Leserforum

Wölfe erlegen

Gudrun Bosch: Wolf hat wichtige Funktion im Ökosystem; Leserforum 17. August

Ich begrüße es außerordentlich, dass sich Frau Klöckner deutlich für uns Weidetierhalter ausspricht und darauf drängt, Problemwölfe endlich auch zu entnehmen und nicht nur davon zu reden. Problemwölfe zu entnehmen ist auch schon lange möglich, nur wird das bis jetzt nur viel zu selten praktiziert. Durch die Entnahme ist auch der Fortbestand in keiner Weise gefährdet. Wohl aber gefährdet ist der Berufsstand der Weidetierhalter, denn wir züchten nicht unsere vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen um sie dem Wolf vor die Füße zu werfen. Da ist auch die Entschädigung zweitrangig. Zu Ihrer Aussage um die Funktion im Ökosystem und wie viele Tiere durch andere Ursachen zu Tode kommen, das mag auf den ersten Blick so sein, bedenken Sie jedoch: Wenn ein oder mehrere Wölfe in eine Schafherde eindringen und diese versprengen, der Wolf verfällt in einen Blutrausch d.h. er tötet viel mehr als er fressen könnte. Die Tiere werden teils auf Hauptstraßen getrieben und verursachen schwerste Unfälle. Was hilft mir eine Entschädigung, wenn der Rest der Herde dermaßen traumatisiert ist, dass ein Umgang mit diesen für viele Wochen nicht mehr möglich ist? Sie fordern, dass wir Weidetierhalter unseren Lebensraum sprich die Weide mit dem Wolf teilen sollen, sind Sie bereit dann auch alle Begleiterscheinungen zu ertragen, also nächtliches Gebell von 80kg schweren Herdenschutzhunden in unmittelbarer Nähe zu ihrer Wohnung, werden Sie die Überzeugungsarbeit leisten und meinen Weidenachbarn erklären, dass ab jetzt der Wolf wichtiger ist als Nachtruhe? Und die Mär vom wolfsicheren Zaun wurde schon mehrfach widerlegt. Er springt auch über Zäune die höher sind als 1,50 m. Der einzig wolfsichere Zaun wurde ab November 1989 Gott sei Dank abgebaut, oder wollen sie Viehweiden die an die innerdeutsche Grenze erinnern und die dann aber auch kein Niederwild mehr durchlassen? Werden Sie vorbeikommen und meine Frau und Kinder trösten, wenn ihr Lieblingsschaf das sie mit der Flasche aufgezogen haben, zerfetzt im Straßengraben liegt? Ich mache es mir nicht leicht und sage einfach pauschal der Wolf müsse weg, aber es ist wohl ein Unterschied ob in einem Land wie bei uns 230 Euro/km² leben oder wie in Schweden 23 Euro/km². Auch in den Bergregionen des Balkans und Rumäniens ist die Bevölkerungsdichte und vor allem das Freizeitverhalten nicht mit Bayern vergleichbar. Durch Ihre und die der Pseudonaturschützer unsinnige Argumentation wird jedenfalls die Artenvielfalt auf den artenreichsten Grünlandstandorten, die nur durch Beweidung erhalten werden können, gefährdet.

Roland Kirr

Schäfermeister und Wolfbeauftragter der Arbeitsgemeinschaft Ernährung Landwirtschaft und Forsten Oberbayern, Pittenhart

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