Debatte über Feiern am Karfreitag

Annika Schall: Heidenspaß an Karfreitag darf sein; München 11. April, Wie darf man an Karfreitag feiern?; Leserforum 12. April, Verzicht auf Heidenspaß; Leserforum 13./14. April

Sehr geehrter Herr Michael Haas aus Penzberg, nachdem Sie die Grundrechenarten beherrschen, gehe ich davon aus, dass Sie auch wissen, dass die Leserbriefschreiber aktuelle Themen aufgreifen und zeitnah darauf reagieren. Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn Sie sich in 10 bis 20 Jahren noch einmal zu diesem Thema äußern. Dann regt sich höchstwahrscheinlich niemand mehr auf.

 Barbara Mayr Moosach bei Grafing

1. Frau Karsten aus München: „Es ist schließlich unzumutbare Grausamkeit, zuckenden Tanzbeinen für diese Nacht Fesseln anzulegen.“ Ja, ist es tatsächlich! Und zwar wegen der Begründung, die geliefert wird, warum es allen in Bayern lebenden Menschen, eben auch die Nicht-Christen, an diesem Tag nicht gestattet sein soll, zu tanzen. Und das nicht mal irgendwo auf der Straße, sondern in einem geschlossenen Raum, in „geschlossener Gesellschaft“. Das ist (oder besser war!) ein enormer Eingriff des Gesetzgebers in die Privatsphäre seiner Bürger. Schauen Sie, mein Sohn ist im April geboren, er hatte vor ein paar Jahren tatsächlich auch schon an Karfreitag Geburtstag. An diesem Tag haben wir bewusst darauf verzichtet, im Garten eine Kinder-Geburtstagsparty steigen zu lassen. Eine Horde johlender Kinder wäre von Rechtswegen sicher nicht verboten gewesen. Ich hatte aber die Freiheit, mich so zu entscheiden. Was ist nun, wenn sein 18., 50. oder 70. Geburtstag zufällig wieder auf einen Karfreitag fallen? Warum soll er da nicht, wie jeder andere Mensch auch, im Nebenzimmer einer Gaststätte seinen Geburtstag so feiern dürfen, wie er möchte? Doch bitte nicht wegen der religiös verordneten Trauer, einer Religion, die sein nicht ist. 2. Frau Lippeck aus Geretsried: „Es erscheint mir jedoch fraglich, ob das erreichte Ziel die grenzenlose Intoleranz gegenüber der Masse Andersdenkender aufwiegt.“ Den ersten Teil des Lesebriefes muss ich ignorieren. Zum zweiten Teil kann ich nur sagen: Wer für sich selbst Toleranz einfordert, sollte mit gutem Beispiel vorangehen. 3. Frau Kaiser aus Bad Wiessee Ja, da haben Sie Recht. Natürlich ist die Heidenspaß-Party auch eine Provokation. Das muss leider sein, denn wenn allein Onkel Herbert an diesem Tag seinen 60. würde feiern wollen, würde der Missstand keine Öffentlichkeit bekommen und alles bliebe so, wie es ist. Es gibt aber eben Leute, die sich der Freiheit des Geistes verschrieben haben und der Ansicht sind, dass religiöse Vorschriften nicht staatlich verallgemeinert werden dürfen. 4. Frau Würz aus Berganger: Es mag Sie erschrecken, aber es gibt Menschen, die gehen teilnahmslos am Kreuz vorbei. Und Sie lassen Ihre Kinder sogar trotz der zu erwartenden Geschenke nicht taufen. (Man kann sein Kind übrigens auch ohne Pfarrer Willkommen heißen) Sie entscheiden sich sogar für alternative Begräbnisformen, gerne weit weit weg von irgendeiner Kirchenmauer. Und ja, ich nehme in Kauf, dafür in der Hölle zu schmoren. An die glaube ich nämlich genauso wenig wie an die 72 Jungfrauen im Märtyrer-Himmel. 5. Herr Diehl aus München: „Das verbessert nichts, sondern schürt nur Emotionen. Genauso wie der Schweinekopf vor einer Moschee.“ Wie oben schon geschrieben, doch leider muss die Provokation der Aufmerksamkeit wegen sein. Ich finde, es ist eine vertretbare Provokation, denn anders als ein Schweinekopf vor einer Moschee findet die Party hinter verschlossenen Türen statt. Kein gläubiger Christ ist gezwungen daran teilzunehmen. Ich sehe mich darin bestätigt, dass die Aufmerksamkeit nötig ist, denn aus anderen Kommentaren ist hervorgegangen, dass viele Menschen tatsächlich nicht wussten, dass das Feiertagsgesetz in Bayern (nicht in allen Bundesländern) derart strikt ist. Ohne Emotionen geht es also nicht, aber auf beiden Seiten! Ob es wirklich nichts verbessert muss die Zukunft zeigen. 6. Herr Amann aus Aufkirchen: „Das haben uns die Moslems voraus: Auch die nicht so strenggläubigen halten die islamischen Feiertage ein.“ Das ist doch bei uns genauso. Auch die nicht so strenggläubigen Christen gehen zumindest an Weihnachten in die Kirche und der ein oder andere nimmt sogar an der Fastenzeit teil. Was die abendländische Aufklärung geschafft hat: Die gar nicht Gläubigen werden immerhin nicht mehr hingerichtet. 7. Herr Silbermann aus München: „Was aber jeder könnte, wäre wenigstens einmal im Jahr mitzutrauern und den Gefolterten dieser Erde Respekt zollen durch Verzicht auf Heiden- oder sonstige Späße und Lustigkeiten.“ Sehr gerne. Aber bitte an einem Tag, der nicht durch Motive einer einzelnen Religion vorgeben wird. Es sollte in unserer Demokratie möglich sein, einen solchen Gedenktag zu finden, der dann auch tatsächlich allen Opfern Respekt zollt, indem er nicht eine Religion aus Ausgangslage nimmt, der sie nicht angehören oder angehört haben oder deren Opfer sie womöglich geworden sind.

 Sarah Arnold Ebersberg

Ich hätte vom „Bund für Geistesfreiheit“ eigentlich mehr Geist erwartet, als er diesen offensichtlich erkennen lässt. Warum muss man gerade den Karfreitag als zumindest höchsten Feiertag der Protestanten auserwählen, um seinen Lüsten und Trieben freien Lauf zu geben? Dies kann ich nur als provokative, blasphemische und rücksichtslose Agitation werten. Wenn ein solches Handeln dann noch vom höchsten deutschen Gericht in Namen des Volkes gebilligt und unterstützt wird, kann ich nur sagen, dass ich mich von diesem Gericht als Teil der Mehrheit dieses Volkes nicht mehr vertreten fühle. Vielmehr frage ich mich allen Ernstes, ob dieses Gericht inzwischen nicht auch schon von Elementen dieser „Geistes“-Freiheit durchsetzt ist?! Wo bleibt denn die so viel beschworene christlich-abendländische Leitkultur? Ich kann das Treiben dieser „Geistes“-Freien nur mit den Worten Jesu am Kreuz kommentieren: „Denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Oder, um Thomas Müntzer, den evangelischen Theologen und Revolutionär in der Zeit der Bauernkriege, in seiner reformatorischen „Fürstenpredigt“ aus dem 16. Jahrhundert zu zitieren: „Wer den bitteren Christus nicht haben will, wird sich am Honig tot fressen!“ Wenn ich dann noch lese, dass eine Berliner Schule einer evangelischen Lehrerin per Dienstanweisung verboten hat, eine Halskette mit Kreuz, das möglicherweise seit ihrer Konfirmation ihr ständiger Wegbegleiter ist, während des Unterrichts zu tragen, dann sind wir auf dem besten Weg, uns selbst abzuschaffen. 

Wolfgang Haller München

Wie können wir von Muslimen und Nichtchristen fordern, dass sie unsere Traditionen und Feiertage in unserem Land respektieren, wenn unsere eigenen Leute, die Freigeister, sich nicht daran halten wollen. Warum glauben sie, dass sie ihr Recht auf Vergnügen erkämpfen müssen? Muss es unbedingt der Karfreitag sein, zum Tanzen und Feiern? 

Sigrid Blum Steinebach/Wörthsee

Die Leute der sogenannten Geistesfreien machten auf mich überhaupt nicht den Eindruck, dass sie geistig frei handeln. Im Gegenteil, ich sehe sie als Gefangene ihres Fanatismus und ihrer Intoleranz. Wer sein Recht mittels Gerichtsentscheidung durchzusetzen versucht, kann nicht frei sein, vielmehr ist er von Unfrieden und Hassgefühlen blockiert. Übrigens, Gott und Christus können die Geistesfreien nicht verletzten, denn Gott brauch nicht den Menschen, aber der Mensch braucht Gott. 

Evi Schwarz Grainau

In Bayern haben wir neben dem Karfreitag noch weitere neun stille Feiertage, zum Beispiel den Volkstrauertag und den Totensonntag sowie den Heiligen Abend. Anders herum ausgedrückt gibt es noch weitere 355 Tage, an denen die Einschränkungen eines stillen Tages nicht gelten. Wenn sich also vermeintlich freigeistige Menschen daran hochziehen, dass sie ausgerechnet am Karfreitag feiern müssen, zeugt das von eher eingeengtem Geisteswesen, denn hier fehlt die Toleranz, zu akzeptieren, dass unser sehr freies Land doch überwiegend christlich geprägt ist. Es ist also eine engstirnige Provokation, genau und ausgerechnet an so einem Tag „Party machen“ zu müssen. Muss das denn sein? Liberalismus heißt nicht, dass jeder alles darf, sondern, dass sich das Individuum frei entfalten kann. Einer freien Entfaltung steht doch nicht entgegen, dass die Mehrheit der Bevölkerung christlich lebt und deswegen die Feiertagsruhe ein wertvolles Gut ist! Deren Glaubensfreiheit wird dadurch beleidigt. Und schlussendlich: Wir – die moderne, westliche Welt mit ihrem falsch verstandenen Liberalismus - entfremden uns von Werten, Traditionen und dem Glauben. Das kann eine moderne Gesellschaft tun; die Folge aber wird eine Leere sein, die durch andere Werte und andere Glaubenssätze neu gefüllt werden wird. Es ist kein Wunder, dass der Islam mit seiner Stringenz sogar auf manche Deutsche eine Faszination ausübt, denn wenn wir unsere Werte wie Christentum, Demokratie und Freiheit verraten, wirken wir lasch und schwach. Das Vakuum wird gefüllt werden und das hoffentlich nicht von den falschen Wertvermittlern - das Ende der Freiheit wäre gewiss und genau diejenigen, die jetzt über den „gefallenen“ Karfreitag jubilieren, werden viel mehr Restriktionen erleben als zehn Tage im Jahr, an denen sie nicht laut feiern dürfen. 

Hans A. Kolb Schliersee

Neun stille Feiertage haben wir (noch) in Bayern, acht christliche und ein staatlicher. Bleiben 356 Tage zum Feiern und Tanzen. Das ist offenbar einigen Menschen und der schreibwütigen Presse ein Dorn im Auge. Eine bessere Steilvorlage zu Abschaffung dieser Tage kann man der Regierung nicht geben. Wer die stillen Feiertage nicht respektieren möchte, sollte sich gewahr sein, dass diese Tage bald entfallen könnten und man an diesen Tagen dann zwar feiern, aber auch arbeiten darf. Dafür reichen der Respekt und der Horizont der Feierwütigen und der Presse offenbar nicht. Oder ist alles gesteuert, um diese Feiertage dem Kapitalismus zu opfern? Aktuell kann man viele Berichte zum Ramadan lesen. Wie die Moslems diesen Brauch in Deutschland leben und mit ihren Arbeitgebern und Schulen vereinbaren können. Hier ist offenbar der nötige Respekt der Feierwütigen und der Presse noch vorhanden. Dazu gibt es wenig Kritik. Deutschland ist offiziell ein säkularer Staat. Aber trotzdem dürfen wir christliche Feiertage als arbeitsfrei und bei vollem Lohn genießen. Diese Tage kann jeder nutzen, egal welcher, oder ob mit oder ohne Konfession. Alles Weitere ist mit Urlaub abzudecken, der in Deutschland auch gut geregelt ist. Aber jedes Jahr zu Ostern, wird eine mir, mittlerweile unerträgliche Dauer-Diskussion von der Presse angeführt. Zum deutschen Waffenhandel in Krisengebiete liest man nicht mal die Hälfte. Aber immer noch wundert man sich, warum viele Menschen nach Europa und schwerpunktmäßig nach Deutschland auswandern wollen. Zuerst werden wirtschaftlich schwache Länder mit sogar subventionierten Billigprodukten überschwemmt. Damit werden Landwirtschaft und Industrie dort insolvent gemacht. Anschließend kommen unsere Waffen, damit wir billiges Erdöl bekommen. Wenn dann alles ruiniert ist, wollen wir auch noch die Fachkräfte dieser Länder abziehen. Jetzt plötzlich großes Unverständnis, warum diese Länder sich nicht weiter entwickeln. Die Schuld wird allein in korrupten Politikern gesucht. Schon richtig, aber die größte Korruption passiert aber nicht in Afrika, sondern in Europa, gegen Afrika! Kleinigkeiten werden bis auf die letzte Kommastelle ausdiskutiert, aber die wirklichen Probleme bleiben liegen. Aber Hauptsache die Aktienkurse steigen. Die nächste Wirtschaftskrise ist vorprogrammiert. Dagegen war die letzte nur eine Seifenblase. Mit Vollgas trotz besseren Wissens an die Wand. Das wird aber die eigene Wand sein! 

Sebastian Holzner Wolfersdorf

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