Essen und Moral

Klaus Vick: „Tierschützer prangern Schlachthof an“; München 9. Februar

Als Metzgermeisterin in der 5. Generation stelle ich fest, dass die Kampagne gegen Fleischverzehr und Nutztierhaltung in der Presse immer extremer wird. Die Beschäftigung mit Lebensmitteln wird zu einer Art Ersatzreligion.

Dass in der Massentierhaltung und bei Fleischgewinnung zum Teil unhaltbare Zustände herrschen, und das bitte nicht nur bei uns, sondern auch global, ist ein bekanntes Problem. Deutschland ist immer schon ein Vorreiter in Sachen Hygiene, Fleischbeschau sowie Marktordnung gewesen. Fleischbänke am Stadtrand und am fließenden Gewässer lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Metzger und Landwirte arbeiten an einer Verbesserung der Zustände in den Ställen, einer stressfreien Schlachtung und der Sauberkeit. Deutschland ist ein Vorbild bei der Umsetzung von Verordnungen, Richtlinien und der dualen Handwerksausbildung. Der Kunde entfernt sich aber immer weiter vom natürlichen Umgang mit Lebensmitteln. Er freut sich, dass es im Sommer nicht mehr regnet und bringt das nicht in Zusammenhang damit, dass damit auch das Getreide auf den Feldern vertrocknet. Ein ganzes Tier muss für den Verzehr sein Leben lassen, und doch will der Kunde nur noch die Edelteile verzehren. So wird bei einem durchwachsenen Stück Fleisch, Innereien, Pressack, Blutwurst ein abschätziger Blick aufgesetzt, der mich immer wieder aufs Neue entsetzt. Die Verwertung des ganzen Tieres von vorne bis hinten ist nötig, und zwar nicht aus Profitgier sondern aus ethisch moralischen Gründen. Das Lebewesen wurde für uns aufgezogen, hat für uns gelebt und wurde für uns geschlachtet. Wir schulden dem Fleisch, Blut, Borsten, Därmen unsere Achtung und Dankbarkeit und kein „Igitt“. Das Innehalten vor den Mahlzeiten in Form eines Gebetes ist nicht mehr populär. Es ist ein Spiegel unserer Gesellschaft, wie wir zu den Lebensmittel stehen, sie sind immer verfügbar und nichts Besonderes mehr für uns. Ich bin eine Metzgerin und liebe durch und durch meinen Beruf. Es macht mir Freude, für Familien den Sonntagsbraten, für Schulkinder das Pausenbrot, das Mittagschnitzel usw. vorzubereiten. Ich verstehe unseren Beruf auch als ein wichtiges Kulturgut, in der Weitergabe von Rezepten und Traditionen. Es ist uns Metzgern ein großes Anliegen, dass unser Handwerk und unsere Produkte geschätzt und geachtet werden.

Brigitte Schlammerl Metzgermeisterin in der 5. Generation Ottobrunn

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