Leserbriefe

Verschiede Meinungen zu Corona

Jeder Fünfte mit erster Corona-Impfung; Politik 19. April

Was könnten wir für Deutschland aus dem Verlauf der Corona-Geschehnisse der letzten Monate in Großbritannien ableiten? GB hatte am 9.1. eine Inzidenz von über 600 pro 100.000 Einwohner und drei Monate später, am 9. April einen Wert von unter 20. Worauf ist dieser beeindruckende Verlauf zurück zu führen? Zum einen, wie schon Ihr Artikel beschreibt, auf einen wirklich harten Lockdown. Konkret begann der am 06.01. und sollte sechs Wochen dauern. Neben einer strikten Ausgangssperre und sonstigen Kontaktbeschränkungen wurden u.a. die Schulen geschlossen. Bereits am 08.03., als die Inzidenz bereits auf etwa 60 gesunken war, konnten die Schulen dann schon wieder geöffnet werden. Weitere Lockerungsschritte folgten Ende März und Anfang April. Ein weiterer Grund, der den Erfolg in GB herbeigeführt hat, dürfte in der enorm hohen Testquote liegen. Zwischen Januar und April lag sie, auf 1000 Einwohner bezogen, um das fünf- bis neunfache über der deutschen zur selben Zeit. Der zeitliche Verlauf des Impffortschritts in GB legt nahe, dass der ursächlich war für die Reduzierung von Krankenhauseinweisungen und die Entlastung der Intensivbetten, nicht jedoch für die Reduzierung des Infektionsgeschehens.

Wir haben aktuell in Deutschland einen Inzidenzwert von 162. Mal angenommen, der steigt in der Spitze auf bis zu 250 und unsere Maßnahmen und der Testumfang wären ebenso wirkungsvoll wie in GB, dann dürfte man, abgeleitet aus dem Verlauf in GB, erwarten, dass nach ca. sechs bis acht Wochen bei uns ein Inzidenzbereich von 35-50 erreicht werden könnte. Das wäre dann Mitte bis Ende Juni. Bis dahin dürfte dann auch die Impfquote etwa dort liegen, wo man in GB bereits jetzt ist. Beides also noch erheblich lange hin. Ein höherer oder niedriger Spitzenwert verlängert bzw. verkürzt diese Zeitdauer entsprechend. Nicht berücksichtigt bei dieser Betrachtung sind evtl. begünstigende Witterungsverhältnisse in den kommenden Monaten.

Ob die vor uns liegenden Maßnahmen in unserem Land und die jetzt verstärkten Testanstrengungen tatsächlich so wirkungsvoll sein werden wie die bei unseren Nachbarn von der Insel kann ich nicht beurteilen. Sind sie es nicht, dann steht zu befürchten, dass sich der Zeitraum der Einschränkungen noch länger hinzieht als angedeutet. Vor diesem Hintergrund scheint mir, dass Herrn Laschets Lockdown-Vorschlag mit einer „Brücke“ hin zu höheren Impfquoten, also mit mehr als die von ihm genannten zwei bis drei Wochen Dauer, eine größere Aufmerksamkeit verdient hätte als geschehen.

Gerd Schmitz

Gilching

Dirk Walter: Maskenpflicht: Dutzende Eltern klagen; Bayern 17./18. April

Wer möchte denn noch in der Schule mit Kindern zu tun haben, die von der Maskenpflicht befreit sind und somit auch keine tragen werden. Diesen Kindern würde ich den Zugang zur Schule verbieten lassen, um nicht Lehrer, Servicepersonal und Mitschüler zu gefährden. Außerdem verstößt eine solche Maskenbefreiung gegen das Gleichheitsgebot, führt zu Chaos und höchstwahrscheinlich zu höheren Ansteckungsraten in Zeiten der höchstgefährlichen Mutanten. Wie ist hier die Rechtslage, wie sehen Sie das?

Teo Tiveg

Gauting

Es ist toll, dass die Selbsttests tatsächlich zu funktionieren scheinen. Allerdings möchte ich die Vorgehensweise in Bayern, die Kinder erst in der Schule zu testen infrage stellen. Im Landkreis München wurden 22 positive Fälle dadurch aufgedeckt. Diese 22 Kinder sind positiv zur Schule gefahren, oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln und haben sich noch vor der Schule mit Schulkameraden getroffen. Auf diesem Weg wurden evtl. bereits jeweils 2 - 3 andere Personen angesteckt. Es ist doch sinnvoller, die Kinder zu Hause zu testen, und sie erst gar nicht in die Schule zu schicken. Lt. Virologe Christian Drosten schlagen die Schnelltests auch erst am 4. ansteckenden Tag an. Das heißt, diese Kinder saßen bereits 3 Tage positiv im Unterricht. Die Lehrer dürfen auch zu Hause testen, warum die Schüler mit ihren Eltern nicht?

Claudia Nothaft

Gauting

Ich bin Vater von sieben Kindern und gebe einen Situationsbericht meiner Kinder im Lockdown wieder. Vier meiner Kinder geben noch in jeweilige Schulen und sind sehr gerne dahin gegangen vor allen Dingen, motiviert. Nach den ganzen Einschränkungen (Präsenz-,Distanzunterricht usw.) und Vorschriften (Schnelltests und trotzdem Maske) fehlt ihnen jede Freude aufzustehen und z. B. an den Rechner zu gehen, der Grund ist, sie haben keine Beziehung mehr zur Schule, zum Unterricht, zum Lehrer und zu den Schulkameraden. Der tägliche Austausch mit Lehrern und Mitschüler, auch mal nicht schulischer Art fehlt. Die Lehrkräfte sind mehr mit den Corona-Vorschriften beschäftigt, damit sie ja keine Fehler machen. Es ist kein aufschauen zu den anderen, in der Schule mehr da, alles wird mechanisch abgearbeitet. Durch das dauernde Tragen der Masken kommt sehr oft eine Schnappatmung auf, an denen sie sich verschlucken und Hustenanfälle bekommen. Kurz gesagt sie lassen sich nicht mehr richtig aufbauen, um sich für den Unterricht zu interessieren. Es ist schwierig, eine Beziehung, die den Schiffbruch erlitten hat, wieder zu laufen zu bringen. Wie sehen wir die Politik, als Familie, wir sind alles Menschen und treffen Entscheidungen (auch Fehler) die man aber wieder verändern kann, zum Wohle der Kinder und der Bevölkerung, aber Beziehungslosigkeit darf nicht die Grundlage einer Regierung sein. Die jetzige Regierung und ihre Informationslieferanten haben den Bezug zu ihrer Bevölkerung nicht mehr im Focus. Eine Bevölkerung zu führen hat was mit fühlenden und wissenden Herzen zutun und nicht mit kopfwissenden Menschen, die aus dem Verstand heraus regieren und unsere Welt in diesen Zustand gebracht haben. Alle die entschieden haben, so wie es jetzt ist, hatten ihr Herz nicht dabei, ein wissendes Herz entscheidet sich nicht für Angst und Zweifel. Eine Regierung mit einem wissenden und fühlenden Herz führt sein Volk, wie ein guter Kapitän sein Schiff durch den Sturm führt. Die Regierungen des Bundes oder der Länder sind keine Leuchttürme mehr, an die man sich orientieren kann. Viele die da vorne stehen, reden von etwas was sie selber gar nicht verstehen und vielleicht auch gar nicht verstehen müssen, sie dürfen sich aber nicht von einer einseitigen Information abhängig machen. Meine Krankenkasse sagt, holen sie sich eine zweite Meinung ein und dann entscheiden sie, was für sie das Beste ist. Unsere Regierungen, lauter kleine Könige, lassen keine zweite Meinung zu, sondern verbieten, belauschen und strafen, lehnen alles ab, was nicht von ihnen kommt, das hat nichts mit einer guten Beziehung zu tun. Viele Politiker wollen situationsbedingt gut dastehen (Quoten) und immer höher steigen und einige sind auch an der Situation verdienende. Beides hilft der Bevölkerung nicht, die sie ja führen sollen. Dieser dauernde Streit in der Politik und die sich stündlich veränderten Vorschriften, sind die Grundlagen einer Spaltung die über Jahrzehnte, nicht geheilt werden können. Es wird nicht aufhören – erst Corona Lockdown dann Klimalockdown, es werden alle kommenden Probleme über Lockdown geregelt und umgesetzt. So wie die Politik heute aufgestellt ist, hat sie für die Zukunft keine Führer mit einem wissenden und fühlenden Herzen. Wenn ich meine Familie so führen würde, hätte ich das gleiche Chaos wie unsere Bundes- und Landesregierungen. Wir als Familie reden mit einander und entscheiden dann gemeinsam und nur das hat Bestand und wieder neue Visionen. Unser Wunsch wäre eine Regierung die wieder ihr Volk sieht.

Rudi Liess

Oberhausen

Fragwürdige Inzidenzzahl:

Herr Schröder hat mit seinem Leserbrief (16.04) natürlich recht, wenn er feststellt, dass auch ohne Test genauso viele Personen an Corona erkrankt sind wie mit. Der Unterschied ist jedoch, dass ohne Testen bzw. bei weniger Tests ein Teil der infizierten Personen unerkannt bleibt. Mithin fällt die Inzidenzzahl in diesem zweiten Fall auch entsprechend niedriger aus! Und so gilt: Ein Landkreis, eine Stadt die weniger testet, steht trotz gleicher Infektionszahl hinsichtlich der Vermeidung strenger Lockdown-Maßnahmen deutlich „besser“ da; sie gilt formal als weniger Corona-gefährdet, als dies bei umfangreichem Testen der Fall gewesen wäre. Dies wäre nun nicht besonders tragisch, wenn die Anzahl der mit Corona infizierten Personen ohne bzw. mit nur geringen Symptomen gering wäre. Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, sind jedoch die nur schwach Infizierten und daher unerkannten und erst durch Testen herausgefilterten „Erkrankten“ bei Weitem in der Mehrzahl! Die Schlussfolgerung ist: Die reine Inzidenzzahl bildet offensichtlich kein geeignetes Maß zur korrekten Beurteilung und damit zur Eindämmung der Coronaepidemie!

Dr. Rolf Wilhelm

München

Die Gesetzeslage ist eindeutig, storniert eine Fluggesellschaft bei einer Individualreise einen Flug, muss sie innerhalb von 7 Tage den Flugpreis erstatten. Lufthansa stornierte unseren Rückflug am 12. März 2020 und verweist sogar auf die EU Verordnung 261/2004/EC in Bezug auf die Rechte des Flugreisenden. Wir versuchen mehrfach über die eigens dafür eingerichtete E-Mail Adresse Erstattung statt Gutschein zu beantragen, und werden mit freundlichen Worten am 8. April vertröstet. Daraufhin nehmen wir Rechtshilfe in Anspruch, am 26. Mai wird letztlich Klage gegen LH eingereicht. Das Amtsgericht Erding verhandelt erstmals am 30. September und verkündet am 19. November, dass ein Anhörungstermin für den 3. Februar 2021 anberaumt wird und ich als Zeuge geladen bin. Mit einem Teilurteil vom 24. Februar wird die Beklagte (Lufthansa) verurteilt, Auskunft über die Höhe der Flugscheinkosten für den Rückflug zu erteilen und nach Erteilung dieser Auskunft, diese Kosten zu zahlen/erstatten. Leider setzt das Amtsgericht keine Frist, bis heute hat LH das Teilurteil nicht befolgt! Fazit: ein beschämendes Verhalten der Lufthansa, darauf ausgerichtet Zeit zu gewinnen, den Kunden mürbe zu machen und vielleicht zum Aufgeben zu bringen. Leider hilft ein rechtskräftiges Urteil eines Amtsgerichtes auch nicht echt, den Geschädigten zeitnah Recht angedeihen zu lassen.

Paul R. Vink

Gilching

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