Leserbriefe

Indianerfeder des arrivierten Städters

Andreas Hoening: Trotz Klimadebatte: SUV beliebt wie nie; Wirtschaft 7. August; Antrieb auf allen Rädern:Leserforum 8. August

Die Argumente der SUV-Fahrer, vor allem derer mit großem Hubraum und mächtig PS unter der Haube, sind ähnlich denen der Raucher, die sagen: Ich rauche, weil ich dann die verpestete Umweltluft nicht einatmen muss. Es sind doch die wenigsten SUV mit 6L/100 km in der Stadt unterwegs.

Was ich hier in München so sehe sind zum Beispiel Porsche Cayennes (laut Porsche-Homepage hat der Cayenne Diesel eine mittleren CO2-Austoß von 200 g/km, der Maserati Levante Diesel 220 g/km), um hier nur zwei Marken beispielhaft zu nennen, die ich tagtäglich in München fahren sehe. Auch wenn diese Diesel mit Euro 6d-Temp ausgestattet sind, sind die CO2-Werte extrem hoch. Aber darum geht es nicht primär. Für diese Autos werden mindestens zweimal so viele Ressourcen verschwendet, wie zum Beispiel für einen VW Polo oder Golf. Oder gar dreimal soviel wie für einen Kleinwagen oder viermal soviel wir für einen Smart. In den Tiefgaragen benötigten die SUVs eineinhalb soviel Platz wie eine Normalwagen.

Das Argument von Herrn Friedrich, SUV seien kürzer als normale Fahrzeuge, mag teilweise richtig sein, aber dafür sind sie in der Regel erheblich breiter. Und ein SUV-Reifen braucht nun mal x-mal soviel Rohmaterial wie der Wagen eines Kleinwagens oder Normalwagens. Der SUV ist die Indianerfeder des arrivierten Städters (oder dessen, der sich die Leasingrate leisten kann) mehr nicht.

Ich bin froh, dass ich kein Imageproblem habe, fahre nunmehr seit zehn Jahren Fiat 500, obwohl ich mir etwas anderes leisten könnte. Brauch ich nicht, will ich nicht, und muss nicht sein, vor allem nicht in der Stadt.

Abschließend noch eine kleine Episode aus dem täglichen Leben: Irgendwann in der Klenzestraße zwischen Gärtnerplatz und Reichenbachplatz. Aus der einen Richtung ein Porsche Cayenne (Mutter mit zwei Kindern), aus der anderen ein Audi Q7 mit einer sonnenbebrillten Dame drin. Links und rechts vor dem BoConcept parkende Autos. Nichts geht mehr. Die Eine kann nicht vor, die Andere nicht zurück. Aber ich gab nach und löste so den gordischen SUV-Knoten. Nichts für ungut, Herr Friedrich, aber die Wirklichkeit ist nicht 6l/100 km und 6d-tempf-Technik. Die Wirklichkeit ist Protz und Angeberei.

Joseph Zenz

München

Ja, ich fahre auch einen SUV: 7000 km pro Jahr mit einem Durchschnittsverbrauch von sieben Litern Benzin pro 100 km. In die Stadt fahre ich grundsätzlich mit dem MVV, und zum Einkaufen mit dem Fahrrad oder zu Fuß. So ein Fahrzeug ist einfach bequem, übersichtlich, und ich kann damit auch noch unsere Fahrräder (im Fahrzeug) transportieren. So fahren wir ein paar Kilometer raus aus der Stadt und sind dann wieder mit dem Fahrrad unterwegs.

Ich frage mich, was diese Neiddebatte gegen den SUV soll. Der Verbrauch mit einem Klein- oder Mittelklassewagen ist bei gleicher Fahrweise identisch. Viele sind mit einem Fahrzeug älteren Baujahrs auf Autobahnen und Landstraßen sehr flott unterwegs, lassen am Bahnübergang den Motor laufen – im Sommer wegen der Klimaanlage, im Winter wegen der Heizung. Also noch mal: was soll diese Debatte gegen den SUV, wenn unsere Umwelt mit kleineren Fahrzeugen oftmals mehr belastet wird? Um unsere Umwelt und das Klima zu schonen, gäbe es wirklich effektivere Möglichkeiten, als immer nur neidisch auf den SUV einzuprügeln.

Helmut Baumgartner

München

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