Dann packt der große Bauwolf zu

Klaus Vick und Katrin Hildebrand: Bauland in Sicht; München 21. März

Nun beginnen die Stadtregierung und ihre Verwaltungen damit, auf alle noch freien, heißt noch nicht bereits dicht bebauten Flächen innerhalb der Stadtgrenzen von München die behördliche Hand zu legen und für die kommenden Jahre fest an sich zu binden. Was in den seit rund 80 Jahren nach der von den Nazis erzwungenen Eingemeindung von Feldmoching in die Stadt München noch an natürlichen Äckern und Grünflächen – sprich Naherholungsgebiete – verblieben war, soll nun nach dem Willen der eifrigen Stadtplaner in naher Zukunft zugebaut werden und dann verschwunden sein. Nachdem die Stadt München schon seit einiger Zeit gierig nach jeder noch freien Naturfläche greift, musste die davon betroffene Bevölkerung eigentlich damit rechnen, dass nun die noch verbliebenen größeren Reste in Feldmoching und im Raum Nordost dran sein würden. Heute stellt sich nur noch die Frage, wann deren Schonfrist dann endgültig abgelaufen sein könnte und wann dann mit dem Anrollen der Bagger der große Bauwolf zupackt. Es ist immer wieder erstaunlich, dass die Stadtpolitiker und amtlichen Planer in diesem Zusammenhang immer nur einen dringenden Wohnungsbedarf beklagen und noch größere Bauleistungen als bisher anmahnen. Welche Menschen – und woher sie kommen – diese neuen Massenwohnungen dann bewohnen werden, wird kaum bzw. gar nicht ausgesprochen. Aus anderen Regionen Bayerns ziehen, gemessen an den 25 000 bis 30 000 Neubürgern jährlich, nur rund 10 % und künftig wohl eher noch weniger in das längst überteuerte München. Also, bitte mal ganz ehrlich, woher erwarten die Macher auch oder gerade künftig weitere jährlich ca. 30 000 zuziehende Neubürger? Die Bevölkerung von München und insbesondere auch die betroffenen Menschen, die heute die Gründe für die künftigen großen Neusiedlungen im Einheitsformat, wie etwa Feldmoching u.a. als ihre Heimat und die Heimat ihrer Vorfahren betrachten, sollten ein Recht darauf haben, frühzeitig umfassend und vor allem auch ehrlich informiert zu werden. Und bitte ohne die üblichen Beschönigungen. Noch werden sie aus den Zeitungen unterrichtet. Und das macht ihnen Angst. 

Reinhard Krohn München

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