Leserbriefe

Erbschaftssteuer vernichtet Privatbesitz

Christian Vordemann:Freibeträge für Immo-bilien sind zu niedrig;Bayern 29. September

Ein großes Lob für den Münchner Merkur, dass er sich traut, das Thema Erbschaftssteuer anzupacken und damit eine längst fällige Debatte anzustoßen. Herr Grötsch nennt ein Beispiel, in dem das Erben eines Hauses in München oder dem Umland zu einer Verschuldung von über 300 000 Euro führt. Und wenn eine entferntere oder gar keine Verwandtschaft besteht, kann der erbschaftssteuerliche Schuldenberg leicht auf annähernd 700 000 Euro anwachsen.

Welcher Normalverdiener, welche junge Familie kann sich denn eine Schuldenbelastung in dieser Höhe so einfach leisten? Allein die Tilgung der Steuerschuld dauert bei einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen 20 bis 50 Jahre, ständig bedroht von Zwangsvollstreckung im Falle einer Krise oder einer Zinssteigerung während dieses langen Zeitraums, und dann steht die ganze Familie auf der Straße und das Erbe ist weg.

Wenn Herr Grötsch meint, damit wäre ein Verkauf oft vermeidbar, dann ist ihm wie auch dem Gesetzgeber jeder Bezug zur Realität in unserem Land verloren gegangen und er hat der hierzulande üblichen Neiddebatte Platz gemacht, die unsere Politiker so sehr fürchten, wie Frau Kirchhoff ganz richtig betont. Ein gleichartiges Haus könnte beispielsweise in Thüringen je nach Verwandtschaftsgrad steuerfrei oder mit einer wesentlich geringeren Steuerbelastung vererbt werden.

Eigentum verpflichtet, heißt es in Artikel 14 des Grundgesetzes. Aber auch: Eigentum und Erbrecht werden gewährleistet. Immobilieneigentum verpflichtet noch mehr. Städtebaulich, ökologisch und sozial. Aber die erbschaftssteuerliche Bewertung vermieteter Immobilien zwingt Vermieter zu maximal hohen Erträgen, so dass der Staat zum Preistreiber bei den Mieten wird. Die Erbschaftssteuer vernichtet Privatbesitz zugunsten von Staat und von Investoren, die keine Erbschaftssteuer zahlen müssen, immer mehr Vermögen anhäufen und Mieten und Preise in die Höhe treiben, wovon letzten Endes der Staat mit höheren Steuereinnahmen wieder profitiert.

Harald Psenicka

München

Meine Frau (84) und ich (89) haben 1980 eine Doppelhaushälfte mit 550 qm Grund gekauft, das mit versteuertem Kapital, sehr viel Verzicht auf vieles und sehr viel Eigenleistung geschaffen wurde, zum Preis von 465 000 Mark. Aus Gründen des Erbschaftsrechtes haben wir das Anwesen im Rahmen einer Schenkung an unsere Kinder (Tochter, 60, Sohn, 62) übertragen. Das Haus, 40 Jahre alt, ist vom Finanzamt aufgrund der gestiegenen Bodenpreise auf einen Zeitwert von 980 000 Euro zur Erbschaftssteuerberechnung eingestuft worden.

Da unsere Kinder gegen jeden von uns zweimal 400 000 Euro Erbschaftssteuerfreibetrag haben, ist keine Erbschaftssteuer angefallen. Die Übertragungskosten (Notar und Grundbuchübertrag) haben aber über 7000 Euro betragen. Wir haben aber bis zu unserem Tode ein Nießbrauchrecht.

Wenn dann einer von den Geschwistern sterben sollte, hat der Überlebende nur einen Steuerfreibetrag von 29 000 Euro. Das würde bereits bedeuten, dass der Überlebende verkaufen muss, um die Erbschaftssteuer bezahlen zu können, das heißt, dass ein Immobilienbesitz der Familie bereits in der zweiten Generation verloren geht, unvorstellbar! Die Erbschaftssteuer gehört abgeschafft!

Lorenz Sedlmeir

Feldkirchen

Auch interessant

Kommentare