Leserbriefe

Schlafmützige Corona-Politik

Zur Corona-Debatte

Diejenigen, die die Krise größtenteils nicht überleben werden, sind die kleinen Betriebe aus dem Handel und dem Handwerk. Mieten, Nebenkosten, Telefon, Strom, Wasser, Heizung, Gehälter, Steuerberater und eine Menge anderer Kosten und Fixkosten müssen gezahlt werden, ohne dass überhaupt eine einzige Einnahme kommt. Konzerne kommentieren das erste Quartal lediglich mit geringen „Bremsspuren“, dagegen stehen viele mittelständische Unternehmen vor dem Aus. Der Deutsche Aktien Index weist kein Unternehmen aus, das durch die Corona-Krise ernsthaft gefährdet ist. Auch die Dividenden der Aktionäre scheinen nicht in Gefahr zu sein. In den deutschen Vorstandsetagen ist wieder „Erleichterung“ eingezogen.

War diese große Gefährdung des Mittelstands in der Corona-Krise durch die Politik wirklich notwendig? Die Geschäftsschließungen der kleinen Betriebe fanden durch die „Verfügungs­anordnungen“ der Länder überwiegend willkürlich statt. Denn nach welchen Kriterien werden Betriebe geschlossen, und nach welchen Kriterien werden Ausnahmen erlaubt? Die festen Zusagen der Politik gegenüber den Betrieben erweisen sich leider nur als „Bemühenszusagen“. So ist zum Beispiel das Beantragen der Überbrückungshilfe derart schwierig und komplex, dass es an den Nerven von Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten regelrecht zehrt. Wenn jedoch die einzufordernde zugesagte Hilfe derartige Schwierigkeiten, Hürden, riesige Arbeits- und Zeitaufwände für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte mit sich bringt, kann von einer politisch zugesagten Hilfe nicht mehr die Rede sein.

In Herrsching wird eine Änderungsschneiderei von einer alleinerziehenden Mutter mit drei Kindern seit sehr vielen Jahren betrieben. Der Betrieb steht vor dem Aus, und die Mutter weiß nicht mehr, wie sie den Betrieb halten und die Familie versorgen soll. Ein weiteres großes Ringen um die Existenz ist mir von einem Friseurgeschäft und diversen anderen Betrieben bekannt. Es ist den Betrieben ein Ausübungsverbot ausgesprochen worden, demnach müssen diese Betriebe zwingend entschädigt werden, und zwar schnellstens! Diese überaus schleppenden Hilfen sind eines Staates wie Deutschland nicht würdig und empören mich, zumal die Politik äußerst viel dem Bürger abverlangt, selber aber ausgesprochen schlafmützig agiert und diese Schlafmützigkeit auch noch rechtfertigt.

Angelika Pflüger Herrsching

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