Was sollen Dieselfahrer jetzt tun?

Klaus Vick: Die Zeche zahlt der Bürger; Kommentar, Viel Gegenwind für OB Reiter; München 16. Juni

Ich verstehe nicht, was da so schwierig ist. Einfach – natürlich europaweit – allen Autoherstellern per EU-Gesetz ab sofort die Herstellung von Dieselmotoren verbieten, und alle wären glücklich: Jetzige Besitzer von Dieselfahrzeugen hätten keine Beschränkungen, Autohersteller bauen und verkaufen statt Diesel nur noch Benziner, und in 5 bis 6 Jahren hat sich das Problem von selbst erledigt. 

Bernd Röder München

Ich bitte Sie, bei den verantwortlichen Politikern einmal nachzufragen, wie die betroffenen Fahrzeughalter damit umgehen sollen. Aktuell fahre ich ein Dieselfahrzeug mit Euro-5-Norm, was gerade mal 50 000 Kilometer gefahren ist und ein Softwareupdate bekommen hat. Gerne würde ich auf Euro-6-Norm umrüsten, wo es einen Anbieter gibt, der eine funktionierende Lösung anbietet. Kosten: 1500 Euro. Die Frage, die sich dann stellt: Wer kommt für die Kosten der Umrüstung auf? Das absurde daran: Die Stadt erwägt ein Fahrverbot, worauf viele Dieselfahrer gezwungen werden, ihre Fahrzeuge zu verkaufen oder eine teure Umrüstung durchzuführen (sofern technisch möglich). Wer nun vor hat, den Hersteller dafür zur Rechenschaft zu ziehen, hat dafür nur bis Ende 2017 Zeit, die Klage einzureichen. Das sieht doch nach politischen Absprachen mit den Autoherstellern aus. Die Fahrverbote treten auf Grund Ihrer politischen Entscheidungsprozesse frühestens 2018 in Kraft. Da ist die Klagefrist für die Umrüstungskosten schon längst abgelaufen. Wer vorher klagen möchte, verliert womöglich den Prozess, weil es noch keine gesetzliche Grundlage gibt, der die entstehenden Umrüstungskosten rechtfertigt und zum Schadenersatzanspruch führt. Dazu kommt, das unser Verkehrsminister nicht in der Lage ist, technische Lösungen zuzulassen, damit man auf Euro 6 umrüsten kann. Das bedeutet, selbst wenn man vor hat, sein Fahrzeug auf Euro 6 umzurüsten, braucht die technische Zulassung der Euro-6-Anlage noch einige Zeit, sodass nur noch der Verkauf des Fahrzeuges in Frage kommt, was keiner mehr haben möchte. Interessant ist auch, dass die Autohersteller die Euro-6-Lösung des Anbieters nicht übernehmen wollen. Ich finde, erst sollten die technischen Möglichkeiten bereit stehen und zugelassen sein. Danach sollten Staat, Hersteller und Dieselfahrer sich die Kosten teilen. Die Kosten könnten bei Massenfertigung der Anlage auf circa 1000 Euro reduziert werden. Also, so wichtig das Thema Gesundheit ist, die Politiker sollten die richtige Reihenfolge ihrer Arbeiten überdenken und sich nicht der Autolobby beugen. So wie es aussieht, riecht das sehr nach Absprache. Da sind die Redaktionen und Medien gefordert der Dinge auf den Grund zu gehen. 

Rainer Weihrauch München

Die von Reiter und den Grünen vorgeschlagene Maßnahme geht vollkommen an der Realität vorbei. Unbestritten ist, dass wir in München ein Abgasproblem haben; Fakt ist aber auch, dass insbesondere die Grünen und Alt-OB Ude maßgeblich zur extremen Verschlechterung der Abgaswerte beigetragen haben. Warum? Unter deren Führung wurden reihenweise ehemals gutlaufende, zweispurige Straßen ganz oder teilweise auf eine Spur zurückgebaut (Plinganser-, Albert-Rosshaupter-, Leonrod-, Einstein-, Landsbergerstraße usw.). Unsinnige, weil kaum genutzte Rechtsabbiegespuren (Schleißheimer-/Hohenzollernstraße) markiert werden und vollkommen irrwitzige Ampelschaltungen erfolgen (Prinzregenten-/Oettingenstraße). Manche Spurverengungen bringen zusätzlich für die Rettungsdienste extreme Probleme mit sich, so insbesondere auf der Sauerbruchstraße zum Klinikum Großhadern, wo oft Rettungswachen und Notarzt unterwegs sind. Hier hat man neue Bushaltestellen eingerichtet, die ein Überholen der Busse unmöglich machen, weil die Spur viel zu schmal ist. Zudem wurde die bisherige Verkehrsführung auf der Sauerbruchstraße so verändert, dass es bei der Überfahrt der A 96 nur noch eine Geradeausspur gibt, was zu erheblichen Rückstau auf der Sauerbruchstraße führt. Wenn man von der A96 einwärts an dieser Kreuzung Richtung Pasing abbiegen möchte, gibt es zwei Linksabbiegespuren, die jedoch in nur eine Geradeausspur enden (bis zum Umbau waren es zwei Spuren). Hier kracht es laufend – Gott sei dank meist nur Blechschaden! Nahezu alle Maßnahmen der letzten fünf Jahre unter Ude/Grün haben nur zu einem geführt: wesentlich mehr Stau, vor allem zu Zeiten, wo es vorher problemlos lief. Man muss nicht übermäßig intelligent sein oder ein Prophet, um zu erkennen, dass mehr Stau höhere Abgasbelastung nach sich zieht. Bevor man solche Maßnahmen ergreift, sollte man erst mal wieder für fließenden Verkehr sorgen – dann würde die Abgasbelastung sicherlich wieder ein ganzes Stück besser werden! 

Thorsten Wille Taxiunternehmen München

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nicht übertreiben
Johanna Kiesl: Sprach-Schützer zeigen Wirten die richtige Speisekarte; München 15. September
Nicht übertreiben

Kommentare