Leserbriefe

Geschmacklos und zynisch

Zorneding - Nach dem fremdenfeindlichen Vorfall in Zorneding ist das Entsetzen weiterhin groß, wie diverse Zuschriften unserer Leser zeigen.

Anonyme Drohbriefe, gleich gegen wen, sind noch keineswegs „Volksverhetzung“. Das werden sie erst, wenn sie veröffentlicht und zu durchsichtigen Zwecken missbraucht werden. Volksverhetzung ist aber klar das, was jetzt gegen die mehrfach namentlich genannte Frau Boher und Herrn Haindl läuft! Es wird höchste Zeit, sich von linkspropagandistischen Kampfbegriffen wie Fremdenhass, Rassenhass, rechtsextrem, rechtsradikal usw., die nirgendwo definiert sind, zu trennen und sachlich zu werden. Wohltuend im geifernden Chor der Apologeten (Herr, siehe gnädig auf uns, wir sind nicht so wie jene!) der Beitrag des Herrn Rolf Bayer der mäßigend wirkt und angesichts der Präsenz Münchner rot-grüner Weltverbesserer beim Lichterspektakel in Zorneding die berechtigte Frage: „cui bono?“ stellt. Einer Betrachtung wert wäre die Instinktlosigkeit des katholischen Episkopats, einen Schwarzafrikaner als Seelsorger ins (früher einmal?) stockkonservative Oberbayern zu schicken. Gab es niemanden sonst oder wollte man testen, wieweit die Umerziehung der Bürger schon gediehen ist?

Eberhard König, Baiern

Es ist nicht nur geschmacklos und zynisch, wenn man „ab nach Auschwitz“ als keine Morddrohung sehen will, sondern absolut dumm. Hat man diese Menschen damals denn zum Golfspielen oder zum Reitkurs dahin gebracht? Oder gar in den Urlaub geschickt? Mir stellt sich bei solchen Äußerungen mein Verstand quer. Ingeborg Kirchberger, Gmund am Tegernsee

Bei aller Freude und Emotion über die starken Zeichen von Zorneding gegen Fremdenfeindlichkeit sollten notwendige Differenzierungen nicht vernachlässigt werden. Nicht alle Deutschen sind „braun“, die angesichts der Flüchtlingsströme Sorge empfinden. Statt diese Menschen pauschal abzuurteilen, ist es besser, mit ihnen über ihre verständlichen Ängste zu sprechen, dabei freilich Hetze und Vorurteilen die eigene Meinung mutig und offen entgegenzustellen. Nicht jeder ist ein „Rassist“, weil ihm das Wort „Neger“ unterläuft, das wir in unseren Kindertagen noch ganz harmlos ausgesprochen haben, nicht anders wie etwa „Chinese“ . Hätte jemand eine „Beleidigung“ gehört, wenn Johann Haindl seine urbairische Redewendung nicht mit „unser Neger“ beendet hätte, sondern mit „unser Afrikaner“? Dagegen hat sich Frau Boher durch ihre kaltschnäuzige Stellungnahme in „Spiegel Online“ endgültig für jeglichen demokratischen Diskurs disqualifiziert. Was ihr Gemeinderatsmandat betrifft, hilft rechtlich wie politisch nur ihre eigene Einsicht – auf diese ist sehr zu hoffen. Möglichst viele der Menschen, die in Zorneding Zeichen gesetzt haben, sollten jetzt über dieses öffentliche Bekennen hinaus aktiv bleiben. Das ist etwa im Helferkreis der Fall. Wichtig ist aber auch das Mitmachen und Mitreden in Vereinigungen und Gremien, in denen die Bildung von Meinungen und Mehrheiten erfolgt.
Peter Maicher, Zorneding

Sicherlich ist der Rücktritt des Pfarrers in Abwägung der Vorfälle die korrekte Konsequenz. Leider werden die Bürger von Zorneding in „Sippenhaft“ genommen. Ich glaube, dass ein Großteil der Bürger sich über die wenigen rechten Gesinnungen ärgern. Machen können sie nichts. Der rechte Mob scheint stark zu sein. Es wird gekuscht. In einer dörflichen Gemeinschaft ist es immer schwierig, die Stimme gegen Mitbürger zu erheben. Gestern Abend brachte der BR in „quer“ einen Beitrag aus Zorneding. Erschreckende Aussagen von ewig gestrigen. Ich hoffe, dass die Staatsanwaltschaft den Bericht gesehen hat oder dass der BR diesen Beitrag entsprechenden Stellen zur Verfügung stellt. Dann braucht sich kein Zornedinger Bürger mehr schämen und Angst haben. Das Gericht wird’s regeln. Danke den „Zornesbürgern“ für die Lichterkette und dem gesetzten Zeichen!
Michael Pötzsch, Holzkirchen

Es ist kein Wunder, dass uns die Gläubigen davon laufen, wenn sich unser Kirchenfürst nicht offiziell äußert. In diesen schweren Zeiten müssen wir sofort ein Zeichen gegen den Rassismus setzen, was unser Kardinal leider lange nicht getan hat. Die Bevölkerung hat sich mit dem Pfarrer solidarisiert und ist auf die Straße gegangen, was ich hervorragend finde. Ich werde weiterhin Ihre kritischen Kommentare verfolgen.
Josef Seemüller, Kochel am See

Als Katholik wird es, unerträglich, täglich menschenverachtende Leserbriefe zu lesen. Sind das christliche Abendland, das „C“ in der CSU oder CDU oder christliche Rituale (siehe Zorneding!) nur noch schmückendes Beiwerk? Die ach angeblich so katholischen Länder wie Polen, Österreich, Ungarn und Slowakei verhalten sich völlig unchristlich und lassen Flüchtlinge lieber im Matsch stecken. Es gibt keine einfache Lösung wie Grenzen dicht machen, aber es gibt das Gebot der Nächstenliebe und somit Schutz der Verfolgten.
Franz-Josef Müller, München

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