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Debatte um Zugang zur Tafel

Georg Anastasiadis: Einfach mal hinfahren!; Kommentar 1. März

Es ist unsäglich, wie von unterschiedlichen Seiten, auch von den Medien, versucht wird, auf dem Rücken der Tafeln Politik zu machen. Ich wüsste nur zu gerne, wie viele von den Menschen, die nun in die eine oder andere Richtung die Moralkeule schwingen, je einen Fuß über die Schwelle einer Ausgabestelle gesetzt, geschweige denn, auch nur einen Tag lang mitgearbeitet haben. Als Leiterin der Tafel Erding kann ich feststellen, dass sich die Gesellschaft, und mit ihr die Tafeln, durch den Zustrom von Menschen anderer Kulturen und Religionen natürlich geändert hat. Und ja, es ist, wie in fast allen Bereichen des Lebens, nicht immer leicht, sich auf neue Situationen einzustellen. Das ist nur menschlich. Aber die Schwarzweiß-Malerei von raufenden Asylbewerbern auf der einen, und verängstigten „Omas“ (welch despektierliche Bezeichnung für unsere Seniorinnen!!) und verschreckten allein erziehenden Mamas (wo bleiben eigentlich die Herren in diesem Szenario?) wird der Situation ganz und gar nicht gerecht. Schon immer waren die Tafeln offen für alle Menschen, egal, welcher Herkunft, Religion und sexueller Ausrichtung. Das ist auch in den Tafelgrundsätzen fixiert. Und immer schon hatten wir in Erding auch viele Gäste ohne deutschen Pass. Und schon immer hat es Konflikte gegeben: Zwischen Deutschen, zwischen Nichtdeutschen, zwischen Deutschen und Nichtdeutschen. Es herrschten schon immer Verteilungskämpfe, egal, wie groß das Angebot an Lebensmitteln war. Und nun kommen also Menschen hinzu, die aus verheerenden Verhältnissen geflüchtet sind. Und das soll nun die Angst der Kunden „vor Abstieg und Verlust ihrer Würde“ schüren? Dieser vermeintliche Abstieg, dieser gefühlte Verlust der Würde ist hausgemacht! In Deutschland! Bescheide über Arbeitslosengeld II oder Grundsicherung sind die Armutszeugnisse, nicht die Tafelausweise. Und erst recht sind es nicht die Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten, die deutsche Familien dazu bringen, zur Tafel zu gehen. Sie vertrauen nur auf das völkerrechtlich verbriefte Menschenrecht auf angemessene Ernährung. Die Tafel Erding wird weiterhin alle Menschen willkommen heißen, die der Unterstützung bedürfen. Die Menge an guten Lebensmitteln, die in unserem satten Land sonst in der Tonne landen würden, reicht zumindest bei uns aus, um einen Beitrag zu leisten, den Mangel zu mildern. Die über 60 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer setzen auch organisatorisch alles daran, den vielen unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden. Dabei lassen wir uns von niemanden für andere Zwecke instrumentalisieren. In einem gebe ich Ihnen Recht, Herr Anastasiadis: Einfach mal hinfahren!“ 

Petra Bauernfeind 

Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Erding e.V. (Träger der Tafel Erding)

Dank für diese treffende Analyse und klar formulierte Meinung von Herrn Anastasiadis. Auch die Leserbriefe zu dem Thema sprechen eine klare, zutreffende Sprache. Einige der SPD-Führung haben schon lange das politische Gespür für die tatsächlichen Lagen vor Ort verloren. Ich erinnere mich noch gut, dass es 2015 vor allem auch die SPD war, die sich lange gegen jede proaktive Lösung des Flüchtlingsstromes, insbesondere auf der Balkanroute, verwehrte. War es nicht Herr Gabriel, der seinerzeit das Problem beschwichtigte und von jährlich 800 000 aufzunehmenden Migranten redete? Allein Horst Seehofer besuchte damals die Brennpunkte insbesondere in Ostbayern und bildete sich durch in Augenscheinnahme sein Urteil. Den Hilfeschrei, den viele betroffene Landräte und Bürgermeister, auch von der SPD, damals an die Regierungen von Bund und Ländern richteten, stieß bei zahlreichen Verantwortlichen nur auf taube Ohren. Vermutlich sind es jetzt dieselben, die jetzt die Verantwortlichen der Essener Tafel diffamieren. 

Peter Schröder Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Wie schon oft bei Ralf Stegner und Karl Lauterbach (SPD) sollte die Bundeskanzlerin erst ihr Hirn einschalten, bevor sie redet. Leider ist dieses Phänomen bei vielen Politikern anzutreffen. Es ist mit klar, dass das bei vielen Merkel- Anhängern auf Kritik stößt, aber solche dummen Aussagen sind ein Ansporn für Linksradikale und einer Kanzlerin nicht würdig. 

Heinz Steinmann München

Ich kann nur einen bescheidenen Vorschlag machen, wie man das Problem vielleicht ganz einfach lösen könnte. Polemik oder gar Beschimpfungen sind fehl am Platz und bringen uns keinen Schritt weiter. Runde Tische und Gipfel gibt es viele, oft ist nachher nichts anders als vorher. Lasst die Tafeln unverändert wie bisher, mir sind keine nachhaltigen Beschwerden aus der Vergangenheit bekannt. Baut daneben zusätzlich neue Verteilerstellen für neue Bedürftige auf. Mit staatlicher Hilfe, denn ich lese immer wieder, dass die Steuereinnahmen sprudeln. 

Gerhard Fichtner München

Der Essener Tafel-Chef Jörg Sartor erwägt den Rückzug. Merkel lädt ein, wir Bürger bezahlen diesen Wahnsinn, das nenne ich Zechprellerei. Solange Helfer das akzeptieren, besteht für Merkel kein Handlungsbedarf. Ehrenamtliche kaschieren diesen Wahnwitz so gut es geht und müssen sich dafür noch beschimpfen lassen. Verehrte SPD-Mitglieder, werft doch mal einen Blick auf diese Frau! Erst rügt sie die Tafel, heute versucht sie sich in einem Lob. Seid ihr sicher, dass sie euch, solltet ihr tatsächlich für die GroKo stimmen, auch mitregieren lässt?

 Richard Birk Freising

Wer in Deutschland jemanden zu Unrecht als Kümmelhändler bezeichnet, der gefährdet angeblich die Demokratie. Wenn hingegen ehrenamtliche Tafelmitarbeiter als Massenmörder (Nazis) beschimpft werden, sehen sogar leitende Regierungsmitglieder keinen Grund, dies zu beanstanden. Es ist allmählich nicht mehr zu übersehen, dass der Kompass dieser Gesellschaft verrückt spielt. 

Dr. Franz Laner Ebersberg

Frau Merkel, das ist nicht mehr mein Land! Nicht das Land, in dem wir einst als Kinder zu Rücksichtnahme gegenüber Schwächeren und als Buben besonders zu Ritterlichkeit gegenüber Mädchen, Frauen und alten Menschen erzogen wurden. In Ihrem neuen Deutschland zählt wohl nur noch des Recht des Stärkeren! Sie stammen doch aus einem Pfarrhaus und kennen die Bibel; sie müssten wissen, dass der Schutz der Waisen und Witwen Gottes besonderes Anliegen ist (Psalm 146). Ich helfe auch den Flüchtlingen in meinem Umfeld, aber ich tue es mit meinen Mitteln, was für mich Verzicht bedeutet, aber ich es nehme es nicht von den ohnehin Ärmsten in unserem Land. Mit Ihren Äußerungen haben Sie den Deutschen (ja, ich gebrauche dieses Wort) Ihr wahres Gesicht gezeigt.

 Johannes Appelshoffer Moosinning

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