Keine Widerstandskämpfer

Die Wehrmacht als Vorbild?; Leserforum 10. Mai

In enger Befolgung der Antifa-Ideologie ist es Mode geworden, die Wehrmacht pauschal als verbrecherische Organisation zu diffamieren und jede positive Stellungnahme oder Erinnerung daran zu kriminalisieren. Leider hat sich dem wohl auch die Bundesverteidigungsministerin angeschlossen. In der Nachkriegszeit bestand die Führung der Bundeswehr vom Offiziers- bis zum Unteroffizierskorps überwiegend aus Soldaten der Wehrmacht. Und diese wurden für würdig genug befunden, um in einem künftigen (Atom-)Krieg ihr Leben für die Werte des Westens zu lassen. Die Wehrmacht wurde zwar kritisch bewertet, aber auch differenziert. Aus gutem Grunde wurden drei Raketenzerstörer nach „Rommel“, „Lütjens“ und „Mölders“ benannt. Erst Verteidigungsminister Struck ist davon aus ideologischen Gründen abgewichen. Der israelische Militärhistoriker Martin van Creveld hat sich ausführlich mit der Wehrmacht auseinsandergesetzt. Dass er als Israeli keinen Grund hat, die Wehrmacht zu verherrlichen, versteht sich von selbst. Aber er hat sie in Sachen Organisation, Training, Lehre und Taktik, aber auch, was Disziplin und Moral der Soldaten betrifft, als (auch heute noch) vorbildhaft bezeichnet. Diese Sachlichkeit und Differenzierung im Urteil fehlt mir in der derzeitigen Auseinandersetzung. Und was die „Wehrmachtsausstellung“ betrifft: Damit haben sich Legionen von Historikern auseinandergesetzt und ein vernichtendes Urteil abgegeben. Auch Helmut Schmidt hat sich damit auseinandergesetzt und geschrieben: „Ich möchte, dass die Fakten bekannt und moralisch bewertet werden. Aber man schneidet sich den Erfolg völlig ab, wenn man die Kinder von 18 Millionen Soldaten glauben lässt, ihre Eltern seien die Schuldigen, und man selbst sei nun aufgeklärt, moralisch in Ordnung und wäre – hätte man damals gelebt – Widerstandskämpfer geworden.“ Dem ist auch heute nichts hinzuzufügen. 

Richard Regiert Kochel am See

Nachdem ich 1983 (zu Zeiten der Wehrpflicht) den Kriegsdienst verweigert hatte, musste ich mich insgesamt dreimal den sogenannten Gewissensprüfungen unterziehen, bis ich vor dem Verwaltungsgericht anerkannt wurde. Wohl gemerkt, weil ich keine Waffe in die Hand nehmen und stattdessen Zivildienst leisten wollte! Damals wie heute wünschte ich, dass diejenigen, die sich gerne an der Waffe ausbilden lassen, erst recht einer Prüfung ihrer Gewissensgründe unterzogen werden. Schließlich muss eine Führerscheinprüfung auch nur ablegen, wer ein Auto fahren möchte, und nicht der, der das gar nicht will. Franco A. und ähnliche Vögel, die Herr Anastasiadis verharmlosend als Spinner abtut, wären dadurch vielleicht rechtzeitig aufgefallen und ausgesiebt worden. Aber da wird ohne irgendeine Überprüfung wohl jeder genommen, der nicht bei drei auf dem Baum ist. 

Michael Schrottenloher München

Die Spalte „Liebe Leser“ geht auf die unrühmliche Geschichte der vielen russischen Soldaten ein, die in deutsche Gefangenenlager kamen und die man verhungern ließ, weil sie als „Untermenschen“ keine Kameraden hätten sein können. Leider können hier nur Mosaiksteine beigetragen werden. Man muss bedenken, dass die großartige Genfer Konvention, eng verbunden mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) 1865 gegründet wurde und Russland mit den ersten Mitgliedern bereits 1867 beitrat. Völlig vergessen ist wohl die Haager Konvention oder Landkriegsordnung von 1899, die von Zar Nikolaus II. angestoßen wurde, da er die europäische Abrüstung wollte. Noch was spielt herein: Als die Berufsheere umgewandelt wurden in die allgemeine Wehrpflicht waren sowohl Genfer Konvention und Rotes Kreuz wichtig für die Aufrechterhaltung des Kriegswillens der Bevölkerung – auch wenn sich das heute befremdlich liest, aber die bestmögliche Absicherung der Soldaten, die für ihren Staat ihr Leben einzusetzen hatten, musste sichergestellt werden. Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs bestand die Rote Armee schon 20 Jahre. Ihre Führung (Generäle) wurden unter Stalin 1937/38 entlassen oder hingerichtet. Die UdSSR (Russland) hatte die Verträge der Zaren wohl nicht übernommen und auch das Abkommen über Kriegsgefangene 1929 nicht unterschrieben. So fühlte sich das Rote Kreuz, das, obwohl es die KZ-Lager in Deutschland kontrollierte, nicht für die vielen jungen russischen Kriegsgefangenen (schlecht ausgebildet und mangelhaft gekleidet, deshalb die Kommissare) zuständig, die sich den deutschen Truppen oft massenhaft ergeben hatten. 

Hermine Kaiser Bad Wiessee

Hallo Leute was soll diese ewige Nestbeschmutzung? Mein Vater hat den Russlandfeldzug vom ersten bis zum letzten Tag mitgemacht. Er hat uns Kindern alles genau erzählt. Er war bei den Gebirgsjägern, und die standen der SS mit angeschlagenem Gewehr gegenüber, als die einen Ort säubern wollen. Die Wehrmacht hat das nicht zugelassen. Er wurde zwei mal verwundet und zweimal gefangen genommen und ist zweimal wieder abgehauen. Mit nur 66 Jahren musste elendiglich am Krebs sterben. Mein Vater war der ehrlichste Menschen, den ich jemals kennen gelernt habe, der hat nicht mal falsch geparkt. 

Wolfgang Harbauer Türkenfeld

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