Das Märchen vom bösen Wolf

Befürchtungen wegen der Wölfe; Leserforum 8. August, Beatrice Ossberger: „Es werden noch mehr Wölfe kommen“; Dominik Göttler: Auf der Alm wartet das Rudel; Bayern 7. und 4. August

Immer wieder wird das Feindbild Wolf von verbissenen Wolfsgegnern hochgehalten. Richtig ist, es werden noch verbliebene Refugien für eine nahezu intakte ökologisch stabile Natur in erschreckend hohem Tempo durch Umweltzerstörung immer weniger. Rückzugsgebiete für die Tierwelt und seltene Pflanzen sind gefährdet wie nie zuvor. Unbedachter, durch Profitgier gesteuerter Flächenfraß, sprich unter anderem überflüssige gigantische Gewerbegebiete für jedes Kaff, Destabilisierung und Zerstörung wertvoller ökologischer Natur mit Folgen von gefährlicher Wasserverschmutzung durch sinnlos aufgeblasene industrielle Landwirtschaft, und nicht zuletzt durch eine Freizeit-, Abenteuer- und Wellness-Gesellschaft, die grandios und raffiniert gesteuert durch eine übermächtige Freizeitindustrie für Alt und Jung unsere Massen einer gedankenlosen und gleichgültig gewordenen übersättigten Gesellschaft mit Hightech-Ausrüstung durch Berg und Tal treibt. Und so erhält sich einfach strukturiert denkend selbstverständlich das Märchen vom bösen Wolf. 

Wilfried Huschka Polling

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, dieses Thema an mir vorübergehen zu lassen. Das nicht, weil es mich nicht interessiert, sondern eher wegen der sehr trivialen Betrachtungsweise einiger Mitmenschen. Aber wenn ich solche Leserbriefe lese, erinnert ich mich immer an meine Kindheit. Es gab für mich nichts Schöneres, wenn ich bei meinem Vater gesessen habe und er mir aus seiner Kindheit erzählt hat. Wie er mit seinen Brüdern auf Pferden ohne Sattel geritten ist, wie er im Wald wilde Bären, Wölfe und Wildkatzen gesehen hat. Er hat mir immer von der Schönheit der Karpaten, ihren Menschen, ihren Tieren erzählt und dass alle ihren wichtigen Platz in der Natur haben. Wölfe hat er besonders geliebt. Warum, weiß ich erst, seitdem ich selber einen Canis lupus familiaris an meiner Seite habe. Für mich waren das wahre schöne Geschichten. Rotkäppchen und der böse Wolf waren bei uns Märchen, denen man keinen Glauben schenken sollte. Die Raubtiere hat meine Familie zum Wunder überlebt, nur vor den heranrückenden Menschen aus der Sowjetunion mussten sie fliehen, 1944. Als Deutsche waren sie dem Tode geweiht. Die Raubtiere sind immer noch da, Gott sei Dank.

 Andreas Wachlinger Peißenberg

Ein Foto aus einem Tierpark und schon bricht die Wolfsphobie aus. Menschen sind es, die jährlich hunderttausende Tiere überfahren, weil sie schneller unterwegs sind, als sie schauen können. Menschen machen wegen des Profits Pflanzenfresser zu Kraftfutter-in-Milch-Verwandlern. Menschen schneiden jungen Schweinen die Schwänze ab, damit sie sich diese in der unerträglichen Enge der Ställe nicht gegenseitig abbeißen. Menschen behandeln Schlachttiere ausgesprochen unmenschlich. Menschen enthornen Rinder, sodass Löcher in der Schädeldecke entstehen. Menschen lassen Tiere nicht einmal dann aus dem Stall, wenn sie nur die Türe öffnen müssten. Menschen müssen jagen, weil es keine natürlichen Feinde mehr für das Rotwild gibt, das den Wald bedroht. Menschen zerstören die Umwelt, fischen die Meere leer, töten Tiere, um ihre Körperteile an der Wand oder vor den Kamin zu postieren. Sie töten extrem bedrohte Tiere aufgrund von Aberglauben. Menschen schauen ungerührt zu, wenn andere Menschen elend sterben, und werfen Tieren Grausamkeit vor. Man könnte diese Liste endlos fortsetzen und muss zur Erkenntnis kommen, dass der Mensch das grausamste Lebewesen auf der Welt ist. Tiere folgen ihrem Instinkt, weil sie leben wollen. Wir machen ihnen und uns das Leben schwer, weil wir reicher werden wollen. Ein gewaltiger Unterschied zwischen den Tieren und uns Menschen besteht. Wir sind uns dessen bewusst und machen es trotzdem, die Tiere können nicht anders, sind uns aber völlig ausgeliefert, weil wir technisch bessere Möglichkeiten haben. Macht euch die Erde untertan, heißt nicht, tut alles, was ihr könnt, um sie zu vernichten. Nur äußerst kurzsichtige Herrscher bringen ihre Untertanen um. Übrigens können viel ärmere Länder durchaus mit Wölfen existieren, die Menschen und ihr Vieh dort sind auch noch nicht ausgestorben.

 Marianne Schamberger Peiting

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