Verleumdeter Stammtisch

Flüchtlingsstrom: wie verfahren? Leserbriefe 23. September

Es ist wieder soweit, in Deutschland wird fleißig gewählt. Und damit die Wahlbürger so richtig in Stimmung kommen und richtig wählen, wird getalkt, was das Zeug hält. Ich sehe mir jede Talkrunde an, ich halte sie für die besten Stimmungsmacher, weil da ist Äkschen drin. Das Einzige was mir weniger gefällt ist die Nichtberücksichtigung einer neuen Partei, die bei den vergangenen Wahlen meist zweistellige Ergebnisse vorweisen konnte. In unserer Gesellschaft gibt es öffentliche und private Institutionen, die organisiert und zweckgerichtet sind. Es gibt aber auch eine völlig freie Institution: den Stammtisch. Trotzdem kommt ihm offenbar öffentliche Bedeutung zu, sonst würde er nicht so oft von Politikern belächelt oder schlecht gemacht. Man scheint ihn mitunter so gar zu fürchten, wenngleich er doch, genau besehen, ein im wahrsten Sinne des Wortes demokratisches Element darstellt, dessen Existenz man eigentlich begrüßen sollte, aber weit gefehlt! Man benutzt das Wort gerne als Synonym für politische Unbedarftheit, Biertischphilosophie, Groß- und Dummschwätzerei und spricht dann abfällig von Stammtischparolen, wobei ich nicht verhehlen will, dass am Stammtisch so manches derbe Wort erschallt. In diesem Zusammenhang bringt man auch gerne den Begriff Populismus mit dem negativen Beigeschmack von Vulgarität, Volksverdummung oder Schlimmeres ins Spiel, wenngleich er doch nichts anderes bedeutet als Volksnähe und Gemeinverständlichkeit. Das aber sind genau die Tugenden, die unseren ach so gescheiten Politikern ziemlich abhandengekommen sind. Man spricht dort nicht gerne deutlich, weil man sonst beim Wort genommen werden könnte. Regelmäßig ist zu beobachten, dass der Stammtisch von denen da oben stets dann verleumdet wird, wenn er unangenehme Sachverhalte beim Namen nennt. Und genau das ist ihm ziemlich wurscht. 

Kurt Fassl Bad Heilbrunn-Obersteinbach

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