Nichts Neues

Unerträgliche Neiddebatte; Leserforum 30. April/1. Mai

Dass sich die bayerische Wirtshauskultur schon seit Jahrzehnten im Umbruch befindet, ist ja nichts Neues und, dass die Erleichterung der Bürokratie daran etwas ändern könnte, ist natürlich Quatsch. Die Zeiten haben sich eben geändert. Anstatt abends mit Freunden oder Kollegen einen trinken zu gehen oder Karten zu spielen, geht man eben heute lieber in die Muskelbude, damit man 100 Jahre alt wird, und spart sein Geld für’s Eigenheim, welches abzuzahlen ja auch 100 Jahre braucht - zumindest in Freising. Und anstelle eines gepflegten Wirtshausdiskurses bei ein paar Fläschchen Wein, nimmt man heute lieber das Smartphone oder Tablet zur Hand, um die Welt an seiner traurigen Existenz teilhaben zu lassen. Die Sache hat aber noch einen anderen Grund: Die zahlreichen oberbayerischen Brauereien, die sich ja angeblich ach so sehr um das bayerische Bier, die Traditionen und das Brauchtum sorgen, sehen ihr Kapital schon lange nicht mehr in der Herstellung und im Vertrieb des edlen Gerstensaftes, sondern in den Häusern, die früher einmal Wirtshäuser waren und anderen Immobilien. Wenn der Bierkonsum zurückgeht - und das tut er seit Jahren - ist es ja auch vollkommen egal, wer die überhöhte Pacht zahlen will. Die Freisinger Lokale sprechen für sich. Dann geht man eben zum Italiener. Davon gibt’s ja glücklicherweise genügend in unserer Stadt, welche zu ihrer eigenen Schande die zwei ältesten Brauereien der Welt beherbergt. Und die verbleibenden Wirtschaften können aufgrund der wenigen Konkurrenz und der großen Nachfrage oft eine Qualität anbieten, über die ich hier nicht referieren will. - Und so bleibt die bittere Erkenntnis, dass gutes Essen und Trinken im Wirtshaus die Verlierer sind in einer Welt auf dem Weg zu globaler Toleranz, vorindustriellem Kapitalismus und Dummheit. 

Klemens Baum Freising

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