene Mutter des einzigen evangelischen Schülers unter uns beten mussten, da sie sonst wegen ihres evangelischen Glaubens in die Hölle kommen würde. Da verspürte ich erste Zweifel an dem uns unterrichtenden Pater und seinem Gott. Inzwischen haben sich die beiden großen Konfessionen einander angenähert. Aber sie haben es nicht geschafft, sich auf eine gemeinsame Bibelausgabe zu einigen. Ein Zusammenschluss der beiden Kirchen wird wohl nie zustande kommen. Letztendlich geht es, wie in der Politik, vor allem um Macht und Geld. Beide Kirchen missionieren nach wie vor, inzwischen ohne zu morden, in allen Teilen der Welt mit dem Anspruch auf die alleinige Wahrheit, wie es auch der Islam tut. Beide Kirchen haben jahrhundertelang die Juden verfolgt und ausgegrenzt sowie zu bekehren versucht. Schließlich hat man in Europa, insbesondere im Land der Reformation, Bekehrung durch pseudowissenschaftlichen Rassenwahn ersetzt und eine nie dagewesene Massenmordmaschinerie in Gang gesetzt. Der Widerstand durch die Kirchen war mehr als bescheiden. Dabei fußt das Christentum auf der jüdischen Religion, die nicht missioniert und anderen ihren Glauben lässt. Der Islam verfolgt Andersgläubige als „Ungläubige“ und insbesondere die Sunniten würden am liebsten ihre schiitischen Glaubensgenossen ausrotten. Diese Religionsgeschichte und die Erkenntnisse der Astronomie und Astrophysik haben mich schließlich zum Kirchenaustritt geführt. Es war eine Befreiung. Vielleicht gibt es Gott als Schöpfer dieses wunderbaren Universums. Religion braucht er nicht. Wenn ich jetzt auf der ersten Seite des Merkur unseren neuen Ministerpräsidenten in seinem neuen Dienstzimmer mit schelmischem Lächeln und seiner Bibel sehe, wird mir schlecht! Politik sollte rational, rechtsstaatlich, gerecht und bescheiden dem Wahlvolk dienen.

 Dr. Christian Heinrich Fritsch Dachau

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