Leserbriefe

Stückl und die Kirche

Stimmen zu Christian Stückl; Leserforum 21. Juni, Michael Schleicher: „Wir müssen miteinander reden“; Kultur 17. Juni

Wann wird Herr Christian Stückl verinnerlichen, dass die Juden als Volk nach 4000 Jahren noch da sind. Jesus war Jude! Die Kirche, die Familie Jesu, ist seit 2000 Jahren noch da und unterliegt keinem Verfallsdatum? Die katholische Kirche ist keine Nationalkirche, sondern eine Weltkirche. In Deutschland für jeden Christen, welcher der Kirche den Rücken kehrt, werden in China vier Menschen auf den Namen Jesu Christi getauft. Die Kirche ist immer jung. „Die Kirche ist nicht ein zufälliges historisches Gebilde, sondern nach dem Neuen Testament das Ziel aller Zeiten, von Gott geliebt seit Anbeginn“, schrieb der Theologe Klaus Berger.

Paolo Slongo

Kirchheim

Zum Leserbrief von Lorenz Huber: Herr Huber bescheinigt Herrn Max. W. Reinhardt aufgrund seiner Kritik an den Auffassungen von Herrn Stückl eine „menschliche Unverschämtheit“ und das Dinge außerhalb „seines Horizontes“ lägen. Diese Wortwahl deutet darauf hin, dass er die Zeilen im Zustand der Erregung geschrieben hat und dabei der Verstand wohl etwas zu kurz gekommen ist. Es ist doch unbestritten, dass Jesus ein Jude war. Er kam aus dem Stamme Davids (Röm 1,1-3) und ist im Alten Testament (vergleichbar mit der Thora) angekündigt. Sein Auftrag lässt sich ganz klar von Gott ableiten. „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott“ (Joh 1,1). „Und das Wort ward Fleisch (Anm. wurde Jesus!) und wohnte unter uns…“ (Joh 1,14). Demnach kam Jesus von Gott zu den Juden und verkündete, dass er der Messias sei. Sie aber glaubten ihm nicht. „Er kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Joh 1,11) Jesus verkündete daraufhin den Glauben für alle: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Nachkommen und nach der Verheißung Erben“ (Gal 3, 28-29). Und Jesus sprach von sich: „Ich bin die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich“ (Joh. 14,6). Die Christen stehen damit in der Tradition der Juden. Aber da viele Juden Jesus als Messias ablehnen, führten die (Juden-) Christen die Mission Gottes fort. Mit den messianischen Juden folgt dem heute auch ein Teil der Juden. Wenn die traditionellen Juden die Kreuzigung als innerjüdischen Konflikt abtun, ist das ihre Sache. Für die Christen steht jedenfalls fest: „Denn der, den Gott gesandt hat, redet Gottes Worte; denn Gott gibt den Geist ohne Maß. Der Vater hat den Sohn lieb und hat ihm alles in seine Hand gegeben. Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben“ (Joh. 3, 34-36). Herr Stückl erweckt als Christ den Eindruck, dass er das in Frage stellt. Dann aber hat Herr Reinhardt Recht, wenn er ihn als Post-Christen bezeichnet.

Werner Dietel

München

Es ist Herrn Huber entgegenzuhalten, dass man Jesus nicht gegen die Kirche ausspielen kann. Natürlich war Jehoschua von Nazareth historisch ein Jude und seine Anhänger, die in ihm den erwarteten Messias Gottes (= Christus) sahen, blieben lange eine Gruppierung innerhalb des vielschichtigen Judentums. Vielleicht führten unter anderem die Christenverfolgungen des jüdischen Fürsten Bar Kochba in den 130er Jahren zur Trennung von Christen- und Judentum. Beide Religionen sind einander jedoch nach wie vor geschwisterlich verbunden, darauf hat das Zweite Vatikanische Konzil hingewiesen und die Päpste werden nicht müde, das deutlich zu machen. Aber schon die ersten Missionare, mit Ihnen Paulus und alle Evangelisten machen deutlich, dass dieser Jehoschua für sie mehr war/ist als nur ein jüdischer Rabbi, dass er ganz im jüdischen Sinne der von Gott gesandte Retter und Herr ist. Die Konzilsväter haben hier nur festgehalten, was von allen immer schon geglaubt wurde. Nimmt man das aber weg, was wir das Wirken des Heiligen Geistes nennen, so bleibt Jesus tatsächlich in der Vergangenheit, die Kirche wird zum reinen Verein und die Religion wird zur Sklavenmoral. Die (katholische) Kirche bezieht ihre Daseinsberechtigung allein daraus, dass Jesus auch heute für das Leben jedes Einzelnen von Bedeutung ist, er FÜR UNS gestorben und auferstanden ist.

Dr. Georg Glonner

München


Herr Huber (Leserbrief vom 21. Juni) hält meine Einschätzung der Positionen von Herrn Stückl („Post-Christ“) für eine Unverschämtheit. Er besteht darauf, dass Jesus bis zu seinem Tode Jude geblieben ist und nicht etwa als der erste Christ - oder gar Katholik - gelten darf. Da hat er zweifellos recht, leider zieht er aber die falschen Schlüsse daraus. Der historische Jesus hätte den Titel „Sohn Gottes“ wohl tatsächlich abgelehnt, weil er für ihn heidnisch geklungen hätte! Nur was besagt das? Der christliche Glaube versteht Gott so, dass er sich im Auftreten, der Predigt und im Schicksal Jesu erkennen lässt, wenn Gottes Geist unser Denken leitet. Besonders wichtig ist dabei die Kreuzigung, weil sie zeigt, wie Gott seinen Willen am Ende durchsetzt, in Ohnmacht und Liebe, nicht in Gewalt. Uns das vor Augen zu führen, wie Gott mit seinem Sohn ist, ihn trägt auch in Tod und Leid, das ist Aufgabe der Passionsspiele, wenn sie denn einen christlichen Sinn haben sollen und nicht einfach ein Tourismusevent darstellen. Nach den Einlassungen von Herrn Stückl habe ich große Zweifel, ob er der richtige Mann dafür ist. Selbst mein Kritiker Herr Huber gibt am Ende zu, dass es mit der Tiefgläubigkeit nicht mehr soweit her ist.

Ich bin nicht ganz so engstirnig, wie es Herr Huber unterstellt und weiß, dass viele Menschen in Jesus nur einen Menschen und keine Offenbarung Gottes erblicken können. Aber die wollen ja meistens auch keine Passionsspiele aufführen.

Max W. Richardt

Planegg

Herr Christian Stückl müsste ja schon beruflich bibelfest sein. Warum sieht er so schwarz, was unsere katholische Kirche betrifft? Kennt er nicht den Satz: „Die Pforte der Hölle werden sie nicht überwältigen“. Die Kirche hat keineswegs an Attraktivität verloren, obwohl viele Christen wegen der Missbrauchsskandale die Kirchen verlassen haben, zwar unbegreiflich, denn jeder Mensch muss einmal Rechenschaft über sein eigenes Leben ablegen und nicht über anderer Vergehen. Um wieder die Bibel zu zitieren: „Wer ohne Fehler ist, der werfe einen Stein auf die Sünder!“ Ich glaube, da würden keine Steine fallen. Vergleicht man die Nachkriegszeit mit heute, so weiß man, warum man Gott und die Kirche nicht mehr braucht. Dies ist der Wohlstamd, das Überangebot an Vergnügen, an Aktivitäten. Kinder und Jugendliche bekommen meist alle Wünsche erfüllt, bräuchten aber mehr Zeit und Liebe. Wer lehrt ihnen noch die 10 Gebote und die Bibel, wenn sogar die Erwachsenen da Analphabeten sind. Der Zeitgeist regiert die Welt und diktiert, was Sache ist. Kein Wunder, wenn wir entsetzt sind, über die vielen Grausamkeiten und der Respektlosigkeit auch der Polizei gegenüber. Ein Trost, es werden auch wieder andere Zeiten kommen, wo unser Schöpfer wieder das Sagen hat und wir alle wieder dankbarer werden für all das Gute auf der Welt. Wir sind stolz auf unser christliches Land, das wir dem Ungeist nicht überlassen. Ich sehe in unserem Pfarrverband, daß die meisten Leute in der Kirche viel Freude erfahren und dies steckt an.

Renate Dürr

Ottobrunn

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