1. Startseite
  2. Lokales
  3. Leserbriefe
  4. Leserbriefe

Ziemlich miese Diktatur

Erstellt:

Kommentare

Johann A. Mayr: Ein Jahr nach Trumps Putschversuch; Leserforum 5./6. Januar

Herrje, Trump als Führer, Korruption als Staatsstreich und ein neo-arisches Netzwerk: Herrn Mayrs Welt ist definitiv spannender als die, in der ich lebe. Dennoch möchte ich seinen Brief nutzen um darauf hinzuweisen, dass es dieser Tage zwei Möglichkeiten gibt, die Begriffe Faschist, Nazi etc. zu nutzen. Die historisch korrekte (so wie ich es in meiner Bachelorarbeit über den Faschismus getan habe), und das rhetorische Wurfgeschoss, das man in 90 % der Fälle nicht ernst nehmen kann. Schon Strauß wurde als Faschist beschimpft, und sowohl bei ihm als auch bei Trump ist der Begriff fehl am Platz. Prinzipiell gilt dasselbe wie für den Vorwurf der Corona-„Diktatur“: Wenn man noch auf der Straße und in den Medien seine Meinung kundtun und frei wählen kann, ist das im historischen Vergleich eine ziemlich miese Diktatur. Natürlich gibt es auch historische Bewegungen, laut denen bereits die Sozialdemokratie „der linke Flügel des Faschismus“ wäre...ich persönlich ordne den Faschismus ja eher als eine der krassesten Formen der Diktatur ein). Zum „Faschisten“ Trump: Ja, er hat seine Anhänger dazu aufgerufen, vorm Kapitol friedlich zu sein, um ihr Land zu kämpfen. Dass es hier mehrere Möglichkeiten der Deutung gibt weise ich nicht von der Hand, es sei lediglich darauf verwiesen, dass die „historischen Vorbilder“ sich am 27.10.1922 und 8.11.1923 deutlich weniger zweideutig ausgedrückt haben. Es ist wirklich eine Anmaßung, was sich heute als „Anti-Faschist“ bezeichnet und aus allem das Gespenst des Faschismus heraufbeschwört, um sich in den Rollen Rathenaus, Matteottis, Wels etc. zu sehen. Ich für meinen Teil bin froh, dass die Neue Rechte den Faschismus und seine Methoden nicht für sich entdeckt hat. Nur ein kleiner Einblick in dessen historische Wahlkampfarsenal: Politischer Mord für harte Gegner; gewaltsamen Einflößen von Lebertran für weniger starke Gegenstimmen; teils gewaltsame Blockade von Universitätsvorlesungen; Krawalle, die ganze Stadtviertel ruiniert zurückgelassen haben...Gewalt war für diese nationalistischen Fanatiker das erste und nicht das letzte Mittel.

Maximilian Oliver Strasser

Holzkirchen

Auch interessant

Kommentare