Welcher Teufel hat Putin geritten?

Europäische Werteordnung; Leserforum 18. August

Auch ich frage mich wirklich, welcher Teufel Putin geritten hat, um mit der Okkupation der Krim in Friedenszeiten nicht nur die bekannten völkerrechtlichen Verträge zur Friedenssicherung in Europa einseitig aufzukündigen und damit die Beziehungen zur Gemeinschaft der Europäischen zu schädigen. Genauso unverständlich finde ich, dass er damit auch die Beziehungen zu seinem wichtigsten Nachbarn und gleichzeitigen Bruderland Ukraine für nicht absehbare Zeit schwer beeinträchtigt hat, diesem Kernland des Kiewer Rus und daher der Mutter aller russischen Städte, mit dem Russland seit Jahrhunderten geschichtlich, sprachlich, kulturell und vor allem durch die Religion so sehr verbunden ist und welches er, Putin, doch so dringend für seine geplante eurasische Wirtschaftsgemeinschaft bräuchte. Mir erschließt sich dies nicht! All dies angeblich nur, weil u. a. die Halbinsel Krim überwiegend von Russen besiedelt ist, denn einen besonderen strategischen Wert kann ich diesem in einem Binnenmeer gelegenen Stück Land eigentlich nicht zumessen. Und schon müssen sich u. a. die Balten und die Moldauer zu Recht um ihre Unabhängigkeit sorgen, wegen der in ihren Ländern lebenden, bedeutenden russischen Minderheit. Und weil Europa diese Sorge versteht, hat Putin jetzt Nato-Truppen an seiner Grenze. Toll! Persönlich finde ich es allerdings nicht toll, dass wir nach unserem Unheil, welches wir Russland angetan haben, dabei glauben mitmachen zu müssen. Also würde mich hier interessieren, wer alles von den 29 Nato-Mitgliedsstaaten sich daran nicht beteiligt und warum deshalb gerade dann wir? Und weiter, macht es sich somit Herr Lindner mit seinen realpolitischen Gedanken insgesamt nicht allzu leicht? Vielleicht sollte er besser mal ins Baltikum reisen, und sich bei der dortigen Bevölkerung schlaumachen wie es sich anfühlt, so einen riesigen Nachbarn im Rücken zu wissen, der bei seiner Größe eigentlich keine Minderwertigkeitskomplexe haben sollte, um jetzt leider wieder alte Großmachtträume ausleben zu wollen. Dabei hätte es für die Krim ein weit friedlicheres Modell gegeben: Warum nicht die Krim für 100 Jahre pachten und die Ukraine im Gegenzug mit Öl, Gas, Elektrizität und anderem, dringend benötigten Bedarf bezahlen? Haben sich doch die Briten in ihrer Geschichte dieses Systems erfolgreich bedient. Damit wäre Russland, der Ukraine (immerhin tendiert wohl nur der kleinere, katholisch geprägte Teil des Landes zum Westen) und nicht zuletzt auch uns mit der EU wohl viel besser gedient, wenn ich an die Kosten denke, welche uns so oder so die Ukraine wohl aufbürden wird, als jetzt mit diesem geopolitischen Scherbenhaufen, der wenig Aussicht für eine Besserung verspricht.

 Helmut Finsterhölzl Bad Wiessee

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