Vaterunser: Und führe uns in der Versuchung

Debatte um das Vaterunser; Leserforum 13. Dezember

Bei nur wenigen bisherigen Leserbeiträgen habe ich die ganz einfache Frage herausgehört, um welche Art von Versuchungen es da wohl unmittelbar überhaupt gehen könnte. Ich möchte dazu gerne die Auffassung beitragen, dass die Verbindung der beiden Halbsätze der in Frage stehenden Vaterunser-Bitte durch das Wörtchen „sondern“ auf den gleichen Gegenstand des Bösen sich bezieht, gleichzeitig aber auch ausschließt, dass Gott selbst die Menschen in Versuchungen führen könnte. Demzufolge wäre die derzeitige Textversion m. E. nur so zu interpretieren: „Und lass nicht zu, dass wir der Versuchung nachgehen, das Böse zu tun, sondern erlöse uns vor diesem Übel (des Bösen)“. Ob es auf Dauer reicht, das Ganze zwar möglicherweise so verstehen zu sollen, es aber nicht auch ….. auszuformulieren, kann zumindest der liebe Herr Pfarrer von nebenan nicht entscheiden. Ob es zudem klug wäre, dies zu tun, noch weniger! M. E. richtig wäre es!

 Werner Rupp Baldham

Debatte um das Vaterunser Ich habe in meiner Schulzeit vor 60 Jahren auch Altgriechisch gelernt. Damals beschaffte ich mir auch den Text des Vaterunser in dieser Sprache. Schon damals beeindruckte mich die Übersetzung des urtextlichen Nebensatzes „… wie auch wir vergeben haben…“ (also im Perfekt). Damit erscheint mir diese Bitte im Gebet im Vergleich zum deutschen Text ehrlicher. 

Helmut Schwaiger Marzling

Ich verstehe die Aufregung um diesen „Führe-uns-nicht-in-Versuchung-Passus“ nicht. Wir als mündige Christen sind doch immer aufgefordert selbst – unserem Bewusstseins-Stand angepasst – zu interpretieren. Gerade auch was die Bibel anbetrifft – es gibt auch umstrittene Übersetzungen (so wurde das Thema Frau im Alten Testament z. T. ignoriert und gestrichen) und sehr unterschiedliche Auslegungen. Das Beten selbst zählt! Viel wichtiger erscheint mir im Glaubens-Bekenntnis, so wie unsere evangelischen Mitbrüder - im Zeichen der Ökumene – zu beten: Ich glaube an die christliche Kirche statt an die „katholische“. Ich weiß, wir beten nicht „römisch-katholisch“, ich weiß: die Katholiken und katholisch bedeutet allumfassend – aber es wäre ein gutes Signal. 

Ulrike Hübner Feldafing

Zum Thema Glaube und Versuchung: Glauben heißt nicht Wissen. Ich glaube mit dem Herzen – ich praktiziere den Glauben/Wissen kommt nur durch den Verstand – die Theorie. Wer mit dem Herzen glaubt, weiß was mit der Bitte „führe uns in der Versuchung“ gemeint ist, er denkt mit Gott dem Vater. 

Hilde Weigl Erling

Sowohl der uns bekannte Vaterunser (und führe uns nicht in Versuchung) als auch die Version vom Papst (Lass uns nicht in Versuchung geraten) sind falsch. Begründung: Unser Unterbewusstsein kennt das Wort „nicht“ nicht. Beispiel: Bitte denken sie nicht an einen rosaroten Fußball oder denken Sie nicht an Angelika Merkel mit Bart! Obwohl wir nicht daran denken sollen, denken wir an rosaroten Fußball und Merkel mit Bart. „Und führe uns nicht in Versuchung, ist für unser Unterbewusstsein die Programmierung „Führe uns in Versuchung“ (Ich behaupte sogar, dass die beiden Versionen mit „nicht“ Absicht sind. Die Folgen sehen wir tagtäglich). Richtigerweise müsste es im Vaterunser heißen: „Und führe uns in der Versuchung.“ Das heißt, er soll uns führen, wenn wir in Versuchung geraten. 

Georg Paulus Holzkirchen

Neben „Führe uns nicht in Versuchung“ gibt es im Vaterunsrer noch einen weiteren Satz, der – jedenfalls mir – Schwierigkeiten bereitet: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Das Wort „wie“ ist entscheidend. Im Griechischen bedeutet es tatsächlich „so wie“ im Sinne von „ebenso wie“. Will uns der Satz dazu anhalten, um Vergebung nur in dem Masse zu bitten, wie wir selbst vergeben? Das glaube ich nicht. Daher nehme ich mir die Freiheit eines Christenmenschen und bete an der Stelle: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir mögen vergeben unseren Schuldigern.“ 

Rigmar Osterkamp Bichl

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