Stadt der Superlative

Andreas Daschner: Kita-Bau soll „Wohnen für alle“ verkleinern; München 4. Mai

München, geht’s noch? München ist eine Stadt der Superlative: die Stadt mit dem höchsten Pendlerverkehr, die Stadt mit dem höchsten Stauvorkommen, München ist auch im Spitzenbereich der Luftverschmutzung. Es ist die Stadt mit dem störungsanfälligsten Nahverkehr, mit den höchsten Miet- und Immobilienpreisen und die Stadt mit der größten Wohnungsnot. Und trotzdem leistet sich München seit Jahrzehnten eine Konzeptlosigkeit gegen diese Negativ-Entwicklung. Apropos Wohnungsnot. Hier zeigt unser Stadtoberhaupt Reiter ein besonderes Engagement für bezahlbaren Wohnraum. „Wohnen für Alle“ heißt das Zauberwort. Gemeint sind aber nicht alle Münchener, die bezahlbaren Wohnraum suchen, sondern nur die unteren Einkommensschichten und anerkannte Flüchtlinge. Für dieses Projekt will Herr Reiter beträchtlich Steuergeld locker machen und Billigbauten auf allen für die Stadt verfügbaren Flächen errichten lassen. Aber viele fragen sich, warum diese Billigbauten? Wieso kann die Stadt den Menschen nicht Unterstützung geben für ein Leben in normal gebauten Wohnungen? Davon entstehen derzeit doch Tausende in München. Da könnte die Stadt doch anmieten oder kaufen und Wohnraum mit entsprechenden Konditionen an alle Menschen weiterreichen, die bezahlbare Wohnungen suchen. Als Großinvestor und Genehmigungsbehörde ist es der Stadt doch sicher möglich, Vorzugskonditionen mit den Bauträgern auszuhandeln. Zusätzliche Billigbauten mit Ghettocharakter und fragwürdiger Nachhaltigkeit braucht’s dann nicht mehr. Und, wenn man dann noch an den passenden Standorten in die Höhe baute, könnte sogar zusätzlicher Wohnraum geschaffen und der Flächenfraß eingedämmt werden. Manche Grünfläche bliebe so erhalten. Viele Bürger verstehen nicht, warum sich Herr Reiter so auf sein Konzept „Wohnen für Alle“ versteift, wo doch die Alternativen auf der Hand liegen. Entsprechend hoch ist auch die Ablehnung bei den betroffenen Bürgern. Und sie wird wachsen, je rigoroser dieses alternativlose Billigkonzept gegen die Interessen der Bürger durchgesetzt werden soll. Dabei wäre Vieles entspannter, wenn die Stadtverwaltung wenigstens mit den Bürgern reden würde und für Kompromisslösungen offen wäre. Herr Reiter ist aber überzeugt: „Allgemeininteresse geht vor Individualinteresse“. Nur, wer bestimmt das Allgemeininteresse? Ist es Herr Reiter persönlich, oder ist es die Mehrheit von Bürgern? Und was ist, wenn’s auch andere Lösungen gibt? Ist z.B. die angeblich alternativlose Ansiedlung von 150 Menschen in Billigbauten auf einer Grünfläche inmitten eines seit Jahrzehnten gewachsenen reinen Wohngebietes wichtiger, als das Interesse von 2000 Bürgern, die diese Grünfläche erhalten wollen, für dringend benötigte Naherholungsfläche in ihrem Stadtviertel und damit für die Zukunft des gesamten Stadtbezirks? Ist die Ansiedlung an diesem Standort überhaupt notwendig? Sind andere Lösungen tabu? Ich denke, in einer funktionierenden Demokratie sollte es normal sein, dass die Stadtverwaltung mit den Bürgern spricht und ausgewogene Lösungen erarbeitet, insbesondere, wenn größere Differenzen bestehen. Allem voran muss eine Stadtverwaltung ihre Kraft darauf fokussieren, mit Großinvestoren mehr sozialen Wohnungsbau und sparsamen Flächenverbrauch zu vereinbaren. Dies geschieht viel zu wenig. 

Dr. Kurt Parsiegla München

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