Haben wir keine anderen Probleme?

Altglas-Diebe bleiben straffrei; Titelseite, Caroline Wörmann: Augenmaß Fehlanzeige; Kommentar, Caroline Wörmann und Stefanie Wegele: Wegen 1,44 Euro vor Gericht; München 30. Mai

Der Kommentar von Frau Wörmann drückt noch viel zu wenig aus, was mich ärgert. Hat die Staatsanwaltschaft nicht Besseres zu tun, als sich mit derartigen Bagatellen zu beschäftigen? Es reichte nicht mal, dass der besonnene Richter einen Strafbefehl ablehnte. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn es in an anderen Fällen Monate langer Bearbeitungszeit durch die Staatsanwaltschaft bedarf und gleichzeitig gejammert wird, man habe viel zu wenig Personal. Der betreffende Staatsanwalt hat seinen Beruf verfehlt und ich frage mich, was sagen seine Vorgesetzten dazu? Hießen sie das Vorgehen gut, sodass er weitermachen konnte? Den anzeigenden Anwohnern fehlt offenbar auch jegliches Verständnis für die Flaschendiebe. Diese machen das sicher nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil sie jeden Cent nötig brauchen. Und dass Pfandflaschen besser wiederverwendet als eingeschmolzen werden, ist auch richtig. Anwohnern, die wegen so etwas die Polizei rufen, sei empfohlen dies doch zu tun, wenn irgendwelche Umweltschmutzler ihren Müll neben den Containern ablegen. Gegen diese vorzugehen wäre im Sinne der ordentlichen Allgemeinheit sinnvoller. 

Wolfgang Fischbacher München

Mir fehlen die Worte, wie abgehoben ist unsere Gesellschaft und wegen so einer Bagatelle gibt es eine Gerichtstermin, haben wir keine anderen Probleme? Und was einen der weltbesten Flughäfen, München, betrifft: Die sollten sich mal beim Flughafen in Frankfurt informieren, dort stehen schon lange Sammelbehälter für Pfand, alles sehr sauber und den Inhalt bekommen Hilfsorganisationen, einfach vorbildlich. 

Heinrich Dartmann-Korsch Martinsried

Was nur sind die Anwohnergaffer und die Staatsanwaltschaft für miese fiese Bürger. Für die kann man sich nur schämen. Diese Leute sollten sich das Lied von Udo Jürgens „Ein ehrenwertes Haus: und sie zeigen jeden an, der mal falsch parkt“ mehrmals reinziehen. 

Peter Urgien Germering 

Angesichts dieser Meldung fragt man sich, ob in diesem Land noch alles mit rechten Dingen zugeht. Es ist eine wahrhafte Schande für ein angeblich so reiches Land wie Deutschland, dass es Menschen gibt, die trotz jahrzehntelangem Einzahlens in die Rentenversicherung darauf angewiesen sein müssen, Pfandflaschen zu sammeln, die von anderen Menschen achtlos und vor lauter Wohlstand einfach weggeworfen werden. Und es ist eine Schande, dass solche Menschen auch noch dafür angezeigt und wegen 1,44 Euro vor Gericht gezerrt werden. Auf den Freispruch wegen dieses Bagatellfalles folgt dann die dritte Schande in Form eines Einspruchs, der Gott sei Dank abgewiesen wurde. Was sind das für Staatsanwälte, die scheinbar jedes Augenmaß verloren haben? Und was ist das für eine Gesellschaft, die so mit ihren alten Menschen umgeht? In letzter Zeit konnte man viel über eine Schande Deutschlands lesen und hören - hier zeigt sich schon gewissermaßen ein Maßstab dafür, was in Deutschland los ist. 

Georg Berwanger Großpienzenau

Fürwahr eine stolze Tat. Da hatte doch einige Anwohner der pure Neid ergriffen, weil ein Rentnerehepaar sein dürftiges Einkommen durch ein paar Pfandflaschen aus einem Container aufbessern wollte und sie erstatteten Anzeige. Die zweite rühmliche Aktion erfolgte sodann durch einen eilfertigen Staatsanwalt, der diesem „Gewaltverbrechen“ bis in die zweite Instanz nachgehen wollte. Dank vernünftiger Richter wurde diese Bagatelle nicht weiter verfolgt. War es denn überhaupt eine Bagatelle oder eher nichts? Abgesehen von dem verwunderlichen Charakter der Anzeiger stellt sich nach meinem Ermessen die Frage, ob dieser Staatsanwalt nicht zur An- zeige gebracht werden müsste. Er beschäftigt Gerichte, Instanzen und verbraucht Geldmittel – Geldmittel von uns Steuerzahlern, denn sei- nen Übereifer wird er wohl nicht aus eigener Tasche bezahlen? Sein Vorgesetzter wäre gut beraten, herauszufinden, ob diesem wichtigen Herrn nicht ein sinnvollerer Job zugeteilt werden könnte. 

Dr. Hans Raasch Lenggries

Wie kann es sein, dass im Zeitalter von völlig überlasteten Amtsgerichten, ein Staatsanwalt nicht anderes zu tun hat, als ein Ehepaar wegen Diebstahls anzuklagen, nur weil diese ein paar Pfandflaschen aus einem Container fischte. Der Pfandwert betrug gerade mal 1,44 Euro und geschädigt wurde auch niemand, da das Altglas sowieso eingeschmolzen wird. Hier stellt sich mir die Frage, ob unsere Staatsanwälte nichts Besseres zu tun haben, als sich um diese Bagatellangelegenheiten zu kümmern. Zum Glück gibt es noch Richter mit Hirn und Verstand, die diesem Wahnsinn Einhalt gebieten und diese Klage abgewiesen haben. Doch damit dem Irrsinn nicht genug, legte der Staatsanwalt auch noch Beschwerde ein, die glücklicherweise vom Landgericht abgewiesen wurde. Es ist traurig, dass sich unsere Gerichte mit so einem Schwachsinn befassen müssen und für schwere Straftaten keine Zeit bleibt. Eine Lösung wäre, den Staatsanwalt seines Amtes zu entheben. 

Robert Wildgruber Guggenberg

Leute die Menschen anzeigen, die im Wohlstandsmüll nach ein paar Cent suchen, sollten bedenken, dass sich auch ihre Lage innerhalb kürzester Zeit dramatisch verschlechtern kann. Wegen 1,44 € Pfandbetrag wird der Polizeiapparat in Bewegung gesetzt, weil die Beamten ja sonst nichts zu tun haben. Und dann findet sich tatsächlich noch ein Staatsanwalt, der diese Geringfügigkeit nicht nur vor Gericht bringt, sondern auch - durch einen vernünftigen Richter eingebremst - in die 2. Instanz geht. Hat dieser Jurist nichts Besseres zu tun? Da so etwas, wie durch die Sprecherin des AG München dem Merkur bestätigt, öfter vorkommt, ist es kein Wunder, wenn bei solch inkompetenter Schwerpunktsetzung viele Delikte, die den Bürger wirklich belasten, unverfolgt bleiben. Als Betroffener bin ich wütend, dass ein mir zugefügter 1800 € Schaden mit Fahrerflucht trotz Ermittlung des Schädigers durch die Polizei, eindeutiger Spurenlage und eines Zeugen, von der Staatsanwaltschaft München II nicht zur Anklage gebracht wurde. Begründung: Der Schädiger leugnet und es sei zu aufwendig und auch zu teuer, ihm sein Vergehen nachzuweisen. Jetzt ist mir klar, warum ich hinten runter gefallen bin. Man musste sich ja durch 2 Instanzen mühen, um den Diebstahl von 1,44 € zu ahnden. Aber das juckt ja nicht: Die Kosten des Verfahrens (polizeiliche Ermittlung, Gerichtskosten und natürlich auch das Gehalt des Staatsanwalts) trägt die Staatskasse, also auch ich. 

Hans-Georg Lanig Karlsfeld

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