Leserbrief

Entspannter mit Tempolimit

Tempolimit-Debatte;Leserforum 8./9. Februar

Tempolimit ja oder nein? Es ist schön zu lesen, was sich manche Menschen Gedanken machen über das Tempolimit. Bis dato vermisse ich dazu einen Vergleich mit den Ländern, in denen Tempolimit gilt, und wie hoch der prozentuale Anteil der Toten ist. So sieht es zum Beispiel aus: Polen 140 km/h - 7,4 %, Griechenland: 130 km/h - 6,9 %, Belgien 120 km/h - 5,5%, Österreich 130 km/h - 4,7%, Deutschland keine 3,8 %. Weiter muss in die Betrachtung mit eingezogen werden, wie viel tödliche Unfälle es auf Landstraßen, Bundesstraßen und in den Städten gibt, wo ja überall ein Tempolimit gilt. Dies hat bis dato noch keiner angesprochen. Es stimmt, jeder Tote ist ein Toter zu viel. Aber durch was werden Unfälle auf der Autobahn hauptsächlich verursacht. Bei Tempo 120 km/h braucht man sich vielleicht nicht mehr so 100%ig auf den Verkehr zu konzentrieren, man kann z.B. nebenbei telefonieren. Die meisten Unfälle auf der Autobahn passieren doch, durch Unaufmerksamkeit, die Geschwindigkeit den Witterungsbedingungen oder der Verkehrsdichte nicht angepasst zu haben, aber auch auf Autobahnabschnitten, wo ein Tempolimit gilt. Was hat dies alles mit einem geforderten Tempolimit zu tun, jeder sollte seine Fahrweise so einstellen, dass es zu keinem Unfall kommt. Vergleiche ich dies mit meiner Fahrweise auf der Autobahn, so lasse ich es laufen, ist relativ viel Verkehr, passe ich meine Geschwindigkeit dem Verkehrsfluss an. Es gibt aber auch noch einen anderen Punkt, der angesprochen werden muss. Viele Unfälle sind auf Handy am Steuer zurückzuführen. Vor Jahren wurde vorgeschrieben, es ist ein Verbandskasten, ein Warndreieck und eine Warnweste erforderlich. Warum kann dieses nicht erweitert werden, dass jedes Auto mit einer sog. Freisprechanlage ausgerüstet werden sollte. Damit könnten auch einige Unfälle vermieden werden. 

Manfred Gojowski Gröbenzell

Alle Hinweise auf das benachbarte Ausland sind völlig ungeeignet in der Diskussion um ein Tempolimit, weil in allen Nachbarländern eine völlig andere, nicht vergleichbare Verkehrssituation herrscht. Deutschland ist ein zentraleuropäischer starker Industriestaat mit einer flächendeckend hohen Bevölkerung, die täglich in vom Wohnort zum Arbeitsort pendeln muss. Dies bedingt einen extrem hohen Lkw Warenverkehr und Pkw Individualverkehr. Dazu kommt in den Urlaubsmonaten zusätzlich ein starker Reiseverkehr, vor allem auch auf den Mittelgebirgsautobahnen. Diese extreme Verkehrssituation gibt es in keinem anderen Land in Europa. Um überhaupt vorwärts zu kommen, bedarf es eines breiten Geschwindigkeitsspektrums, um aus dem ständigen Zyklus von Stillstand, Kriechgeschwindigkeit, Kolonnenfahrt, Baustellenverkehr, limitierter Geschwindigkeit und freier Fahrt überhaupt vorwärtszukommen. Eine Einheitsgeschwindigkeit ohne die Möglichkeit bei freier Strecke eine Entlastung der Verkehrssituation, das heißt Auflösung des Permanentstaus, durch eine deutlich höhere Geschwindigkeit zu haben, würde zum Verkehrsinfarkt auf der Autobahn führen. Da o.a. Verkehrszyklus Geschwindigkeiten zwischen O km/h und unbegrenzt erzwingt ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit in Deutschland von höchstens 120 km/h erzielbar. Meist jedoch niedriger. Das bequeme, entspannte Fahren im Ausland bei Tempo 130 konstant über eine Strecke von 100 Kilometern ist in Deutschland unmöglich. In Frankreich kann man das zum Beispiel machen. Tempomat an der Grenze an und dann vier Stunden konstant ohne Unterbrechung bei 130 km/h. Das ist in Deutschland unmöglich. Deshalb muss der Fahrer die Möglichkeit für variable Geschwindigkeiten zwischen schnell und langsam haben. Nebenbei gesagt. Die meisten Verkehrstoten gibt es auf Landstraßen. Die Autobahnen sind deutlich sicherer. Und Frankreich hat bei sehr viel weniger Verkehr und extremen Tempolimit (80 km/h Landstraße) sehr viel mehr Verkehrstote.

Hans Peter Eisenbach

Fürstenfeldbruck

Für einen Igel ist ein Hase aberwitzig schnell - ein „Raser“? Die Natur hat beide mit sehr unterschiedliche Fähigkeiten bedacht und der Hase wird sein Tempo nicht als „rasen“ empfinden. Auch Menschen sind unterschiedlich wenn man sieht bei welchem Tempo die Formel 1 unterwegs ist, weiß man was gerade noch möglich und eben auch sicher ist. Natürlich kann man sich diese Geschwindigkeiten nicht zum Vorbild nehmen – im Alltag geht es nicht ohne Rücksichtnahme auf andere Verkehrsteilnehmer. Straßenfahrzeuge sind nicht für Hochgeschwindigkeitsfahrten ausgelegt, aber eben doch für mehr als nur Tempo 130. Es hängt von der Witterung und vom Zustand des Fahrers ab, wie schnell man fahren kann (Verkehrsdichte). Ich möchte auf einen anderen Zusammenhang aufmerksam machen: das Gewicht eines Fahrzeugs. Wenn ein Fahrzeug mit zwei Tonnen Gewicht mit 100 auf eine stehende Kolonne auffährt, so bedeutet das eine hohe Gefährdung für die anderen Verkehrsteilnehmer. Ein nur eine Tonne schweres Fahrzeug muss schon mit 200 unterwegs sein, um für die anderen eine vergleichbare Wucht beim Aufprall zu erzeugen. D. Beispiel zeigt, dass es nicht auf die Geschwindigkeit alleine ankommt. Ich bin für ein individuell angepasstes Tempo, würde mich aber über ein Limit für schwerere Fahrzeuge sehr freuen. Eine weitere Gefährdung sehe ich in Elektrofahrzeugen mit einer herkömmlichen Batterie (um 400 kg). Bei einem schweren Unfall kann sich durch Kurzschluss die Batterie entzünden und nicht einmal die Feuerwehr ist in der Lage, den Brand zu löschen. Auch hier halte ich ein Tempolimit für angebracht.

Michael Nikolaus

Geretsried

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