Leserbriefe

Telematik-Infrastruktur

Sebastian Horsch: Ärzte rebellieren gegen Spahns Digital-Plan; Bayern 28. Juli

Ich danke Ihnen sehr für Ihren sehr differenzierten Artikel! Für mich als Hausarzt ist klar, dass die ärztliche Schweigepflicht das höchste Gut und Grundlage für jede vernünftige Patient-Arzt-Beziehung ist. Ebenso wie Rechtsanwälte, Priester, Richter und – ganz aktuell – Journalisten haben wir eine echte Verschwiegenheitspflicht. Diese ist nicht verhandelbar. Tatsächlich rebellieren viele von uns jedoch nicht nur gegen den Digitalwahn, sondern auch gegen die Vielzahl von oft unsinnigen gesetzlichen Regelungen aus dem Hause Spahn.

Viele von uns tauschen sich im Ärztlichen Nachrichten Dienst ÄND aus, und hier wird schnell klar, welch riesige Unzufriedenheit über die Schikanen des Herrn Spahn besteht. Bereits vor einem Jahr starteten Kollegen die Bundestagspetition „Keine zentrale Datenspeicherung sämtlicher Patientendaten“, unterschrieben von mehr als 64 000 Menschen, somit ein großer Erfolg! Noch während der Covid-19-Krise wurde auf Change.org die Petition „Herr Spahn, bitte treten Sie zurück“ gestartet, die aufzeigte, mit welcher Chuzpe Jens Spahn die Bürger, das Pflegepersonal in Altenheimen und Kliniken, Ärzte und andere Beteiligte des Gesundheitswesens missachtet und drangsaliert. Auch diese Petition ist ein riesiger Erfolg und wurde von mehr als 54 000 Bürgern unterzeichnet! Was muss noch alles passieren, bis dieser aus meiner Sicht unfähige Minister seinen Posten verlässt?

Ralph Halama

München

Die Corona-App wurde im typischen Spahn’schen Schnellverfahren mit deutlichen Funktionsdefiziten auf den Markt geworfen. Die Einflussnahme von Firmen und Datenschützern hat aber dazu geführt, dass die Datenspeicherung hierbei nur dezentral erfolgen darf und die Teilnahme freiwillig sein muss.

Ganz anders die Telema-tik-Infrastruktur. Hier werden Ärzte, Apotheker und Krankenhäuser über einen unsicheren Konnektor an eine zentrale Datenspeicherung gezwungen, für deren Verwaltung die Firma Arvato, eine hundertprozentige Tochter der Bertelsmann-Gruppe, zuständig ist. Im übertragenen Sinn bedeutet dies, dass man einem herrenlosen streunenden Hund den Auftrag gibt, eine Wurst zu beschützen.

Die betroffenen Patienten sind hierüber weder befragt noch hinreichend in Kenntnis gesetzt worden. Was das für ihre persönlichen Krankheitsdaten bedeuten kann, ist leicht vorstellbar: Sie können relativ leicht gehackt, verkauft und/oder veröffentlicht werden. Eine ehrliche Diskussion über Sinn und Unsinn der zentralen Datenspeicherung, die nie sicher sein kann, ist bis heute nicht geführt worden. Das stellt für mich einen untragbaren Zustand dar. Eine öffentliche Diskussion hierüber ist zwingend notwendig und sollte schleunigst geführt werden.

Dr. Manfred Appel

Bad Wiessee

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Riesiges Erpressungspotenzial
Riesiges Erpressungspotenzial
Abwehrmaßnahmen überdenken
Abwehrmaßnahmen überdenken
Stimmen zum Tempolimit
Stimmen zum Tempolimit
Diskussion um bairisches Wort
Diskussion um bairisches Wort

Kommentare