Leserbriefe

Ein Draghi-Märchen

Jörn Bender: Europas Zentralbank zieht alle Register; Wirtschaft 13. September

In der Pressekonferenz nach der neuerlichen Flutung der Märkte mit abermaligen wahnwitzigen Käufen von Staatsanleihen – was dem Geist des Gesetzes (= Verbot von Staatsfinanzierung durch die EZB) massiv widerspricht –, hat Draghi erstmals mehrfach auch von negativen Nebeneffekten dieser ultra-lockeren Geldpolitik gesprochen. Vor allem die Altersvorsorge und die damit befasste Industrie wurden erwähnt. Was er in der Vergangenheit auch sehr oft angesprochen hat, waren die sehr günstigen Finanzierungsmöglichkeiten für Häuslebauer beziehungsweise Immobilienkäufer. Wenn jemand in den letzten Jahren eine Nachfinanzierung zu tätigen hatte, dann stimmt es, dass es deutlich billiger geworden ist.

Nun zu seinem Trugschluss: Wer zu seinem Amtsantritt eine Immobilie in oder um München für 400 000 Euro gekauft hat, musste circa vier Prozent an Zinsen zahlen. Nehmen wir an, der Käufer konnte 2000 Euro/Monat zurückzahlen. Nach 27,5 Jahren wäre alles abbezahlt. Nun haben sich die Preise aber verdoppelt (oder mehr), das heißt wer heute 800 000 zu 0,5 Prozent finanziert, braucht bei gleicher monatlicher Belastung schon 36,5 Jahre, somit neun Jahre mehr. Damit ist das mit der billigen Finanzierung ein Trugschluss und ein weiteres Draghi-Märchen.

Heinz Hrase

Anzing

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