Leserbriefe

Strukturen und Glaube

Stimmen zu Kardinal Marx; Leserforum 8. Juni

Die christlichen Kirchen haben viele Kirchenaustritte. Die abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) sind prophetische Religionen, das heißt, Gott hat mit einer Person gesprochen, der hat es weitererzählt.

Der Vertrauensverlust hat mehrere Ursachen: 1.) Der nicht mehr zeitgemäße monarchische Aufbau in der katholischen Kirche.

2.) Einige kirchenintern festgelegte Regeln wie Zölibat, keine Frauen als Priester, Homosexualität als heilbare Krankheit.

3.) Glaubensinhalte wie „Lasst uns Menschen machen, nach unserem Bilde, uns ähnlich“ oder Auferstehung aus unseren Gräbern in unseren Leibern oder körperliche Auferstehung oder unbefleckte Geburt.

Möglicherweise gibt es Gott in anderer Weise. Andere Ansätze gibt es beispielsweise im Buddhismus.

Dieter Lewig

Holzkirchen

Wann werden wir es endlich verstehen? Demokratie hat strukturelle Probleme wegen der Aufgaben Teilung. In der Kirche spricht man von Glauben Schwund, der zu einer Glaubenskrise führt. Wenn es nicht so wäre, hätte Martin Luther auf der ganzen Linie Erfolg gehabt und das Konzil zu Trient wäre eine Farce gewesen. Calvin, Zwingli und die vielen daraus entstandenen evangelischen Gemeinschaften belegen es. Aus diesem Grund wurden bewusst in den ersten Jahrhunderten von der Kirchenvätern Dogmen (Das ist unser Glaube!) festgelegt, um sich gegen Arius, Pelagius, Nestorius und viele andere zu unterscheiden.

Paolo Slongo

Kirchheim

Wenn Herr Kardinal Marx in seinem Rücktrittsgesuch die Behauptung aufstellt, die Kirche sei an einen toten Punkt angekommen, frage ich mich, von welchem Kirchenbegriff der Kardinal ausgeht. Müsste er doch wissen, dass unter Kirche der mystische Leib Christi verstanden wird, das heißt, Christus ist das Haupt und die getauften Christen sind die Glieder dieses Leibes. Kann es sein, dass Kardinal Marx mit Kirche und ihren Problemen sich selbst bzw. mit einigen seiner deutschen Amtsbrüder identifiziert, weil man mit vielen Grundaussagen des Evangeliums hadert. Diese Betrachtungsweise, nämlich die große Mehrzahl der gläubigen Christen der ganzen Welt nicht in den Blick zu nehmen und statt dessen die übersichtliche Zahl der Vertreter des deutschen „Synodalen Weges“, die eine demokratische verfasste Kirche wünschen, als die wahren Repräsentanten des Katholizismus anzuführen, verkennt die innere Verfassung der katholischen Kirche insgesamt, ja was das noch treu glaubende Gottesvolk eigentlich wünscht – nämlich einen Weg zurück zur Wahrheit in Christus. Ein Blick über den Tellerrand des deutschen Katholizismus hinaus zeigt, wie vermessen es ist, die katholische Kirche nur auf deutsche oder gar persönliche Befindlichkeiten zu beurteilen. Zur Wahrheit der Kirche gehört nachweislich auch, dass sie sich nicht an einem toten Punkt befindet und in ihren weltweiten vielen Verzweigungen an Dynamik zugenommen hat und sich ständig positiv weiterentwickelt. Vielleicht hat die Zunahme des Christentums außerhalb Europas ihre Ursachen darin, dass im Gegensatz zu unserer westlichen Wohlstandsgesellschaft Menschen in weniger begüterten Gesellschaften, bzw. politisch unsicheren Verhältnissen die heilende und Trost spendende Kraft des Evangeliums erkannt haben.

Rainer Nicodem

Fahrenzhhausen

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