Ordinärer geht es nicht

Satire-Streit: Hat Merkel richtig gehandelt?; Leserbriefe 22. April

Meinungsfreiheit – unbegrenzt? Auch wenn der Inhalt, selbst als Satire, ganz klar als Beleidigung empfunden werden kann? Die Tendenz der Regierung und der Bevölkerung in Deutschland steht dazu, das Gut der Meinungsfreiheit nicht anzutasten, mag die geäußerte Meinung noch so deplatziert, sogar beleidigend sein. Frau Merkel bestärkt diese Haltung auch dadurch, dass sie den uralten Strafbestand der Majestätsbeleidigung (zu übertragen auch auf ausländische Staatsoberhäupter) ersatzlos streichen will. Gut so. Doch mich hat’s – bildlich gesprochen – vom Hocker gehauen, als ich gelesen habe, dass die Beleidigung unseres Bundespräsidenten weiterhin eine Straftat bleiben soll – mit der Konsequenz von bis zu fünf Jahren Gefängnis! Wo bleibt Logik? Ich kann nur sagen – im Sinne der Meinungsfreiheit: Wie kann man nur so unverschämt, arrogant, einseitig, kurz auch: Wie kann man nur so blöd sein. So blöd, weil auf diese Weise das Gerede von der Gleichheit, Achtung der Menschen anderer Staaten Makulatur ist und die deutsche Regierung und Justiz unglaubwürdig werden. Noch ist diese Ungeheuerlichkeit anscheinend im Bewusstsein der Verantwortlichen, auch der gesamten Öffentlichkeit, nicht voll angekommen. Aber wach werden sollten wir schon! Vielleicht erkennt Frau Merkel, vermutlich auch der Bundespräsident (den ich sehr schätze) den Fehler der Ungleichheit, und sie berichtigen ihn. Mein Respekt wäre ihnen sicher!

Willi Jackl Bohn Oberammergau

Primitiver und ordinärer geht es nicht mehr. Man gewinnt beim Lesen den Eindruck, als habe den Text nicht ein erwachsener Mensch, sondern ein ungezogener Kind verfasst. Dabei haben es sich die vortragenden Künstler doch zur Aufgabe gemacht, Satire zu gestalten. Folgerichtig hat das ZDF das Schmählied aus seiner Mediathek herausgenommen mit der Begründung, dass dieses den Ansprüchen des Senders nicht genüge. Dagegen kündigt Intendant Thomas Bellut an, dem krachend gescheiterten „Künstler“ jedwede Unterstützung im Strafverfahren angedeihen zu lassen. Offenbar weiß bei dem Sender die rechte Hand nicht, was die linke tut.

Jürgen Selzer München

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