Ostbahnhof ist für S-Bahnen wieder frei – noch immer herrscht Chaos

Ostbahnhof ist für S-Bahnen wieder frei – noch immer herrscht Chaos

Baustopp in München

Klaus Vick und Ulrich Lobinger: „Wir müssen bauen – trotz Bürgerprotesten“, Interview mit Oberbürgermeister Dieter Reiter; München 3./4. Dezember

Wo bleibt das viel beschworene die Menschen mitnehmen? Offensichtlich sind Allgemeinplätze und Ignoranz immer noch gut gehende politische Stilmittel, oder etwa doch nicht? Nicht nur Generation Y und Gen Z werden die Antworten geben. Möglicherweise über eine Abstimmung mit den Füßen und die ein oder andere politische Partei wird sich über einen weiteren Schwund ihrer Stammwählerschaft nicht beklagen dürfen. Zuerst verschläft man – vielleicht auch politisch motiviert – über Jahre den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur - selbst wenn man heute anfinge das „volle Programm“ (2. Stammstrecke, Ring-S-Bahn, U-Bahn bis Germering, Autobahnring Süd-West) umzusetzen, kämen die Maßnahmen auf jeden Fall zu spät – um dann im Gegenzug zu bauen, dabei dringend notwendige Grünflächen zu versiegeln, koste es, was es wolle. Dankbar schaut so mancher auf den Vor-Vorgänger von Dieter, dass dieser im Rahmen eines Bürgerentscheides übertrieben hohe und dem Münchner Stadtbild nicht zuträgliche Hochhäuser verhindert hat. Herr Kronawitter war in der Lage sprichwörtlich „dem Volk aufs Maul zu schauen“ und hat dafür viel Lob geerntet. Den Beweis, „wir müssen möglichst viel bezahlbare Wohnungen schaffen, da sonst zuziehende Gutverdiener die angestammte Bevölkerung verdrängen“, bleibt unser Oberbürgermeister schuldig. Wie ist die Situation denn heute? Richtig. Es werden Wohnungen gebaut. Und wer profitiert? Etwa die zuziehenden Gutverdiener? Für Dieter Reiter wäre es ein Leichtes, eine Statistik darüber zu erstellen, uns Münchnern zum Beispiel über den Münchner Merkur vorzulegen. Vielleicht liegt es ja daran, dann ein vermehrtes Angebot auch eine größere Nachfrage schafft. Müssen wir nicht vielmehr ganz anders denken? Warum nehmen wir es einfach so hin, dass München pro Jahr um 20 000 Menschen wachsen soll? Kann oder will man hier nicht gegensteuern? Wäre nicht eine unabhängige Studie/Gutachten, das sich damit beschäftigt, wenn man in München eine Art Baustopp (bauen im geringen Umfang natürlich ja) hätte und gleichzeitig Programme entwickelt, andere Städte und Gemeinden attraktiver zu machen richtig?. Wie wohltuend hingegen ist es, die Menschen mitzunehmen. Ein weiterer Bürgerentscheid war der Bau der drei Tunnels am Mittleren Ring. Wenn der Bau von Freiham mit 10 000 Wohnungen Fahrt aufnimmt und die ersten Einheiten fertig gestellt sein werden, wird es wenigstens noch zu bestimmten Uhrzeiten möglich sein, beispielsweise von Freiham nach Perlach einigermaßen staufrei zu kommen. Dass der Verkehr in Perlach auch gut abfließen kann, liegt u.a. auch an der vierstreifigen Ständlerstraße. Im Münchner Westen gehen wir nun daran, die Fürstenriederstraße wegen einer Tramlinie zum Nachteil des fließenden Verkehrs zu verändern. Lassen Sie uns heute Schadstoffmessungen durchführen und nach der Maßnahme! Wie sich der zu erwartende Stau und stop and go Verkehr dann wohl darauf auswirken wird? Wäre es vielleicht schadstoffbezogen nicht ganz so dramatisch, wenn die Autos mit Verbrennungsmotoren tatsächlich nur das emittieren würden, was die Hochglanzprospekte so ausweisen? Dürften wir dann wieder mit Tempo 60 über die Donnersberger Brücke fahren, könnten uns dort den Tunnel erst einmal sparen und hätten auf der Landshuter Allee, dem Stachus künftig der Fürstenriederstraße bessere und grenzwerteinhaltende Luft? Eine Trambahn wird dem nicht gerecht. Wie gut können ältere Menschen sich in einer übervoll besetzten und ruckelnden Trambahn im Stehen festhalten? Eher schlechter. Das wissen wir alle. Genau so wissen wir, dass die ältere Bevölkerung in München zunehmen wird. Die Alternativen wären zum Beispiel die U-Bahn oder dann doch wieder das Auto. Wenn der Oberbürgermeister nachvollziehbare Argumente in dieser Angelegenheit hat, sollte er diese vorlegen. Denn auf dem Weg zu städtebaulichen und verkehrspolitischen Verirrungen (vgl. bestimmte Bauviertel in Paris) sind nur die ersten Meter geteert, dann kommen die Pflastersteine (Bürgerbegehren). Für ein lebenswertes München. Wolfgang Stellmach München

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