Preussizismen

Christina Meyer: In München stirbt der Dialekt; München 24. Januar

Als gebürtiger Münchner ist es schmerzlich wahrzunehmen, wie die bayrische Mundart allmählich verschwindet und meist nur noch von älteren Einheimischen gesprochen wird. Es begann bereits nach dem 2. Weltkrieg mit der Zuwanderung vieler Flüchtlinge und hat nach der Wiedervereinigung ihren Höhepunkt erreicht. Im Grunde ist diese Entwicklung nicht zu verteufeln, dass aber in den bayrischen Medien immer Preussizismen eingesetzt werden ist nicht nachvollziehbar. Speziell bei Sendungen um‘s kochen oder generell um Lebensmittel hört man nur noch: „Es ist so lecker!“ Da sage ich pfui Teife! Bei uns in Bayern heißt das: Es ist sauguat oder es schmeckt prima! Ein Gericht, welches lecker schmeckt, kommt mir nicht auf den Teller! Hast mi!

 Helmut Horn Poing

Ja, es ist schade, dass in Bayern die Sprache ausstirbt. Wir, mein Mann und ich, sind beide in München geboren und auch aufgewachsen. Zu unserer Zeit wurde in der Schule nur Bayerisch gesprochen und wir taten uns wirklich schwer, wenn einmal ein „Ausländer“, sprich einer aus Norddeutschland sich mit uns verständigen wollte. Da wir später dann einen Betrieb und viel mit Norddeutschen zu tun hatten, habe ich mich sehr schnell bemüht, dieses Hochdeutsch einigermaßen zu verstehen und verständlich auszudrücken. Mein Mann dagegen ist seiner Sprache treu geblieben. Er war der Meinung, wir leben hier in Bayern und wenn mich einer nicht versteht, ist das seine Sache. Wenn ich in Berlin zu Gast bin, wird sich auch keiner bemühen, mir in Bayerisch was verständlich zu machen. Also, heute bin ich schon der Meinung, man sollte zumindest zweisprachig aufwachsen. 

Monika Kotter Hohenlinden

Heimat ist da, wo ich verstanden werde. München ist demnach für Bayern, die noch im Dialekt sprechen, nicht mehr Heimat. Gestern war ich wieder einmal in unserer Landeshauptstadt und dabei musste ich erneut feststellen, dass Deutsch in der Fußgängerzone eine Fremdsprache ist und das Servicepersonal in Geschäften und Gaststätten zwar international ist, aber leider in der Mehrheit der deutschen Sprache nur bedingt und dem bayerischen Dialekt schon überhaupt nicht mächtig ist. Dieses Identitätsproblem beseitigt auch nicht ein Wirtshaus, in dem der bayerische Dialekt noch hochgehalten wird oder eine Kindergartengruppe, die versucht den Kindern einmal in der Woche Bairisch näherzubringen. Vielmehr haben wir es bewusst oder unbewusst über Jahre hinweg versäumt, unsere Eigenständigkeit auch in der Sprache im Umgang mit unseren Gästen und Neubürgern zu pflegen und zu bewahren. Dieses verlorene Selbstbewusstsein bringen uns Einzelaktionen nicht zurück und mit dem Dialekt stirbt auch der Begriff Heimat. 

Johann Neumeier Unterammergau

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