Scharfer Protest?

Angriff auf die letzte Festung der Kritiker; Politik 2. November

Mit dem Eliminieren zigtausender Staatsdiener, von Richtern, Verlegern und weiteren Oppositionellen hat es nun auch die angesehene Zeitung „Cumhuriyet“ („Republik“) erwischt. Festnahmen, Verurteilung und Gefängnis – in dieser Reihenfolge zeigte und zeigt sich weiterhin, was Erdogan einzig und allein anstrebt: Ein autoritär diktatorisch regiertes Staatswesen. Und was sagen Europa und die deutsche Regierung dazu? Martin Schulz, EU-Parlamentspräsident, sieht eine rote Linie überschritten. Eine? Na dann ist es doch nicht so schlimm. Offenbar gibt es derer noch mehr. Und Regierungssprecher Seibert? Er kontert den türkischen Angriff auf Rechtsstaatlichkeit und freie Meinungsäußerung mit den markigen Worten: „Die Bundesregierung hat wiederholt ihrer Sorge Ausdruck gegeben gegen das Vorgehen in der Türkei.“ Sorge? Wie rührend die beiden Kommentare, fast so süß wie türkischer Honig. Und aufmunternd für den türkischen Ministerpräsidenten Yildirim: „Mein lieber Freund, deine Linie ist uns egal. Was hat deine Linie schon für eine Gültigkeit? Über deine Linie ziehen wir eben eine andere.“ Man sieht: Wird der Kotau zu tief durchgeführt, verliert man schnell die Übersicht und die Balance. Ankara hält sich wieder einmal den Bauch, und die EU und Deutschland werden desavouiert und der Lächerlichkeit preisgegeben. Wo bleibt der westlich abgestimmte scharfe Protest? In welcher Reihenfolge werden welche Sanktionen formuliert und realisiert? Wann endlich erfolgt der konzertierte und viel zitierte Ruf wie Donnerhall in den Printmedien, im Fernsehen und Hörfunk? Schweigen bedeutet stets Zustimmung. Und was kann der einzelne Bürger tun? Sich daran erinnern, dass es neben der Türkei auch noch viele andere schöne Urlaubsorte auf Erden zu entdecken gibt! 

Peter Wendt Gröbenzell

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