Ich bitte doch sehr um Differenzierung

Verseuchung des Wassers unterbinden; Leserforum 14./15. Juni, Bauern kritisieren Trinkwasser-Studie; Gülle und Düngemittel könnten Trinkwasser verteuern; Wirtschaft 13. und 12. Juni

Und wieder können wir Bauern uns für etwas schelten lassen, was uns die Politik eingebrockt hat. Mit immer kürzeren Ausbringungsfristen für Wirtschaftsdünger (angedacht sind ja bereits neun Monate Lagerkapazität bei sieben bis acht Monaten Vegetation, ein Irrsinn ohnegleichen) sorgt man dafür, dass die Jahresmenge an Mist und Gülle in immer engeren Zeitfenstern massiert ausgebracht werden muss. Bei Gülle ist die Schicht im Schnitt 2,66 Millimeter dick – wie soll davon, bei einem TS-Gehalt von 5 bis 8 %, eine Überdüngung herkommen? Als die Gruben noch klein waren und der Odel deswegen auch im Winter ausgebracht werden musste, war das Trinkwasser auch nicht schlechter als heute, weil der Stickstoff durch den Schnee und die Kälte gar nicht wirksam war. Erst beim Einsetzen der Wärme wurde die N-Umsetzung im Boden aktiv und das Gras wuchs das ganze Jahr. Liebe Landwirtschaftskritiker, habt Ihr euch noch nie gefragt, wie viel Kunst- sprich Mineraldünger etwa die Golfplatzbetreiber aufwenden, damit der Rasen auch immer schön fett und grün ist? Und sind wir Bauern jetzt auf einmal alle Massentierhalter? Ich bitte doch sehr um Differenzierung bei diesem Thema. Wo beginnt für Euch Massentierhaltung? Bestimmt nicht bei den in unseren Gefilden normalen 1,5 bis 3 Großvieheinheiten pro Hektar. 

Georg Berwanger Großpienzenau

Ich stimme den Meinungen zu, dass der ökologische Landbau mit schonender Natur zu fördern ist anstatt die Agrarfabriken mit Tierquälerei. Da haben viele Regierungen und auch Gemeinderäte enorme Fehler begangen, indem sie meistens den Lobbyisten hörig waren anstatt dem gesunden Menschenverstand. Es ist nicht alles mit Geld, Gier und Schönreden zu erreichen. Wer der Nachwelt die Schöpfung erhalten will, muss eine Systemänderung zum sozial-ökologischen Umbau in der Politik wählen. 

Bernhard Maier Peiting

Nach den beiden Leserbriefen stellt sich bei mir die Frage: Warum soll der Verbraucher nicht auch an der Grundwasserreinigung beteiligt werden? Wir sind doch schließlich diejenigen, die das billige Fleisch wollen, oder nicht? Mit unserem Verbraucherverhalten verstärken wir die Massentierhaltung und nicht die ökologische Landwirtschaft. Wohin also mit der Gülle, die uns allen so stinkt? Was wir brauchen, ist ein Umdenken in der Gesellschaft. Die Politiker könnten uns dabei helfen, indem sie uns Verbrauchern noch mehr Informationen über die Betriebe zutrauen würden. Oder, wie es die Initiative zur Förderung der ökologischen Landwirtschaft im Mangfalltal bewiesen hat, kann die Nitratbelastung des Grundwassers gesenkt werden. Meine Vorschläge wären also: Unsere Politiker nehmen sich an diesen Projekten ein Beispiel und wir Verbraucher verzichten öfter auf Fleisch und genießen es dann vom heimischen Metzger und aus ökologischer Viehhaltung. 

Petra Osterried Unterschleißheim

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