Leserbriefe

Verantwortung des mündigen Bürgers

Georg Anastasiadis: Zurück im Albtraum; Kommentar: Christian Deutschländer: Das Ende der Geduld: Im Blickpunkt 20./21. November

Auch die Geduld vieler Geimpfter ist zu Ende. Die 20 Prozent Ungeimpften kommen mir vor wie Kindergartenkinder. Man weiß, wie man sich verhalten sollte, aber wartet darauf, bis jemand mit Autorität sagt: „Ihr macht das jetzt, Punkt, oder ihr dürft nicht mehr mitspielen“. Natürlich waren wir alle in den Sommermonaten euphorisch, dass die Pandemie am Ausklingen ist.

Die Häme im Netz hätte ich nicht lesen und die Proteste nicht sehen mögen, wenn im Juni, Juli, August, September jemand von notwendigen Beschränkungen gesprochen und diese auch durchgesetzt hätte, um eine vierte Welle zu verhindern. Packen wir uns doch erst einmal an der eigenen Nase, bevor wir zum Teil bösartige Politikerschelte betreiben. Wo ist denn die viel gepriesene Eigenverantwortung des mündigen Bürgers, der in viel zu großer Anzahl noch nicht mal in der Lage ist, Mitmenschen durch seine Impfung zu schützen?

Ich plädiere dafür, dass an der Eingangstüre von Praxen und Läden ein Schild angebracht wird: „Hier sind alle geimpft“, oder: „Hier sind nicht alle geimpft“. Dann kann man sich heraussuchen, ob man die Dienste in Anspruch nehmen möchte oder nicht. Bei meiner Nachfrage an der Rezeption von Ärzten und Zahnärzten, bei denen ich selbstverständlich einen Zettel mit Unterschrift ausfüllen musste, ob ich geimpft, genesen oder getestet sei, oder mein Impfzertifikat herzeigen musste, ob das Personal denn geimpft sei, herrschte oftmals erst einmal Schweigen und dann kam ein zögerliches Ja.

Und das, wo mir zum Beispiel bei Zahnsteinentfernung die Assistentin 20 cm vor meinem Gesicht arbeitet. Es muss dringend darauf hingewiesen werden, dass sogenannte Genesene laut RKI nach vier Wochen eine Impfung erhalten können, um sich und andere zu schützen.

Hannelore Hartmann

Starnberg

Landesvater Söder verspricht sich also einen Corona-„Wellenbrecher“ von einem „De-facto-Lockdown für Ungeimpfte“. Ich würde das eher einen „Willensbrecher“ nennen, um noch viele Menschen, die sich aus wohlüberlegten Gründen bisher nicht impfen lassen möchten, zu – sagen wir – „motivieren“.

Da jedoch selbst Prof. Drosten sagt, dass wir keine Pandemie der Ungeimpften haben – aber wer ist er schon gegen Markus Söder –, und im letzten Winter, als es noch keinen Impfstoff, sondern außer dem Lockdown „nur“ die AHA-Regeln gab, die Zahlen viel niedriger waren, nehmen wir einfach auch einmal an, die Welle würde nicht gebrochen. Nicht nur Ministerpräsident Söder, sondern alle Verantwortlichen müssten dann so unangenehme Dinge eingestehen, wie: „Wir haben Geimpften die Immunisierung, die Herdenimmunität, das Ende der Pandemie und die ,Freiheit‘ versprochen und konnten das nicht mehr zurücknehmen, als wir schon wussten, dass sie sich selbst und andere trotz Impfung weiterhin anstecken können und dass es keine Herdenimmunität geben wird. Wir brauchten also eine plausible Erklärung, denn es standen Wahlen an.“

Wie gesagt, beide Szenarien sind bisher rein fiktiv. Real ist allerdings eine bereits tief gespaltene Gesellschaft, und die Herrschaften sollten sich beizeiten überlegen, was sie mit ihrem Leben noch anfangen wollen, falls es zum zweiten Szenario käme und sie das politisch eventuell nicht überleben.

Rotraud Oechsler

Miesbach

Laut Klaus Holetschek gibt es zu wenig Personal, um die an Corona und an anderen Krankheiten erkrankten Intensivpatienten zu pflegen. Ist da vielleicht bei der Personalplanung etwas schiefgelaufen? Es sieht so aus. Wer sind die Leidtragenden? Alle Patienten, die eine Intensivbehandlung benötigen würden, aber aufgrund dieser Fehlplanung keine bekommen können. Wer ist schuld? Natürlich die Ungeimpften. Aber bitteschön, so einfach darf man es sich nicht machen. Wo führt das denn hin? Eine Spaltung der Gesellschaft haben wir leider schon, aber wie soll es denn weitergehen?

Fritz Algeier

Fürstenfeldbruck

Die neuen Beschlüsse in Sachen Corona sind ein einziges Zeugnis für die Hilflosigkeit der Politik. Erbarmungslos wird auf die Ungeimpften eingedroschen. Statt vernünftige Lösungen anzubieten, wird die Angstkeule ausgepackt. Österreich will den Impfzwang, und Herr Söder will eine Diskussion darüber. Kennen die Politiker eigentlich die Entscheidung des Europarates vom 27. Januar 2021? Oder berufen sie sich darauf, dass die „Empfehlungen“ des Europarats rechtlich nicht bindend seien?

Dann sollte man den Europarat schleunigst abschaffen. Darin heißt es, dass alle Zwangsimpfungen standardmäßig illegal sind und niemand gegen seinen Willen geimpft werden darf (Resolution 2361/2021 vom 27. Januar 2021). Hier stellt sich sogar die Frage, ob 3G am Arbeitsplatz eine Diskriminierung darstellt. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Raimund Bröskamp

Herrsching

Österreich zeigt, dass und wie es geht. Es kann und darf nicht die Wahrheit sein, dass jedem Nichtgeimpften mehr Achtsamkeit entgegengebracht wird als unseren Kindern. Wir haben einen dreijährigen Sohn, der „dank“ Corona in seinem jungen Leben noch keinen Christkindlmarkt erleben konnte, keinen Sankt-Martins-Zug und auch keinen Kinderfasching. Da er für eine Impfung noch zu jung ist, musste er zuletzt in Quarantäne, weil eine seiner Betreuerinnen im Kindergarten nicht geimpft an Corona erkrankte und er somit zur Kontaktperson wurde. Man muss kaum ausführen, dass neben der unmittelbaren Konsequenz des Weggesperrtseins für unseren Sohn die ganze Familie sozusagen in Geiselhaft für die Verantwortungslosigkeit der Kindergärtnerin genommen wurde. Unter anderem mussten Termine abgesagt und eine berufliche Reise verschoben werden, um eine Betreuung zu gewährleisten.

Man ist nur einmal Kind und hat ein Recht darauf, die Welt zu entdecken und zu staunen. Genau dieses wird derzeit aber einer ganzen Generation verwehrt, weil eine kleine, aber umso lautere Gruppe von Wissenschaftsverweigerern mit kruden Phobien und Beratungsresistenz die Inzidenz in die Höhe treibt und so das Gesundheitssystem an den Rand des Kollapses führt. Wenn gute und stichhaltige Argumente nicht fruchten – wenn Fakten bewusst verdreht werden – dann ist der Staat in der Pflicht, zu handeln und den Großteil der Bevölkerung zu schützen, indem er auch den entstehenden sozialen Schaden begrenzt.

Vroni und Kai Schmitt

Grainau

Nurmehr verhärtete und unüberbrückbare Fronten zwischen Impfbefürwortern und Impfgegnern, und dies quer durch alle Gesellschaftsschichten. In diesem Sachzusammenhang scheint es mir wichtig, alle Bürger, Politiker, Journalisten und Experten zu einer inneren Einkehr zu bewegen. Versuchen Sie, für sich folgende Fragen zu beantworten: 1. Ist diese Impfung medizinisch unbedingt erforderlich, welche Gefahr kann damit abgewendet werden, oder gibt es hierfür eher soziale Gründe? 2. Ist die Impfung relativ oder absolut wirksam, und wie lange wirkt sie? 3. Birgt sie Gefahren in sich, die möglicherweise nicht offengelegt werden? 4. Werde ich seriös, ausgewogen, differenziert und vollumfänglich über die Impfung informiert, oder werde ich eher manipulativ zur Impfung gedrängt? Fragen, die sich jeder im stillen Kämmerchen stellen kann.

Wie Sie, lieber Leser, diese Fragen beantworten, ist Ihre persönliche Entscheidung, und Ihre Entscheidung sollte die Grundlage für Ihre Auswahl „pro oder contra“ sein. Eine Auswahl, die jeder für sich treffen muss, und die hat nichts mit inszenierter Solidarität zu tun, denn die Geschützten sind ja geschützt. Das Recht auf Autonomie und Selbstbestimmung ist in den Artikeln 1 und 2 unseres Grundgesetzes unwiderruflich festgezurrt, und dies darf „ausnahmsweise“ mal nicht hinterfragt werden, die Entscheidungen des RKI schon.

Gottfried Einsle

Steingaden

Das ist Oberbayerns neue Lockdown-Karte; Titelseite; 20./21. November

Hauptschuldig an der derzeit katastrophalen Corona-Lage sind zweifellos die Impfverweigerer. Aber auch die Politik hat mit Nicht- und Fehlentscheidungen zur derzeitigen Lage beigetragen. Das Buhlen um Wähler war bei manchen Parteien und Politikern wichtiger als eine verantwortungsvolle Politik für das Land. Dass sich dabei Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger noch im Amt halten kann, ist ein Skandal schlechthin. Unabhängig davon hätte der mündige Bürger die derzeitige Situation vermeiden können.

Es zeigt sich aber, dass gerade die Impfverweigerer mit den in einer Demokratie angezeigten gesellschaftspolitisch verantwortungsvollen Gepflogenheiten nicht umgehen können. In China wären die Corona-Hotspots längst abgeriegelt worden, das würde für unsere Verhältnisse heißen, in die Corona-Hotspot-Landkreise kommt von außen keiner mehr rein und von drinnen keiner mehr raus. Eine solche Situation wird bei uns offensichtlich von manchen Zeitgenossen herbeigebettelt.

Franz-Xaver Thielmann

Feldkirchen-Westerham

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