Grundvernünftige Forderung

Peter T. Schmidt: Denkste!; München 30. November

Man kann und darf sich über viele Dinge lustig machen, sicherlich auch über die Münchner Stadträte. Aber Herr Schmidts Polemik gegen eine „der kleinen Fraktionen” im Stadtrat, deren Namen auszusprechen er sich offensichtlich zu fein ist, hat die Grenze des guten Geschmacks weit überschritten. Was an der grundvernünftigen Forderung nach Kontrollen von Güterzügen, die ganz offensichtlich sowohl die Flüchtlinge vor ihren gefährlichen Aktionen schützen, als auch für weniger Störungen im Münchner S-Bahn-Netz sorgen soll, verkehrt oder gar lächerlich ist, erschließt sich dem geneigten Glossen-Leser nicht. Das darauf folgende Schwadronieren des Autors über eine Ausweitung der Kontrollen auf Flugzeuge, mit denen im Fahrwerkschacht versteckte Flüchtlinge aufgefunden werden könnten, ist allerdings schlicht und ergreifend unanständig. Offenbar hat es sich noch nicht bis zum Chefreporter herumgesprochen, dass die Überlebenschancen dieser verzweifelten, bemitleidenswerten Menschen gleich Null sind. Häufig ersticken oder erfrieren sie jämmerlich oder fallen völlig entkräftet aus dem Flugzeug - wie in den letzten Jahren mehrfach geschehen, bspw. in London. „Es ist immer wieder erstaunlich, was passiert, wenn man Menschen viel Zeit zum Denken gibt,“ schreibt der Chefreporter eingangs. Es ist erschreckend, was passiert, wenn Reporter sich vor dem Schreiben keine Zeit zum Denken nehmen, denkt sich der geneigte Leser. 

Siegfried Schwaiger Wielenbach

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