Unterschiedliche Ansichten zu Olympia 2018 in Garmisch

„Hotelier und Landwirt zu Olympia“; Leserbriefe 31. Dezember/1./2. Januar

 „Werte Landwirte! Habt Ihr schon ein Hochzeitsgeschenk für Eure Maria Riesch? Wie wär’s mit einem außerordentlichen, einmaligen, wunderbaren Geschenk, das nur Ihr machen könnt? Schickt ihr Eure Einverständniserklärung für die Benutzung Eurer Grundstücksflächen für die bevorstehenden sportlichen Ereignisse. Gebt Eurem Herzen einen Ruck und macht der Maria eine Freude!“

 Agnes Romanow Oberammergau

„Um es gleich vorwegzunehmen: Ich bin gegen Olympia 2018 in Garmisch-Partenkirchen. Ich nehme damit mein Recht auf freie Meinungsbildung und Meinungsäußerung wahr und verbitte es mir, deswegen als ,verbohrt‘ bezeichnet zu werden. Ob ich mit meiner Meinung einer Minderheit angehöre, weiß weder ich noch sonst jemand, da wir Bürger ja bisher nicht befragt wurden. Was Garmisch-Partenkirchen braucht, sind nachhaltige, qualifizierte und anständig bezahlte Arbeitsplätze (außerhalb des Tourismus) sowie mehr bezahlbarer Wohnraum für Familien. So könnte die Kaufkraft gesteigert und die Abwanderung junger Leute vermindert werden. Ich glaube nicht, dass Olympia 2018 das leisten wird.“

 Martina Fonseca Garmisch-Partenkirchen

„Mehr als 160 Grundstückseigentümer unseres Ortes wollen ihre Grundstücke für Olympia nicht zur Verfügung stellen und damit auch die wenigen Grünflächen unserer Heimat erhalten. Sie wissen, dass eine unzerstörte, schöne Natur das Kapital unseres Fremdenverkehrsortes ist. Hinter diesen Landwirten steht nicht nur eine kleine Minderheit, sondern viele tausend Bürger von Garmisch-Partenkirchen, die das ebenso wie die Landwirte durch ihre Unterschrift bekräftigt haben. Die Stimmen/Unterschriften der Landwirte werden allerdings ebenso ignoriert, wie die der Bevölkerung. Die einzige Abstimmung, die es bezüglich der Olympiabewerbung gab (von der hiesigen Alpenvereinssektion) endete mehrheitlich gegen die Olympiabewerbung. Trotzdem stellt der Hotelier Hilleprandt die Grundstückseigentümer als verbohrte Minderheit dar, die unserem Ort schaden. Die Behauptungen in seinem Leserbrief werden seit Jahren gebetsmühlenartig in unserem Ort wiederholt, obwohl sie meist schon vor langer Zeit ad absurdum geführt wurden. Obwohl andere Fremdenverkehrsorte nicht die Reputation von Olympia, zwei Ski-WMs, jährliche World-Cups und Neujahrsspringen haben, stehen diese meist vielfach besser da als Garmisch-Partenkirchen. Sollten sich nicht gerade die Hoteliers und Gastronomen fragen, woran das liegt?“

 Heidemarie Trickl Garmisch-Partenkirchen

„Sie beschimpfen die Landwirte, weil sie gegen Olympia in dieser Form sind. Sie beklagen sich, dass die Landwirte vom Staat subventioniert werden. Was hat unsere unfähige Regierung gerade mit Ihnen gemacht, speziell die FDP, zu der Sie ja auch gehören? Sie hat den Hoteliers Steuergeschenke gemacht, die sie selbst einstecken und nicht investieren. Landwirte hingegen produzieren Lebensmittel und sind für die landschaftliche Entwicklung zuständig. Was machen Sie mit Ihrem Hotel? Ihnen und Ihren Zeitgenossen geht es nicht um die Spiele und dem Sport als solches, sondern nur um Ihren Geldbeutel. Da spielen Natur und Tiere nur eine äußerst geringfügige Rolle. Wenn es Garmisch, das bekanntlich vom Tourismus lebt, schlecht geht, liegt es an der Schlafmützigkeit der Ortspolitiker und der Garmischer Bevölkerung als solche. Sie glauben wirklich, dass die Versäumnisse in den letzten Jahrzehnten mit der Olympiade wieder aufgeholt werden können? So wie Sie es beschreiben, schlägt Garmisch dann viele Fliegen mit einer Klappe. Sei es Bahnausbau, sei es Tunnelbau, sei es Eisstadion usw., nicht zu vergessen, auch die Verschuldung Garmischs wird auf einen Schlag bezahlt sein. Machen Sie die Augen auf und hören Sie auf zu träumen! Wie viele Orte in Deutschland gibt es, die ebenfalls vom Tourismus leben und keine Olympiade erhalten werden? Akzeptieren Sie endlich, dass es noch Menschen gibt, denen der Kommerz nicht das wichtigste im Leben ist! Sie als FDP-Politiker sollten wissen, was Demokratie bedeutet – nämlich unter anderem Meinungsfreiheit. Veranstalten Sie das von Ihnen am 13. August geforderte Ratsbegehren und seien Sie nicht überrascht, wenn es nicht die große Anzahl an Befürwortern solcher Spiele gibt. Die von Ihnen genannte Minderheit ist nicht verbohrt, sondern handelt entgegen Ihrer Einstellung nicht materiell. Ich bin für Olympia, des Sportes wegen, aber nicht so, wie es in Garmisch durchgedrückt werden soll. Die vorhandenen Sportstätten im Umkreis sind zu nutzen und brauchen nicht extra neu gebaut und dann wieder abgerissen werden. Solche Vorgänge nenne ich ganz einfach Umweltfrevel. Ich habe auch keine Lust, die finanziellen Verluste der Spiele mit meiner Steuer zu finanzieren.“

 Werner Schilcher Peißenberg

„Auf den Leserbrief des Hoteliers aus Garmisch möchte ich als Grundeigentümer im erweiterten Bereich des Kandahar-Zielgeländes in ein paar Gedanken eingehen. Herr Hilleprandt spricht von einer Rücksichtslosigkeit gegenüber der großen Mehrheit der Bürger von Garmisch-Partenkirchen. Wodurch wurde diese Mehrheit denn ermittelt? Über Ein Projekt solchen Ausmaßes sollte wahrlich durch einen Bürgerentscheid entschieden werden. Wo sich dann die Mehrheit befindet bliebe abzuwarten. Die betreffenden Grundstücke werden nicht nur für die paar Wochen in denen Olympia und die Paralympics stattfinden gebraucht, sondern sind mit Vorbereitungsarbeiten und Wiederherstellung mindestens drei Jahre für die Landwirte nicht nutzbar. Es muss doch im Rechtsstaat Deutschland erlaubt sein, dass sich ein Landwirt dafür entscheidet sein Eigentum, das seiner Familie meistens seit Jahrhunderten gehört (in meinem Fall nachweislich seit Mitte des 16. Jahrhunderts), nur zu seinem angestammten Zweck zu nutzen. Da braucht er sich nicht von einem Hotelier, dessen Priorität hauptsächlich seinen eigenen wirtschaftlichen Interessen gilt, Sturheit, kleinkariertes weltfremdes Denken und Uneinsichtigkeit vorwerfen lassen. Die angesprochenen staatlichen Subventionen, welche die Landwirte zum Überleben dringend benötigen, werden vom Staat ausschließlich für die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen gewährt. Kleinste Verstöße (z.B. kurzzeitige Holzlagerung auf Grünflächen) werden mit sofortiger Rückforderung der Gelder geahndet. Es sich richtig, dass das Werdenfelser Land überwiegend vom Tourismus lebt. Aber warum kommen die Gäste aus aller Welt zu uns. Wegen unserer wunderschönen Landschaft natürlich. Wenn es keine „sturen“ Bauern mehr gäbe, würde das „Goldene Landl“ in kürzester Zeit wieder zu der Wildnis verkommen, das es vor der Besiedlung und Rodung durch die Bauern vor hunderten Jahren war. Warum sollte Garmisch-Partenkirchen ohne Olympia 2018 in der Bedeutungslosigkeit versinken ? Dann müsste ja auch so renommierte Wintersportorte wie Kitzbühel, St. Anton, Zermatt, Saas-Fee usw., die nie als Olympiaorte in Frage kommen, das gleiche Schicksal ereilen. Die Annahme, dass man durch Olympia den immensen Schuldenberg abbauen kann, scheint mir doch sehr utopisch. Nachdem doch allgemein bekannt ist, dass die vergangenen Olympiaorte Salt Lake City und Turin gerade durch Olympia auf einen Berg von Schulden sitzen geblieben sind. Was man hört wird es Vancouver nicht anders ergehen. Den einzigen garantierten Gewinn streicht bekanntlich nur das IOC ein. Das finanzielle Risiko liegt allein beim Veranstalter. Deshalb kann Garmisch-Partenkirchen froh sein, dass es diese „kleine verbohrte Minderheit“ gibt, die versucht ihr jahrhundertaltes Erbe, und damit unsere Heimat, zu erhalten und an die Nachkommen weiterzugeben. So schaut’s nämlich aus, Herr Hilleprandt!“

 Bernhard Bader Grainau

 „Schon vor 30 Jahren waren zwei Drittel der Garmisch-Partenkirchener Bevölkerung gegen eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 1992. Damals fanden diese Spiele dann im französischen Albertville/Savoyen statt. Diese zogen dort nicht nur ökologische Schäden nach sich, sondern auch finanzielle Pleiten der dortigen Olympiaorte. Herrn Hilleprandts Aussage, die große Mehrheit stünde heute hinter der Olympiabewerbung, stimmt einfach nicht, wird aber von offizieller Seite so dargestellt. Schon die finanziellen Belastungen der Ski-WM 2011 führten dazu, dass ein Ausverkauf kommunaler Immobilien zu Schleuderpreisen stattfand, trotzdem stiegen die Schulden. Wie im kanadischen Olympiaort Whistler müssen die Bürger dann für solche World Events bluten. Der Termin für die Zwangsversteigerung von Teilen Whistlers stand übrigens schon vor den Spielen fest. Herr Hilleprandt wiederholt unüberlegt Bürgermeister Schmids Behauptungen, dass fast alle für Olympia erforderlichen Einrichtungen vorhanden wären. Dem muss widersprochen werden: Neben Mediacenter und Tausende von Unterkünften müssen auch Anlagen für Ski-Cross, Snow-Board, Skispringen (kleine Schanze) uvm. gebaut werden. Dass der Tourismus durch Olympia nachhaltig gestärkt wird, ist ein Irrglaube vieler Hoteliers. Einerseits würde die Zubetonierung unseres Gebirgstals Gäste abschrecken, andererseits würden die überdimensionalen Sportanlagen niemals wieder gebraucht. Das Großangebot an Hotelbetten würde zu Dumpingangeboten und zu Hotelpleiten führen. Gegensätzlich zu Hilleprandts Behauptungen ist es eine kleine verbohrte Minderheit mit einigen Mitläufern, die durch ihre Wolkenschlösser nicht nur unserem Ort, sondern auch dem Staat Schaden zufügen würde.“

 Ingeborg Mitteneder Garmisch-Partenkirchen

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