Zu Seehofers Flüchtlingspolitik

Danke, lieber Herr Seitz! Es ist erfreulich, Briefe von männlichen Lesern vorzufinden, die nicht über Angela Merkel herfallen.

Zuweilen hatte ich die Vermutung, dass einige dieser Herren ihr gegenüber weniger unerbittlich wären, wenn es sich anstatt um eine Kanzlerin um einen Kanzler handelte. Ich nehme an, unter den Schreibern sind viele Rentner, und das gibt Anlass zu hinterfragen, ob bei diesen möglicherweise noch ein etwas patriarchalisches Frauenbild vorherrscht. Seehofer, mit seinem maskulin forderndem Auftreten erfüllt eher deren Erwartungen als eine zurückhaltende und dennoch von ihren Überzeugungen nicht abzubringende Frau. Dabei ist das, was dieser Mann von sich gibt, für viele Experten zu wenig durchdacht, die Folgen kaum ausgelotet, zum Teil auch rechtlich nicht tragbar und letztlich vor allem populistisch. Träumt der bayerische Ministerpräsident etwa davon, durch seine derzeitigen Aktionen noch Kanzler zu werden? Dergleichen wird sich als Wunschtraum herausstellen, denn auch, wenn die Mehrheit der Wähler sich von markig gesprochen Worten beeindrucken lässt, als Kanzler käme Horst Seehofer für viele Wähler außerhalb Bayerns niemals in Frage.

Annemarie Fischer Wielenbach

Sehr geehrter Herr Seitz, Ihre Spitzfindigkeit bezüglich des Wortes „Zahlen“ ist lächerlich. Natürlich muss die nicht mehr zu verkraftende Anzahl der nach Deutschland geradezu eingeladenen Menschen – ich rede nicht von den Flüchtlingen aus den Kriegsgebieten – durch unsere Bundeskanzlerin in Zahlen ausgedrückt werden, wie soll man sonst diese Dimension – es sind immerhin bisher über 1,5 Millionen – begreifen? Die CSU verunsichert die einheimische Bevölkerung nicht, im Gegenteil! Sie nimmt die Ängste, hervorgerufen durch die massenhafte Einwanderung von Menschen aus anderen Kulturkreisen, ernst. Sie müssen nicht vor Zorn zerplatzen, das wäre schade. Sie müssen sich nur mit den Einheimischen unterhalten, dann werden Sie merken wie viele Leute die wochenlangen Bemühungen des CSU, Ordnung in das in Berlin herrschende Chaos zu bringen, für richtig halten. Allmählich merkt man auch dort, dass es so nicht weiter gehen kann.

Ingrid Fürst München

 

 

„Seehofers Drohbrief“; Leserbriefe 28. Januar

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