Der geldige Münchner Süden wird verschont

Sophie Krause: Bürger fürchten Abriss ihrer Häuser; München 7. Dezember

Heute der Allacher Tunnel, vorgestern der Landshuter Allee-Tunnel, vergangene Woche die Straßenbahn in der Fürstenrieder Straße – alles typische Münchner Lösungen. Alle mindestens eine oder zwei Nummern zu klein, zu kurzsichtig. Dabei war den meisten Bürgern bereits vor dem Bau des heute bestehenden Landshuter Allee- Tunnel klar, daß diese Lösung keine nachhaltige Lösung sein kann. Gut, dass der Souverän seit 1800 und auch schon vorher im Rahmen der Planung seiner geliebten Haupt- und Residenzstadt wie weit mehr Phantasie und Weitblick gezeigt hatte, sonst gäbe es alles das, worauf unsere Stadtpolitiker so stolz sind, nicht. Keinen Max-Josef-Platz, keine Ludwigsstraße, keine Maximiliansstraße, keine Prinzregentenstraße, oder, wenn man will, auch keinen Englischen Garten, die Liste lässt sich fast beliebig fortsetzen. Die eingangs angeführten Straßenprojekte treffen wohl zu einem großen Teil den Bund, die Straßenbahn jedoch den Münchner Bürger. Dabei wäre es einfacher und mit Sicherheit nachhaltiger an Stelle der Straßenbahn einmal zwei Nummern größer zu denken, und gleich mit einer U- Bahnlinie zu beginnen. damit gäbe es einen wirklich hervorragend gelegen Umsteigebahnhof zur S- Bahn in Laim. Es bietet sich an den Südast an der U- Bahnstation Machtlfinger Straße einzubinden und bis nach Thalkirchen als vorläufigen Wendebahnhof weiterzuführen. Der Nordast könnte zum Westfriedhof oder auch zum Olympiagelände streben. Dies bedeutet den Einstieg in eine Ringlinie, bei der immer wieder einmal durch Verbindungstrassen bereits bestehende Streckenteile mit genutzt werden können. Die Kosten für eine U-Bahn sind zweifellos deutlich höher, aber hier kann mit Sicherheit mit einer nicht unerheblichen finanziellen Beteiligung von Bund und Land gerechnet werden. Da diese Ringlinie alle S- und U-Bahnlinien schneidet, führt dies zu einer besseren Verteilung des Zielverkehrs und einer erheblichen Entlastung Schienenverkehrs in der Kern- und Innenstadt. Bitte mehr Mut, mehr Nachhaltigkeit und mehr Voraussicht! 

Max Lohlein München

Auch wenn - oder gerade weil - es erst eine Vorplanung ist, sollte sich der Bezirksausschuss Allach-Untermenzing mit den anderen betroffenen Stadtbezirken und Gemeinden im Westen, Norden und Osten zusammen tun. Statt dass der Durchgangsverkehr von der Lindauer und der Stuttgarter Autobahn her über den Norden geleitet wird, sollte man auf eine Südumgehung dringen - neben mindestens einem S-Bahnring noch vor der zweiten, dann auch immer störanfälligen Stammstrecke. Es ist einfach nicht einzusehen, dass ausgerechnet der geldige Süden von allen Belastungen (Müllverbrennung, Heizkraftwerke, große Industriegebiete, Umgehungs- und Durchgangsverkehr) verschont wird. Diese müssen schon von uns allen getragen werden, also hat auch der Süden seinen Beitrag zu leisten. Ich habe seit Jahren beruflich und ehrenamtlich häufig im Südosten zu tun und weiß ein Lied davon zu singen, welche Schwierigkeiten es mit sich bringt, im Süden mit dem Auto oder mit dem ÖPNV über die Stadtmitte durchzukommen, besonders wenn das zu Berufsverkehrszeiten geschehen muss. Man kann heute auch sehr gut Autobahnen einigermaßen umweltverträglich bauen, auch wenn die Streckenführung im Süden sicherlich schwieriger ist, als über den Norden der Münchner Region. Darauf zu hoffen, dass der Verkehr weniger wird, weil keine neuen Straßen mehr gebaut werden, ist ein Trugschluss - jedenfalls solange, wie der Erhalt und Ausbau des Schienenverkehrs nicht voran geht. Der Schienengüterverkehr wurde sogar rückgebaut und heute favorisiert ein Herr Dobrindt die Gigaliner statt die Voraussetzungen für längere Güterzüge (bis 740 m - in den Niederlanden gibt es Züge bis 1000 m) bei ausreichenden Lärmminderungsmaßnahmen zu schaffen. Ein Beispiel für die Vernachlässigung dafür ist auch die zögerliche Handlungsweise bei den Zulaufstrecken zum Brennerbasistunnel. Aber auch bei den neueren Technologien, wie den Hyperloop – eigentlich eine Fortsetzung der alten Rohrpost und der Magnetschwebetechnik – rührt sich hier im dicht besiedelten, hochtennologisierten Land von politischer Seite her nichts. Und bis einmal die vielen Leerfahrten beim Lkw-Transport durch ein logistisches Gesamtsystem entscheidend verhindert werden können, wird auch noch sehr lange Zeit dauern - besonders, wenn um Just-in-Time geht. Also bleiben vorerst nur Lösungen, wie ein Autobahnsüdring, von dem auch der Süden profitieren könnte, wenn man dabei richtig und schonend vorgeht. Davon könnten auch die vom Durchgangsverkehr betroffenen Gemeinden des Südens profitieren. 

Ingrid Novosad Planegg

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nicht übertreiben
Johanna Kiesl: Sprach-Schützer zeigen Wirten die richtige Speisekarte; München 15. September
Nicht übertreiben

Kommentare