Stimmen zur Olympia-Bewerbung

Erst einmal ein Klares „Nein“ zu den Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen.

Zu Olympia selbst frage ich mich, ob das olympische Gedanken gut noch zeitgemäß ist. Nach meinen Informationen orientieren sich die fundamentalen Prinzipien an Werten und Zielen der olympischen Bewegung unter Führung des IOC. Die ethischen Werte des Sports sollen geschützt und jede Diskriminierung bekämpft werden. Das IOC hat sich für die Gesundheit der Athleten und gegen jeden politischen und kommerziellen Missbrauch des Sports einzusetzen. Das alle hat mit der Realität nichts mehr zu tun. Der Sport dient als Mittel zum Zweck zur totalen kommerzielle Ausbeutung unter dem Deckmantel Olympia. Wenn das IOC die längst überfälligen Reformen und Änderungen nicht einleitet, werden Olympische Spiele keine Zukunft haben.

Helga Schels Garmisch-Partenkirchen

Olympia – Ja oder Nein? Wer könnte eigentlich gegen friedliche und faire Olympische Spiele nach der Vision von Coubertin sein. Es würden sich wenig Gegenargumente finden lassen, wenn davon abgesehen wird, dass selbst solche Spiele heute wegen der gegenwärtig geführten Kriege, der von nicht zur Verantwortung gezogenen Spekulanten aus Profitgier herbeigeführten Weltfinanzkrise und angesichts des daraus resultierenden Elendes auf der Welt zu überdenken wären. Wer will ernsthaft bestreiten, dass bei den Spielen von heute Sport nur noch am Rande, praktisch als Mittel zum Zweck, vorkommt und nur noch mit sich ständig steigerndem Gigantismus in der Hauptsache der Profitmaximierung und dem Prestige der Lobbyisten aus Politik und Wirtschaft dient. Wenn die Kanzlerin einem Medaillengewinner (hoffentlich Gold – danach kommen schon die Verlierer) die Hand schütteln kann, bringt das mindestens fünf Wählerstimmen – wenn auch teuer mit Steuermitteln und Natur erkauft. Naiv, wer andere Motive unterstellt. Sport und Gesundheit – darum sind die vom IOC auserwählten 1a Sponsoren Coca-Cola und McDonald’s prädestiniert, diesen Grundsatz zu beweisen. Sportler, die von deutschen Steuergeldern ausgebildet, gefördert und zum Sieg verholfen werden, um dann in Steueroasen zu leben, sind auch kein Ausdruck für Fairness. Und der Sportinteressierte, aber auch der Nichtinteressierte im Austragungsland bezahlt die Zeche, ob er will oder nicht. Wenn Sportverbände und Politik als Lobbyisten der Wirtschaft solche Olympischen Spiele befürworten, sollte als moralische Voraussetzung die bekannten Dopingerkenntnisse nachvollziehbar ausgewertet, nicht verschwiegen und im gegebenen Falle auf eine Bewerbung ganz im Sinne der olympischen Charta verzichtet werden. Kann eine solche Moral vorausgesetzt werden? Wer Olympische Spiele will, soll sie aus eigener Tasche bezahlen und alle Risiken per Bürgschaft tragen. Wenn die Herren Oberbürgermeister von München und Garmisch-Partenkirchen und alle anderen Befürworter mit ihrem Privatvermögen für die Spiele einstehen müssten – dann wären deren Initiativen sicherlich sofort, aber sofort weg. Was sind eigentlich Sponsorengelder? Insoweit kann der Slogan: Ortsumfahrungen in Garmisch-Partenkirchen – nur mit einem Ja für Olympia, nur als nicht durchdachte Erpressung gewertet werden. Zahlen die Sponsoren wie gesetzlich vorgeschrieben Steuern, kann mit diesen Mitteln nachhaltige und dem Gemeinwohl dienende Infrastruktur geschaffen werden. Jeder andere Zusammenhang ist einfach unredlich. Die Gegner der Olympischen Spiele dieser Art sollten sich organisieren und auf dem Rechtsweg die Verfassungswidrigkeit der Verträge mit dem IOC prüfen lassen und deren Offenlegung erzwingen.

 Wilfried Blume Oberammergau

Es war einmal ein trüber, nebliger, ungemütlicher Novembertag, der sich aber flugs zu einen Strahlentag für den IOC umwandelte. Das zweifelsohne schönste Millionendorf auf unserem Globus namens München hat sich großzügiger weise für das Mitwirken an den olympischen Winterspielen entschieden. Das als lieblich, anmutig und griabig geltende Voralpengebiet wurde selbstredend als Eskorte mit einverleibt. Eigentlich war es nur noch eine Frage der abzureißenden Kalenderblätter, wann die Bayernmetropole die Zusage erhalten sollte. Gesagt, getan, natürlich selbstverständlich ging diese Formsache über die Bühne. Es war doch klar, die fünf Olympiaringe landeten in München und ließen so mancher fragwürdigen bzw. ernstzunehmenden Wintersportart freien Lauf. Vorerst wurden Planungen, darunter viel Unsinnigkeiten, welche schon längst in den Schubladen warteten, mit Volldampf in die Wege geleitet. Darunter zahlten in erster Linie die Vergewaltigungen unserer sonst so geduldigen und gutmütigen Natur. Nachdem sich diese Torturen zusehends verschlimmerten, fiel ihr ein altes, geflügeltes Sprichwort ein: „Der Mensch braucht die Natur, aber die Natur braucht nicht den Mensch“. Aber ob er dies auch in anderen Problemen je erkannt hat, scheint sehr fraglich. Der IOC und dessen Gefährten blickten mit stolzgeschwellter Brust auf ihre vollbrachten Kunstwerke und fanden letztendlich die herrliche Beigabe, nämlich eine gleißende Schneedecke, für selbstverständlich. Aber die Natur hatte nix vergessen – pünktlich zum Entfachen des Oly-Feuers kam von ihr ein kleines Geschenk: eine anhaltende, lauwarme Brise namens Föhn.

Peter Koll Weilheim-Deutenhausen

Ein neuerliches Olympia in München würde für die Mehrzahl der Bewohner nur Nachteile bringen und ist daher abzulehnen! Die Wohnungskosten in München – sowohl die Mieten als auch die Preise für Eigentumswohnungen – haben jetzt schon Spitzenwerte erreicht und steigen immer schneller. So werden für Mietwohnungen schon 13 Euro und mehr pro qm verlangt und für neu gebaute Eigentumswohnungen in guter Lage bis 9000 Euro pro qm. Falls München den Zuschlag für eine neuerliche Olympiade bekommen sollte, ist damit zu rechnen, dass sich die Preistreiberei auf dem Wohnungssektor noch weiter beschleunigen wird, wodurch nicht nur die Reichen noch reicher, sondern vor allem die Armen noch ärmer würden. München gilt heute schon als die am dichtesten bebaute Großstadt Deutschlands. Teilweise werden schon Gebäude aufgestockt, um eine noch dichtere Bewohnung möglich zu machen. Auf die dadurch sinkende Lebensqualität der Bewohner wird keine Rücksicht genommen. Nach einer unlängst erschienenen Meldung wurden auf der Bahnstrecke München-Garmisch-Partenkirchen Ausweich- und Abstellgleise abgebaut, wodurch es seither zu massiven Verspätungen kommt. Wie sollen Massen von Besuchern ins Gebirge kommen, wenn schon der normale Verkehr nicht mehr funktioniert? Im Sommer 2008 ließ die damalige bayerische Staatsregierung (Dr. Beckstein) rund 1000 fertig ausgebildete Junglehrer auf der Straße stehen, obwohl das bayerische Schulwesen schon seit Jahren an überfüllten Klassen und ständigen Unterrichtsausfällen litt. Ergebnis: laut Ländervergleich im Münchner Merkur vom 12./13. Oktober 2013 sind bayerische Schüler heute nur noch Mittelmaß. Bayern braucht keine neue Olympiade, sondern mehr Lehrer.

Helmut Waibel München



Das neue Zonenrandgebiet heißt Garmisch-Partenkirchen. Für Garmisch-Partenkirchen ist eine Lösung seiner Infrastrukturprobleme nur über Olympia 2022 zu lösen. Ansonsten meint Innenminister Herrmann, kommen die dringend nötigen Umfahrungen für Garmisch-Partenkirchen lange nicht. Somit bleibt für die Zukunfts-Chancen unserer Jugend Garmisch-Partenkirchen nur die Hoffnung auf Olympia 2022.

Dr. Günther Bail Garmisch-Partenkirchen

Winterolympia 2022 in Oberbayern ist genauso größenwahnsinnig wie die geplante 3. Startbahn im Erdinger Moos. Zur riesigen Kostenwelle, die wir Bürger zu zahlen haben, kommt noch die immense und irreparable Naturzerstörung. Beispiel Winterolympiade Turin 2006: 25 Millionen Defizit, Abriss vieler Sportstätten wegen zu hoher Unterhaltskosten. Liebe Münchner, liebe Oberlandler, stimmt gegen die Olympischen Winterspiele!

Martl Bormann Attenkirchen

Wie schon bei den versendeten Wahlinformationen enthält die Stadtinformation lediglich eine Werbekampagne Pro-Olympia. Dabei enthält sie die üblichen teilweise sich widersprechenden Zusicherungen. Ein Beispiel: Tolle Imagesteigerung für München (= noch mehr Zuzug), aber keine Mietsteigerung! Wie soll denn das gehen? Ich frage mich, warum Ude dann überhaupt einen demokratischen Bürgerentscheid startet, wenn er diesen dann nach allen Regeln der Kunst beeinflusst? Warum bestimmt er nicht gleich über alle Köpfe hinweg eine Olympiabewerbung wie vor zwei Jahren?

Wolfgang Graf München

Liest man die Argumente der Olympiagegner, muss man glauben, dass direkt nach Olympischen Spielen der Untergang unserer Republik und Bayerns folgen würde. Gerne möchte ich wissen, wie viele der Schwarzmaler ehemalige Austragungsorte von Olympischen Winterspielen besucht haben. Ich habe Lillehammer und Whistler Mountain im Sommer gesehen und konnte keine negativen Eingriffe in die Natur feststellen. Außerdem durfte ich seit meinem 15. Lebensjahr (Jugendlager in Innsbruck 1964) 10 Olympische Winterspiele als Teilnehmerin, Physiotherapeutin und Zuschauerin miterleben. Die große Freude und begeisterte Stimmung der Bevölkerung in Norwegen, Kanada oder im Sommer in Großbritannien und ganz besonders auch bei den Paralympischen Spielen werden mir unvergessen bleiben. Auch hier wurden im Vorfeld ähnliche Horrorszenarien gemalt wie jetzt bei uns, und trotzdem identifizierte sich die ganze Nation mit den Spielen. Unser Land lebt von Visionen, nicht von Schwarzmalerei, unser Land braucht Fortschritt und Begeisterung. Deshalb: Ja zu Olympia.

Traudl Münch Garmisch-Partenkirchen

Stimmt es, dass sämtliche Werbeeinnahmen mit Bezug auf Olympia das IOC kassiert? Und diese Summe verschwindet bzw. irgendwo im Ausland versteuert wird? Stimmt die Kostenschätzung für Neu- und Umbauten der Sportstätten und das vorgeschobene Argument von verschiedenen Personen, dass ja noch 1300 Wohnungen (man höre: bezahlbare) gebaut werden? An den Gemeinden und Städten bleibt es hängen (Steuerzahler)! Letzter Punk: Wer zahlt? Wer kassiert? Und welche Gruppen haben, sofern sie an der Sache beteiligt sind, indirekt Vorteile (gleich welcher Art, jetzt oder später)?

 Heinz Röwekamp München

Welche Naivität muss man haben, wenn man behauptet, dass es kein einziges Verkehrsprojekt gäbe, das für die olympische Bewerbung notwendig wäre? Das Gegenteil war für die Münchner Olympischen Spiele ’72 der Fall. U-Bahn, S-Bahn etc. waren die Grundbausteine für eine erfolgreiche Bewerbung. Was sich nachhaltig auf die Entwicklung dieser Stadt ausgewirkt hat. Wenn man glaubt, dass an Verkehrstechnik für die Olympia-Bewerbung schon alles vorhanden sei, belügt sich selbst. Die Situation im gesamten südlichen Raum von München hat sich in den letzten Jahrzehnten durch immer höheres Verkehrsaufkommen nachhaltig verschlechtert. Die Menschen, die dort wohnen – von Germering bis Ottobrunn – und die Autofahrer sind davon in gleicher Weise betroffen und dies ohne Hoffnung bzw. Aussicht auf Verbesserungen. Weichenstellungen für die kommenden Jahrzehnte sind dringend notwendig. Auch ohne Schließung des (weiträumigen) Autobahn-Südrings. Ausbau des Eisenbahnsüdrings auf vier Spuren und direkte Schienenverbindung Berchtesgaden/Garmisch mit späterem Ausbau zur Alpenpanorama-Straße Berchtesgaden/Lindau mit Einbeziehung vorhandener Trassen. Bis auf zwei Abschnitte nämlich Bad Tölz/Bichl und Kochel/Eschenlohe mit je 12 km Länge (neu) ist die Strecke bereits vorhanden. Für den bayerischen Fremdenverkehr eine attraktive Konzeption für später! Fazit: Ohne schlüssiges Verkehrskonzept wird die Olympia-Bewerbung eine Nullnummer.

 Ernst Högenauer Gräfelfing

Nachdem völlige Einigkeit zwischen den OB-Kandidaten der CSU, SPD und der FDP besteht, pro Olympia zu sein, ist von der OB-Kandidatin der Grünen, Nallinger, nichts zu hören. Es ist anzunehmen, dass auch sie im Interesse der Stadt auch pro Olympia ist, aber aus Parteiraison sich nicht äußern will oder darf. 85 % der Anlagen der Sommerspiele 1972 werden doch übernommen. Wieder einmal präsentieren sich die Grünen als Nein-Partei, und man sollte nicht vergessen, dass es die Grünen waren, die damals den Ausbau des Mittleren Rings, der Messe und den Flughafen abgelehnt haben. Man stelle sich nur vor, wenn das alles nicht realisiert wäre, was nun für ein Verkehrschaos in der Stadt wäre. Ich hoffe, dass genug Stimmen für eine Olympiabewerbung zustande kommen und dass die Mitbürger für ein weiteres positives Image der Stadt sorgen.

 Heinz Steinmann München

Thomas Schmidt: „Geld und Spiele“, Felix Müller/Thomas Schmidt: „Olympia 22: Mit Promis auf der Zielgeraden“; München 5. November, „Debatte um Bewerbung für Olympia 2022“; Leserbriefe 4. November

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