Weidegangs und Auslaufs für alle Stalltiere

Tierwohl dem Profit geopfert; Zufriedene Kuh; Leserbriefe 20. und 21./22. Januar

Schöner als in den Leserbriefen, vor allem dem von Helmut Zöpfl kann man die Verantwortung für die Schöpfung nicht ausdrücken. Ein ganz herzliches Vergelt’s Gott auch im Namen unserer lieben Tiere!

 Ulrich Klein München

Ob es wahr ist oder doch Wunschdenken, wenn uns Leserbrief-Gemeinde ein Landwirt Berwanger schreibt: „Eine Kuh ist von Natur aus faul. Im Idealfall liegt sie bis zu 80 % des Tages, weil im Liegen das Euter besser arbeitet“. Sagt er als Fachmann. Wenn ich als Laie die Kühe auf der Weide sehe, liegen sie hauptsächlich erst beim Wiederkäuen. Wenn sie nach dem Winter zum ersten Mal wieder auf die grüne Wiese kommen, machen sie Bocksprünge und tollen miteinander herum - vermutlich aus Freude an Freiheit und Bewegungs-Freiheit. Wenn sie dann in der Herde stehen, lecken sie oft ihre Genossinnen zärtlich ab, helfen bei der Fellpflege - ob das auch in der Anbindehaltung geht? Bei schönem Wetter legen sie gern ihren Bauch in die Sonne. Und wenn sie ein Bauer in der Wintersonne auch mal in die frische Luft lässt (siehe kürzlich ein Merkur-Leserfoto) drehen sie auch nicht gleich wieder um, damit nicht etwa die 80 % Ruhelage zur Milcherzeugung gefährdet werde. Es soll Zeiten gegeben haben, da gehörten Kühe noch zu einer lebendigen, bäuerlichen Großfamilie. Aber da hatten sie auch jede noch einen eigenen Namen. Und Hörner. 

Hans Jürgen Menge Rottach-Egern 

Sehr geehrter Herr Berwanger, der in der Zeitung abgedruckte Leserbrief-Text war persönlich an Redakteur Vordemann gerichtet und nicht als Leserbrief gedacht, er wurde durch ein Missverständnis veröffentlicht, was wir sehr bedauern! Einiges darin war einseitig formuliert und missverständlich. Die ganze Thematik ist ja auch sehr komplex und in einem Leserbrief nur schwer zu fassen. Als Resonanz haben mich mehrere landwirtschaftliche Familienbetriebe angerufen und erklärt, dass bei ihnen das Tierwohl an oberster Stelle steht: Da haben die Kühe noch Namen, sind jeden Tag oder jede Nacht auf der Weide oder im Freilauf und sind, trotz Anbinden beim Füttern, Melken und Ruhen, glückliche Kühe, die sich auf der Weide ausgetobt haben. Vielleicht haben Ihre „faulen“ Kühe, Herr Berwanger keinen täglichen Auslauf und ihnen tun die Haxn weh vom Stehen auf Spalt- und Betonböden und sind deshalb froh, wenn sie liegen können? Mein Anliegen ist die Möglichkeit der freien Wahl des Weidegangs und Auslaufs für alle Stalltiere, mit Sonne, Wind und Wetter auf ihrem Buckel, dies besonders für Kühe in häufig überbelegten Laufställen in denen sie keine Möglichkeit haben ihre Rangordnung ohne Verletzungen auszustreiten – in einem Stall mit hunderten von Kühen ist das wohl kaum mehr möglich, da geht das Tierwohl unter! Wir brauchen keine industrielle Landwirtschaft, die in immer größeren Ställen mit wachsendem Viehbestand immer billiger produzieren muss, mit immer größeren Maschinen welche die Böden, von denen wir alle leben, mehr und mehr verdichten. Die Politik sollte die Regeln so setzen, dass die Bauern nicht in einem ruinösen Wettbewerb ums Überleben kämpfen müssen, in dem der Größere den Kleineren verdrängt, das Höfesterben muss ein Ende haben, Boden darf kein Spekulationsobjekt für Investoren werden! Dies kann nur gelingen, wenn die Politik sich freimacht von den Einflüssen der Agrar-Industrie und uns schützt vor CETA und TTIP! Wir brauchen die bäuerlichen Betriebe die naturverträglich, nachhaltig und ökologisch wirtschaften, die vom Verkauf ihrer Produkte leben können ohne ständig wachsen zu müssen. Wir brauchen Betriebe die ihre Böden lebendig erhalten, Betriebe mit gesundem Viehbestand von 50 bis 70 Tieren, Betriebe, die bei geringerer Fütterung von genfreiem Kraftfutter (nicht aus Übersee!) ökologisch wertvolle Lebensmittel produzieren, die überwiegend regional vermarktet werden. Dies sollte die Politik durch finanzielle Anreize unterstützen unter Anwendung und auf der Grundlage der unverzichtbaren zukunftssichernden Werte von Boden-, Wasser-, Tier-, Natur- und Klimaschutz. 

Hubertus Wenderoth Oberhausen

Ich glaube, ich vertrete hier ebenfalls die Meinung vieler junger Landwirte: Es ist wirklich unfassbar mit welcher Ahnungslosigkeit die Medien und die Verbraucher über die Landwirtschaft urteilen. Die Massentierhaltung hat nichts mit der Größe eines Betriebes zu tun, vorausgesetzt den Tieren geht es gut, vielmehr zählt für mich hier die Platzverfügbarkeit der Tiere. Der Hauptgrund für den starken Strukturwandel in den letzten Jahren, ist die schlechte Erlössituation in der Landwirtschaft, glauben Sie nicht, uns Landwirten wäre lieber, man könnte mit 30 Milchkühen und einer 40-Stunden-Woche auskommen, leider ist dem nicht so. Heutzutage ist die einzige Möglichkeit um in der Landwirtschaft einen angemessenen Erlös zu erwirtschaften, ein Nebenerwerb oder ein deutlicher Wachstum des Betriebes. Laut Ihnen ist die ganzjährige Stallhaltung für die Tiere eine Qual, haben sie die Tiere denn schon mal beobachtet, an welchen Orten sie sich im Sommer ab 25 Grad aufhalten, wenn sie die Wahl haben zwischen Stall und Weide? Mit Sicherheit nicht auf der Weide, denn Kühe fühlen sich zwischen 5 und 15 Grad am wohlsten, dieser Klimabereich wird am ehesten in den Ställen erreicht. In den modernen Ställen wird versucht, die Kühlung durch Ventilatoren und Kuhduschen sowie durch bauliche Maßnahmen mit gedämmtem Dächern und mit Querlüftung der Ställe zu erreichen und Sie behaupten den Kühen geht es in den Ställen schlecht? Des Weiteren möchte ich sie darauf hinweisen, dass die Landwirtschaft seit jeher um einiges mehr auf die Natur, das Klima und die Böden angewiesen ist als die Verbraucher. Warum sollten wir also bewusst die Gewässer, das Klima und die Böden zerstören? Bereits unsere Vorfahren waren sich darüber bewusst, wie wertvoll unsere Natur ist und bewirtschafteten diese nachhaltig. Zu ihrer Meinung über Bio: Ist es nicht sinnvoller Bioprodukte aus anderen Bundesländern lieber durch regionale Produkte zu ersetzen? Kaufen Sie, liebe Verbraucher, Lebensmittel aus Bayern von bayrischen Molkereien und nicht die Produkte des Einzelhandels wie „Gut & günstig“, denn genau diese Produkte sind schuld an der Preisdrückung durch den Einzelhandel. Bundesweit kommt jeder zweite Landwirtschaftsmeister aus Bayern und Sie, Herr Wenderoth wollen uns zusammen mit Edeka erklären, wie wir unseren Beruf zu erledigen haben? Zeigen sie mir eine Berufssparte, bei der es so viele Meister gibt wie in der Landwirtschaft? Sind sie sich im Klaren wie die Landschaft vor ihrer Haustüre ohne die Landwirtschaft ausschauen würde? 

Toni Huber Eurasburg

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