Risiko des Steuerzahlers

„Ein Ethik-Code für die Olympia-Bewerbung“; München 25. Oktober

Ja, lernen wir denn gar nichts aus der Tatsache, dass Salzburg (schon vor einigen Jahren) und die Schweiz nach Bürgerbefragung von der Bewerbung um Olympische Winterspiele Abstand genommen haben? Wobei diese Wintersportzentren doch die besten Voraussetzungen für erfolgreiche Spiele mitbringen und die geforderten Einrichtungen dort größtenteils schon vorhanden sind - im Gegensatz zu der Region Garmisch-Partenkirchen, wo die Anlagen für sechs der geplanten zehn Disziplinen sowie ein Olympisches Dorf und Medienzentren, Verbindungsstraßen mit Bahnunterführungen usw.neu gebaut werden müssen! Und warum verschließen die lautstarken Befürworter die Augen vor den Bauruinen und finanziellen Verlusten, die die Winterspiele der letzten Jahrzehnte an den Austragungsorten hinterlassen haben? Und wer denkt an die armen Einwohner von Garmisch-Partenkirchen, die Jahre vor und nach den Spielen auf einer Riesenbaustelle mit dem entsprechenden Lärm von Hubschraubern, Lkws und Baumaschinen leben müssen? Wer kann es verantworten, dass um unseren Kurort herum die schönsten Spazierwege und Wandergebiete - für uns Bürger und unsere Gäste - auf Jahre hin durch die diversen Bautätigkeiten unbenutzbar werden, und so unsere Lebensqualität nachhaltig beeinträchtigt wird? Sind es nicht leere Versprechungen, wenn uns weisgemacht wird, dass die (wirklich wünschenswerten) Umfahrungsstraßen mit Olymp. Winterspielen (schneller) gebaut werden, wo sie doch um unseren Ort herum statt in den Ort hinein zu den Unterkünften und Sportstätten führen und daher für Olympia gar nicht gebraucht werden? Haben die Befürworter eine Ahnung von den unzumutbaren Bedingungen des IOC, wenn sie das Bid Book (für die Bewerbung um 2018) nie gelesen haben? Und nun wird uns zugemutet, über eine29 Mio ¤ teure Bewerbung abzustimmen, zu der das Bid Book mit seinen unkalkulierbaren Auflagen noch gar nicht vorliegt! Liebe Mitbürger, fallt nicht rein auf das Politiker-Versprechen, die Spiele seien „ein Gewinn für alle“ (Haderthauer)! Allenfalls kann diese hohle Floskel ausgelegt werden als: „Gewinn für alle Mitglieder des IOC, aber Risiko und Verlust für alle anderen“ (nämlich die Austragungsorte und die Steuerzahler).

 Hiltrud Schmid-Egger Garmisch-Partenkirchen

Was die Ethik der Oly-22-Werber als Sittlichkeit ihres Handelns angeht, so mögen sie gerne den Mio-Verlustvortrag aus der ersten Bewerbungspleite offen- legen. Und ehrlich aufzeigen, wie viel der Steuerzahler dafür reingebuttert hat. Transparenz wäre ganz toll: Zur Kostenplanung, Nutzenstiftung, zu den Pflichten gegenüber den globalen Ringe-Vermarktern, in den jeweils dollar-schweren Stadien Bewerber/Kandidat/Ausrichter. Und welche Gegenleistungen dabei zu erwarten, einzukalkulieren sind. Im übrigen könnte die Münchner Instanz den sog. „Olympischen Geist“ beleben suchen. Durch eine allgemeinverständliche Positionierung, wie man Zwangs- enteignungen von Grundeignern, Landschaftsumwälzungen, Olygarchie zum kommenden Friedensfest in Sotschi 2014 mit dem Oly-Spirit in Einklang bringen mag. Nun denn – hungrige Wölfe mögen noch so viel Kreide fressen, an‘s liabe Großmütterlein glaubt keiner mehr.

Rudolf G. Hörmandinger Farchant

Nachdem Olympiabefürworter für einen Schweizer Altherrenclub namens Internationales Olympische Komitee (IOC) extra Gesetze geradebiegen, Steuerschlupflöcher ermöglichen (für das IOC sind alle Gewinne steuerfrei) und hochriskante, rechtswidrige Verträge mit dem IOC auf Risiko des Steuerzahlers unterschreiben, haben die Olympiabefürworter plötzlich die Ethik für sich entdeckt. So werden aus Sündern Heilige. Dann müsste jetzt logischerweise der Kontakt zum IOC abgebrochen werden, die Sonderregelungen und Verträge annulliert werden und die Bewerbung für olympische Spiele müsste abgesagt werden. Bin ja gespannt.

 Wolfgang Graf München

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